Aus dem Korrektorat: Der Klang der Sprache // Foto: Lechon Kirb

Aus dem Korrektorat: Der Klang der Sprache

Wege zur Verbesserung der Lesbarkeit von Sätzen

Alle versuchen es, aber nicht allen fällt es leicht. Die meisten wissen ja auch, was sie sagen wollen, sie stecken im Thema und wissen genau, um was es geht. Leider schleicht sich da dann oft Betriebsblindheit ein. In den Texten stimmt fachlich alles, leider verstehen es Außenstehende nicht, da sie mit dem Vokabular nichts anfangen können.

Gut lesbar, heißt auch, gut verständlich.

Wir sollten immer hinterfragen, ob unsere Texte verständlich sind. Deshalb ist es gut, die Artikel, Berichte, Broschüren, Bücher von jemandem gegenlesen zu lassen; es sollte allerdings ein Fachfremder sein. Wenn Sie Ihre Arbeit von einem Kollegen lesen lassen, weiß der ja, wovon Sie reden. Der versteht Sie, weil er mit Ihnen fachlich auf der gleichen Stufe steht. Großer Fehler. Versuchen Sie es und Sie werden überrascht sein.

Obacht beim Schreiben
Aber auch andere Fehler können einem unterlaufen.

Vor Kurzem gab es folgenden Text:
„In 2015 sollen wieder Bäder geschlossen werden.“ An sich schlimm genug. Aber für uns auch schlimm, ist das „In“. In der englischen Sprache perfekt, in der deutschen Sprache ein Ärgernis.

„2015 sollen …“ oder „Im Jahr 2015 sollen …“, aber kein „in“.

Selbst in den Nachrichten hört man es immer wieder. Wir wollen hier den Deutschtümmlern nicht das Wort reden, bestimmte Begriffe gehören mittlerweile zum Leben, doch bitte schonen Sie das Wort „Jahr“ nicht.

Und weil wir beim Schonen sind, die Artikel wollen gerne benutzt werden. In vielen Texten verschwinden sie. Vielleicht hat das mit den Zeichen zu tun (der zu schreibende Artikel darf nur eine begrenzte Anzahl von Zeichen haben) oder mit der Faulheit der Schreibenden („kann man weglassen, geht in Englisch auch“) oder mit dem falsch verstandenen: „Fasse dich kurz!“

Eigentlich ist der Grund fast egal, denn die Sprache leidet. Sie leidet auch, wenn wir Sätze schreiben, die Knoten in die Augen knüpfen.

Schöne lesbare Sätze?
„Wir haben fleißig gesammelt und 2015 1085,93 Euro überwiesen.“

Besser wären:
„Wir haben 2015 fleißig gesammelt und 1085,93 Euro auf das angegebene Konto überwiesen.“
„Im Jahr 2015 haben wir fleißig gesammelt und 1085,93 Euro auf das Konto überwiesen.“

Wenn Sie Jahreszahl mit einer anderen Zahl kombinieren, nur getrennt durch einen Leerraum, stört das den Lesefluss. Haben Sie vielleicht auch noch eine schlecht laufende Schrift oder modifizieren Sie aus Platzmangel, lesen nur die ganz Harten weiter. Das ist aber nicht in unser aller Sinne. Wir wollen ja, dass die Leser und Leserinnen bei uns bleiben, sie sollen auch nicht ganz so spannende Texte lesen und vielleicht sogar interessant finden. Dazu brauchen wir einfach gut lesbare Sätze.

Respekt vor dem Klang
Natürlich mutet es komisch an, wenn Leute beim Lesen vor sich hin murmeln; aber dieses Vor-sich-hin-Sprechen oder Sich-selber-Vorlesen, hilft dem Klang der Sprache auf die Spur zu kommen. Es gibt einfach Sätze, da hakt es. Man weiß genau, was der andere meint, aber es klingt nicht glatt. Man stolpert beim Lesen. Das ist schade, vor allem wenn dadurch die Lust an dem Geschriebenen verloren geht.

Mir ging es bei Michael Endes Buch: „Die unendliche Geschichte“ so. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag dieses Buch gerne. Aber irgendwann – so mittendrin – da hakte es. Die Geschichte über die bunte Wüste und den Löwen war für mich nicht stimmig. Also legte ich das Buch weg. Wochen später las ich weiter, denn ich wollte ja wissen, wie es mit Atréju und Bastian weiterging.

„Die Sätze sind erst fertig, wenn sie singen und einen schönen Ton haben.“


So äußert sich Josef Winkler (Preisträger des Georg-Büchner-Preises 2008) in einem Interview mit der FAZ. (1)

Oder denken Sie an: „Oh Fallada, der du da hangest!“ (2) Klingt dramatisch.

„Oh du Hengst, der du da hangest!“, klingt eher zum Brüllen komisch. Ungewollte Komik aber lässt ernsthafte Sätze in einem falschen Licht erscheinen.

Bringen Sie Ihre Sätze zum Singen, sodass es Lust macht, der Melodie zu folgen.

 

Anmerkungen
(1) Quelle: FAZ, Feuilleton 2008.
(2) Quelle: Die Märchen der Gebrüder Grimm, „Die Gänsemagd“

Titelbild: Lechon Kirb



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Über den AutorBirgit Rosenbmqvoaux/mvtv (b.rosenbaum@bw-h.jvsdest58) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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