Aus dem Korrektorat: Semikolon / Foto: Björn Wylezich

Aus dem Korrektorat: Das Semikolon

Ein oft missverstandenes Satzzeichen

Unter Korrekturlesen versteht man die Revision eines Textes auf etwaige Fehler. Im traditionellen Druckwesen wurde dazu gewöhnlich eine Kopie eines Manuskriptes erstellt, die nach dessen Bearbeitung gesetzt wurde. (Quelle: Wikipedia)

In früheren Artikeln haben wir beschrieben, dass es nur noch wenige Korrektorate gibt, deshalb hier einige Tipps zu Satzzeichen.

Das Semikolon
Das Semikolon (auch Strichpunkt genannt) führt ein etwas trauriges Leben, einerseits trennt es Sätze wie ein Komma, andererseits ist es ein Fast-Punkt. Viele wissen nicht mit ihm umzugehen und – wie im richtigen Leben – ignorieren es einfach. Das ist wirklich schade, denn es hat uns doch so viel zu geben.

Wir haben die Wahl! Und das ist doch eine gute Option. Will ich in einem Satz eigentlich mehr sagen, kommt mir oft der Punkt dazwischen; denn eigentlich haben die meisten von uns im Kopf: „Schreib kurze Sätze.“ Ganz ehrlich, das ist dummes Zeug.

Wir sollen uns klar und deutlich artikulieren, natürlich! Aber wenn ein Satz eigentlich mehr zu sagen hat, warum bitte soll ich ihn abwürgen? Mithilfe des Semikolons (oder für die Lateiner unter Ihnen: des Semikolas) habe ich doch Möglichkeiten, die mir der Punkt versagt.

„Kein Sinn herrscht mehr für seine Eleganz!
Kein Interesse am Rhythmus, den es jedem Satz verleiht!“

Süddeutsche Zeitung/Magazin „Ein gutes Zeichen“ von Johannes Waechter

Auch in unserer technologischen Welt gibt es den Ruf nach dem Semikolon. Dr. Benjamin Hummel, Berater im Bereich Softwarequalität, bemängelt, dass das Semikolon scheinbar in vielen neueren Programmiersprachen ausgedient hat. Der Vollständigkeit halber hier der Hinweis auch auf diesen im Internet zu findenden Artikel zur Rehabilitierung des Strichpunkts:

Die Vorteile des Semikolons

„Des Weiteren“, so Hummel, „ist das Semikolon der Codequalität zuträglich, zeigt es doch klar und deutlich das Ende einer Anweisung und erhöht somit die Lesbarkeit des Code. Ohne Semikolon“, sagt Hummel weiter, „müssen stets die Trennungsregeln der einzelnen Sprachen mitbedacht werden“; was seiner Ansicht nach vor allem bei einem häufigen Wechsel der verwendeten Sprachen ein unnötiger Unsicherheitsfaktor ist. Auch für einen robusten Parsers, der nicht gleich bei der ersten nicht-kompilierenden Codestelle stecken bleibt, sind Semikolons in seinen Worten ein wahrer Segen. (1)

Das hat zwar nicht so viel mit dem Satzzeichen an sich zu tun, aber interessant ist es allemal.

Ein andere Variante des Semikolons
Wer weiter recherchiert, findet auch Folgendes:

Das Semikolon kann noch mehr, denn es steht neuerdings auch dafür, etwas anderes nicht zu beenden. Das Leben!

Wunderweib „Was steckt hinter dem Semikolon-Tattoo-Trend?“ von Jasmin Jeschke


„The Semicolon Project“ nennt sich das gemeinnützige Projekt, welches Menschen mit mentalen Problemen, wie Depressionen, Angststörungen oder dem Borderline-Syndrom, helfen möchte. Laut den Verantwortlichen ist das Semikolon eine einfache Botschaft:

„Das tätowierte Symbol steht für einen Satz, den der Autor beenden könnte, aber sich dazu entschieden hat, es nicht zu tun. Dieser Autor bist du – und der Satz ist dein Leben.“

Wunderweib „Was steckt hinter dem Semikolon-Tattoo-Trend?“ von Jasmin Jeschke


Das ist eine ganz neue Art, das Semikolon einzusetzen.


(1) Quelle: jaxenter „Rettet das Semikolon!“ von Dr. Benjamin Hummel



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Über den AutorBirgit Roses7isdnbael/hlumsehft (b.rs+gosenbwcbal+srfum@x9ibw-hti.de) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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