Aus dem Korrektorat: Schrullige Striche // Foto: Fotolia olly

Aus dem Korrektorat: Schrullige Striche

Was der Strich in der deutschen Sprache trennt und was er verbindet

Unter Korrekturlesen versteht man die Revision eines Textes auf etwaige Fehler.

Heute geht es um weitere Stolpersteine in unserer Sprache, über die wir berichten wollen: Den Bindestrich, den Gedankenstrich und das Fugen-s stehen in unserem Fokus.

Wenn ich von Druckerzeugnissen schreibe, wäre ein Bindestrich da auch schön, um die Verwechslung von „Druck-Erzeugnis“ und „Drucker-Zeugnis“ zu vermeiden. Doch nicht nur das ist unser Thema.

Fangen wir mit dem Bindestrich an

„Der Bindestrich heißt Bindestrich, 
weil er etwas (ver)bindet.“

Die Autorin zu den Auszubildenden der BWH (und zu allen anderen auch).


Beispiel: Die Hans-Böckler-Stiftung, den Adolf-Emmelmann-Platz

Sein Fachbegriff lautet »divis« (von lat. dividere – teilen), aber im Gegensatz dazu, soll er doch die Zusammengehörigkeit von Wortteilen und zusammengesetzten Begriffen stärken. Er zeigt, dass sie zusammengehören und eine Einheit bilden. 

Fachleute nennen ihn „Kopplungsstrich“, weil er Worte aneinanderkoppelt. Das sieht man bei Straßennamen, sofern sie richtig geschrieben sind. Also so wie in unserem Beispiel oben.

Eigentlich ist der Bindestrich ein Charmeur, er ist so vielseitig, dass man ihn nicht missen und dauernd um sich haben möchte: Denn der Bindestrich ist noch viel mehr als nur ein Verbinder, er ist auch ein Trennungsstrich am Zeilenende, wenn das Wort doch nicht in die Zeile passt.

Die Vielseitigkeit des Bindestriches

Der Bindestrich ist ein Ergänzungsstrich bei „die Druck- und Papierindustrie“. Er zeigt uns Zusammensetzungen mit Zahlen auf: „80er-Jahre des letzten Jahrhunderts“. Oder er stellt einen Zusammenhang zwischen Zahlen, Buchstaben und Worten her: 400-m-Lauf, 3-D-Brille, Erste-Hilfe-Ausbildung.

Wir setzen ihn zur Verdeutlichung: „die Hoch-Zeit des Mittelalters“ – und bei unübersichtlichen Zusammensetzungen hilft er uns, den Überblick zu behalten: Mehrzweck-Küchenmaschine liest sich einfacher als Mehrzweckküchenmaschine.

Leider wird er an den richtigen Stellen oft nicht benutzt, dafür an falscher Stelle gern gesetzt. Das brillanteste Beispiel ist noch immer Blumento-pferde

Foto: Ryan McGuire
BWH blumento-pferde

Mir gefällt aber auch Han-fart. Schön sind auch:

  • Natur-alien
  • Urin-stinkt
  • Kau-fladen
  • Gas-traum oder
  • Auto-renn-amen

Das sind dann die Zwangstrennungen, die in Texten auftauchen und oft übersehen werden. Schade.

Bei den obengenannten Druckerzeugnissen, ist der Trennstrich zwar bei Drucker-zeugnissen zur Trennung am Zeilenende richtig, verfälscht aber den Sinn; wir reden ja nicht über die Zeugnisse der Drucker, sondern über Druck-erzeugnisse

Doch er muss sich auch verbiegen lassen, dann wird er benutzt, wo er nicht stehen sollte: Vertrags-Werkstätten, Verteidigungs-Ausgaben und Ähnlichem. Womit wir beim Fugen-s gelandet wären, doch eigentlich kommt jetzt erst der Gedankenstrich an die Reihe.

Eingefügte Gedanken

Dieser wird auch „Bis-Strich“ genannt und ist gebeutelt, weil er oft einfach nicht benutzt wird, da man ihn auf der Tastatur nicht findet. Und ihn immer in Word in den Symbolen zu suchen, ist aufwendig. Außerdem haben wir alle keine Zeit. 

„Der größte Feind der Qualität ist die Eile.“

Henry Ford


Gesetzt wird er, um Gedanken zu erwähnen und diese in Sätzen einzuschließen. Oder um Daten kenntlich zu machen. Beispiel: „vom 15.–19. April findet das Seminar statt“. Ich habe mir von unseren Kollegen aus der Medientechnik mal verraten lassen, wie man in fast allen Programmen ohne große Sucherei den Gedankenstrich in den Text zaubert: 

Alt gedrückt halten und 0150 eingeben. Ta-Ta, da ist er. Klasse! (1)+(2)

Der Duden sagt: Der Gedankenstrich wird häufig dort verwendet, wo man in der gesprochenen Sprache eine deutliche Pause macht. Oder das Thema wechselt. (4)+(5)

„Gedankenstrich heißt Gedankenstrich, weil er zusätzliche Gedanken zum Thema einschließt.“

Die Autorin zu den Auszubildenden der BWH

 

Es gibt einfache und doppelte Gedankenstriche. Der einfache kündigt etwas Unerwartetes an. Beispiel: „Es war ruhig im Saal – da knallte es hinter dem Vorhang.“

Der doppelte Gedankenstrich steht bei Zusätzen oder Nachträgen, die sich deutlich vom Text abgrenzen. Beispiel: „Franz ging lachend an Melody vorbei – sie wandte sich weinend ab – und trat aus der Tür.“

Der „Bis-Strich“

Aber der Gedankenstrich ist auch als Strich für „bis“ und „gegen“ gefragt. Bei unserem Datum (15.–19. April) steht er als „bis“; obwohl ich Ihnen sagen muss, dass ich immer dazu tendiere, lieber „15. bis 19. April“ in fortlaufenden Texten zu schreiben. Sieht einfach schöner aus. Und gehört zu den gut lesbaren Sätzen, über die ich in „Der Klang der Sprache“ schrieb. Was gar nicht geschrieben werden darf, ist die Verbindung von Gedanken- und Bindestrich. Hier einige schlimme Beispiele: acht-–neunmal“ ist ganz schlecht, besser ist acht- bis neunmal“. Genauso  ist 4-—5-mal“ wesentlich schlechter lesbar als 4- bis 5-mal“.

Und wir wollen ja nicht, dass unsere Leser verzweifeln.

Wer gegen wen?

Jetzt fehlt noch „gegen“: Hannover 96 – Berlin, da wird dann aber mit Leerräumen gearbeitet; denn ohne Leerräume gibt es den armen Gedankenstrich auch noch als Streckenstrich: Hannover–Berlin“.

Dafür, dass er nicht benutzt wird – weil er ja schwer zu finden ist –, hat er doch viele Aufgaben, die dann wiederum dem gebeutelten Bindestrich aufgebürdet werden.

Gegenüberstellung der unterschiedlichen Striche:

-       Bindestrich
Gedankenstrich
- Minuszeichen, wird manchmal benutzt, weil der Gedankenstrich nicht gefunden wird und es um eine Nuance anders aussieht als der Bindestrich. Netter Versuch, trotzdem falsch.

Zum Abschluss das Fugen-s

Jetzt kommen wir endlich zum Fugen-s, das auch Binde-s genannt wird. Es steht beispielsweise im Arbeitsvertrag oder Ausbildungsrahmenplan; es bindet die Wörter aneinander. Es ist die Nahtstelle von zwei unterschiedlichen Wörtern, um ein anderes Wort zu schaffen. Und da benutzen wir nicht den Bindestrich, um eine Bindung zu verbinden! Das wäre ja doppelt-gemoppelt und das wollen wir bestimmt nicht.

Bei den Fugenelementen gibt es so viele Regeln und Auslegungen, dass das hier wirklich den Rahmen sprengen würde. Wichtig ist: sie verbinden. Und diese Verbindung sollte weder durch einen Bindestrich noch durch einen Leerraum gestört werden.

 

Anmerkungen:
(1) Die Typografen unter uns krausen jetzt die Stirn und sagen: „Der halbe Leerraum fehlt.“ Ja, das ist so. Ich musste mir von meinen Setzer-Kollegen leider erklären lassen, dass die meisten Textverarbeitungsprogramme dieses Problem tatsächlich nicht schaffen. – Und über Tricks, wie es ziemlich kompliziert, dann doch zu machen ist, will ich hier nicht schreiben. – Da müssen wir uns nun alle mit zufriedengeben. Sie selbst können ja entscheiden, wie Sie Ihren Text gestalten wollen. Wollen Sie 15.–19. schreiben oder 15. – 19.? Typografisch ist beides falsch. Und wie wäre 15.-19.? Auch falsch! Ich würde ja gerne sagen „noch falscher“, aber das geht ja leider nicht.  (Und über die DIN 5008 müssen wir uns dann in einem anderen Artikel unterhalten.) 

(2) Man kann bei Word in der Autokorrektur einstellen, dass der Bindestrich automatisch durch einen Geviertstrich ersetzt wird [Bei Word 2013 in Datei – Optionen – Dokumentenprüfung – Autokorrektur-Optionen – „AutoFormat“ und „AutoFormat während der Eingabe“ das Häkchen bei „Bindestriche (--) durch Geviertstriche (–)“ setzen]. Steht vor dem Gedankenstrich ein Leerzeichen wird der Bindestrich beim Leerzeichen des darauffolgenden Wortes in einen Gedankenstrich geändert, z.B. Hannover 96 – Herta BSC. Der Bindestrich ändert sich nach „Herta “ in einen Gedankenstrich. 

(3) Quelle: Duden, 26. Auflage, Seite 44.

(4) Auf „Mediencommunity“, einer Seite für Auszubildende der Druckindustrie gibt es den Begriff der Mikrotypografie, auf der wird den Lernenden der Unterschied zwischen halben und ganzen Leerräumen bildlich gut erklärt.

 

 



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Über den AutorBir5igit Roq5r8osetgznbaum (b.rosvrenbaum@bw-h.detbym) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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Über den AutorBir5igit Roq5r8osetgznbaum (b.rosvrenbaum@bw-h.detbym) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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