11 Jahre klimaneutrales Drucken in Unternehmen [2]: Interview mit ClimatePartner

11 Jahre klimaneutrales Drucken in Unternehmen [2]: Welche Prozesse Unternehmen klimaneutral gestalten können

Interview mit Moritz Lehmkuhl, Geschäftsführer der Erfinder des klimaneutralen Druckens, ClimatePartner GmbH

In Teil 2 unserer kleinen Artikelserie zum Thema „Klimaneutralität“ und „klimaneutrales Drucken“ berichtet der Geschäftsführer der Klimaschutzberatungsagentur ClimatePartner GmbH mit Sitz in München, Moritz Lehmkuhl, welche Prozesse Unternehmen klimaneutral gestalten können und was aus den Erfindern des klimaneutralen Druckens geworden ist.

Im 1. Teil der Artikelserie beleuchten wir die Geschichte der Klimaneutralität in Deutschland. Der Autor, einst freier Vertriebsmitarbeiter der Klimaschutzberatungsagentur ClimatePartner, berichtet über die Erfahrungen, die er als erster Außendienstmitarbeiter im norddeutschen Raum mit dem „Prozessstandard klimaneutrales Drucken“ mit Druckereibesitzern gesammelt hat.

Über 400.000 Aufträge sind schon klimaneutral gestellt worden und es sind heutzutage oft 1.000 Aufträge pro Tag; sprich: Wir sehen schon, dass es eine gewisse Relevanz erreicht hat.

Moritz Lehmkuhl, ClimatePartner GmbH


Fragen an einen der Pioniere der Klimaneutralität:
Das klimaneutrale Drucken war recht früh eine Maßnahme in Sachen Klimaneutralität. Wann und wie ist ClimatePartner gestartet? Und warum bist du damals ausgerechnet auf das klimaneutrale Drucken gekommen?
ClimatePartner ist ungefähr im Jahr 2004 gestartet. Nach den ersten Pilotprojekten mit Kunden aus ganz unterschiedlichen Branchen bin ich relativ schnell auf die Druckbranche gestoßen. Zum einen war ich sehr begeistert über die fantastischen Unternehmen in der Branche – insbesondere auch die Hingabe, Qualität und Detailverliebtheit zu dem Druckprodukt – zum anderen war ich überrascht, wie schwierig es die Unternehmen der Branche haben, sich mit ihrem Unternehmen und Produkt zu differenzieren.

Moritz Lehmkuhl, Geschäftsführer der Klimaschutzberatungsagentur ClimatePartner GmbH
Foto: ClimatePartner
Klimaneutralität im Unternehmen - Moritz Lehmkuhl, ClimatePartner

Wir wollten den Unternehmen Unterstützung geben, aktiv Klimaschutz zu betreiben und auch am Markt erfolgreich ökologisch, klimaneutrale Produkte zu platzieren. Wir haben am Anfang gesehen, dass viele Unternehmen der Branche ein beeindruckendes Umweltengagement betreiben, aber wir sie an einigen Stellen sicherlich sinnvoll ergänzen können.

Wie hat sich die Wahrnehmung und Akzeptanz Eurer Arbeit im Laufe der Jahre auf Seite der Unternehmen verändert?
Es hat sich schon extrem geändert. Als wir mit den ersten Druckereien gestartet sind, gab es noch weit und breit keine Branchenlösung, klimaneutral zu drucken. Damals haben viele das Thema als exotisch wahrgenommen und oftmals gemeint, dass das Thema niemals relevant werden wird.

Bei ClimatePartner lässt sich das Klimaschutzprojekt wählen. Hier: Klimaschutzprojekt Waldschutz in Papua Neuguinea
Foto: ClimatePartner
Klimaneutralität im Unternehmen - Klimaschutzprojekt Waldschutz von ClimatePartner

Heutzutage haben wir in Europa und darüber hinaus über 750 Druckereien, die mit unserer Unterstützung klimaneutrales Drucken anbieten. Über 400.000 Aufträge sind schon klimaneutral gestellt worden und es sind heutzutage oft 1.000 Aufträge pro Tag; sprich: Wir sehen schon, dass es eine gewisse Relevanz erreicht hat.

Deutschland lag 2015 auf Platz 6 der CO2-Emittenten weltweit. Die Bereiche Energie- und Wärmeerzeugung, Transport und Industrie sind für 84% aller CO-Emissionen verantwortlich. Wie geht ihr als Berater vor, wenn beispielsweise eine Reederei Interesse an einer glaubwürdigen Klimaschutzstrategie bekundet?
Sinnvoller Klimaschutz ist für uns immer eine Kombination aus

  • CO2-Bilanzierung, damit man weiß, wo man ansetzen kann und man sinnvolle, transparente und ambitionierte Klimaschutzziele festlegen kann
  • CO2-Reduktion und Vermeidung: ein Prozess, der nie aufhören sollte
  • CO2-Ausgleich von unvermeidbaren Emissionen

Integration der Maßnahmen in die Kernprozesse der Unternehmen, damit es kein Nischenthema ist.

Klimaschutz ist nicht schwer und kompliziert. Man muss es nur wollen und machen.

Moritz Lehmkuhl, GF ClimatePartner GmbH


Hast du ein Praxisbeispiel für eine aus deiner Sicht besonders erfolgreiche Klimaschutzberatung?

Es gibt viele wunderschöne und erfolgreiche Beispiele. Hier fällt es mir schwer, ein einzelnes Beispiel herauszugreifen. Flixbus und Eurolines sind sicherlich schön, die ein ökologisches Verkehrsmittel um eine Klimaneutraloption erweitert haben.

Einige Verpackungshersteller, die über ambitionierte Klimaschutzziele und umfangreiche Maßnahmen verfügen und auch ihre ökologischsten Produkte einfach standardmäßig klimaneutral stellen.

Auch viele mittelständischen Hersteller wie Schneider Schreibgeräte und Trodat, die Klimaschutz wirklich überall im Unternehmen verankert haben.

Klimaneutraler Kugelschreiber von Schneider
Foto: www.schneiderpen.de
Klimaneutralität im Unternehmen: Klimaneutraler Kugelschreiber von Schneider

Was wünschst du dir von der Politik in Berlin im Kampf gegen die Klimaerwärmung? Ist Deutschland gut aufgestellt oder geht noch was?
Wenn wir das Thema Klimaschutz ernst nehmen – und das sollten wir – dann muss Klimaschutz in das tagtägliche Leben und Handeln verankert werden. Dazu gehört beispielsweise auch die öffentliche Beschaffung, wo ich das Thema ganz am Anfang sehe.

Es geht nicht darum, irgendwelche Pilotprojekte zu finanzieren, sondern dass Klimaschutz auch im Einkauf von tagtäglichen Produkten wie Drucksachen, Mobilität, Papier, Energie etc. verankert wird.

Bei ClimatePartner lässt sich das Klimaschutzprojekt wählen. Hier: Klimaschutzprojekt Wasseraufbereitung in Kenia
Foto: ClimatePartner
Klimaneutralität im Unternehmen: Klimaschutzprojekt Wasseraufbereitung von ClimatePartner

Der Ostern 2016 ausgestrahlte Tatort-Freiburg mit Heike Makatsch in der Hauptrolle war eine mit ClimatePartner realisierte klimaneutrale Filmproduktion. In Sachen CO2: Was wurde vermieden, was konnte reduziert werden und wie viel CO2 ist letztlich kompensiert worden?
80 Tonnen an unvermeidbaren CO2-Emissionen wurden am Ende des Tages ausgeglichen. Bei der Filmproduktion haben wir den Produzenten einen speziellen Rechner zur Verfügung gestellt, mit dem jeder einzelner Schritt der Produktion nach ökologischen Kriterien durchleuchtet wurde. Hiermit konnten wesentlich mehr Emissionen reduziert und vermieden werden.

Noch viel wichtiger: Es wurde Sensibilität geschaffen. Klimaschutz ist nicht schwer und kompliziert. Man muss es nur wollen und machen. Ich hoffe, es wird auch im Filmbereich viele Nachahmer geben.

Neben ClimatePartner gibt es inzwischen viele auf Branchen oder Emissionsarten spezialisierte Klimaschutzagenturen in Deutschland. Wie positioniert ihr euch in diesem Umfeld?
Unser Ziel ist es, dass am Ende des Tages unser Partner wirklich Klimaschutz macht, es Bestandteil seiner Unternehmensphilosophie und seines täglichen Handels wird und er klimaneutrale Produkte und Dienstleistungen erfolgreich anbietet.

Deshalb stellen wir unseren Partnern individuelle Lösungen zur Verfügung und helfen Ihnen, diese in das tägliche Handeln integriert zu bekommen.

Durch die große Anzahl an tollen Partnern haben wir

  • umfangreiche Erfahrung mit IT-Integration sammeln können,
  • eine TÜV-zertifizierte Plattform mit der jeder beliebige Menge CO2 transparent ausgeglichen werden kann,
  • ein sehr erfahrenes Team an Kollegen,
  • ein eigene Academy mit erprobten Schulungsprogramm,
  • etc.

Ich glaube, die Kombination aus den benötigten Einzelfähigkeiten macht uns besonders …


Herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Das Interview wurde von Matthias Könneke im April 2016 via e-Mail und Telefon geführt.



Was meinen Sie zu diesem Thema?


Ihre Meinung ist uns wichtig! *
*
*
*

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Keine Kommentare
Ansprechpartner
Über den AutorMatthias Könneke ist ehemaliger BWHler sowie Druck-, Vertriebs- und Marketingprofi. Und gern gesehener Gastautor und Ansprechpartner.
Ansprechpartner
Über den AutorMatthias Könneke ist ehemaliger BWHler sowie Druck-, Vertriebs- und Marketingprofi. Und gern gesehener Gastautor und Ansprechpartner.
Seite teilen
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • XING
Seite teilen
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • XING
Seite teilen
  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • XING
Newsletter
Bleiben Sie immer auf dem aktuellen Stand mit unserem Newsletter
Jetzt anmelden
Der schnelle Weg zum Ziel
Sprechen Sie mit uns über Ihre Ziele, Wünsche, Ideen.

t  0511 94670-0
f  0511 94670-16
m  info@bw-h1bnko.de
Kontakt
Bleiben Sie mit uns über Fachthemen über Druck & Digital Publishing auf dem Laufenden!
Hinweis: Wir verwenden Ihre E-Mail-Adresse ausschließlich für den Versand des BWH-Newsletters.