BWH Korrektorat Gänse

Aus dem Korrektorat: von Gänsefüßchen, Anführungszeichen und vom Apostroph

Skurriles und weitere Stolpersteine unserer Schriftsprache

Neue Stolpersteine
Heute geht es um weitere Stolpersteine unserer Schriftsprache.

An- und Abführungen, … 
… auch Gänsefüßchen genannt, werden gerne eingesetzt bei Zitaten, der direkten Rede (wörtlich wiedergegebenen Äußerungen oder Gedanken) oder um besondere Begriffe hervorzuheben. Das wissen wir ja alle, trotzdem werden die Anführungszeichen schlecht von uns behandelt. Da werden einfach nur die Computeranführungen ″ ″ genommen und auch später nicht verändert. Ärgerlich und unschön! Und weil es schnell gehen muss, gibt es dann auch solche Sätze: 

„Die Politik des Stärkeren »nach Nietzsche« wollen wir nicht.“  Das ist schon gruselig.

„Die Politik des Stärkeren ‚nach Nietzsche‘ wollen wir nicht.“ Dauert einen Moment länger, ist aber viel besser.

Es gibt auch Projekte, an denen mehrere Beschäftigte arbeiten und jeder/jede hat Vorlieben, an sich nicht schlimm – außer für das Produkt. Sorgen Sie für einheitliche Gänsefüßchen, egal, welche. Ob nun

  • die echten französischen «», 
  • die falschen französischen »«,
  • die deutschen „“,
  • die englischen “” oder
  • die elektronischen "" An- und Abführungen, 

es sollte einheitlich sein. 


Einheitlich – gähn!
Klingt immer altbacken, denn wir wollen frisch sein und außergewöhnlich. Das ist auch gut so, aber manchmal wird eben einfach übers Ziel hinausgeschossen. Da tummeln sich sechs und mehr verschiedene Schriften, inklusive verschiedener Gänsefüßchen. Es sieht witzig aus, aber niemand liest es mit Begeisterung, denn das tut den Augen weh. Und das ist jetzt kein alter Bleisetzerspruch, sondern erwiesen. Am Computer oder anderen elektronischen Geräten zu lesen, ist Schwerstarbeit für die Augen; kommen dann noch viele verschiedene Schriften und Schriftgrößen hinzu, werden die Augen sehr schnell müde. Sie beginnen zu brennen oder zu tränen, sie schmerzen. Ist der Lesefluss ebenmäßig, ermüden die Augen nicht so schnell.

Foto: Skitterphoto
BWH Gänsefüßchen Sonnenblumen

Wie langweilig?
Aber wir wollten ja auch über den Wiedererkennungswert sprechen. Der Wiedererkennungswert wird von vielen unterschätzt. Es wird immer wieder etwas Neues ausprobiert, jede Ausgabe muss noch unterschiedlicher sein als die vorletzte. Die Menschen lieben das Gleiche, das Stetige. Die meisten wollen keine Änderung oder nur ein bisschen. Produkte, die einen hohen Wiedererkennungswert haben, haben es leichter. Denken Sie an die „Twix/Raider“-Kampagne. Der erste Versuch, das Produkt unter einem neuen Namen auf den Markt zu bringen, schlug fehl. Beim zweiten Versuch einige Zeit später, als die Leute merkten, dass sich außer dem Namen wirklich nichts geändert hatte, klappte die Einführung von „Twix“. 

Oder denken Sie an „Die Zeit“, der Schriftzug hat sich kaum geändert, man erkennt sie von Weitem wieder. Und das ist doch unser aller Ziel, wir wollen als Marke wiedererkannt werden, nicht, weil unsere Texte kaum lesbar sind. Bei unseren Gedankenkeksen hier im Magazin gibt es auch die Sparte „Sätze, die im Kopf bleiben“, habe jetzt auch einen: „Raider nennt sich Twix, sonst ändert sich nix.“ Erinnern Sie sich?


Das Apostrophen-Chaos
Der Apostroph (altgriechisch ‚abgewandt‘) als das Auslassungszeichen  ist ein Satzzeichen, das in der deutschen Sprache als Auslassungszeichen bestimmte Auslassungen in einem Wort kennzeichnet oder zwingend den Genitiv von Eigennamen verdeutlicht, die im Nominativ bereits auf einen s-Laut (geschrieben: -s, -ß, -z, -x, -ce) enden, wenn sie nicht einen Artikel, ein Possessivpronomen oder dergleichen bei sich haben. (1) 

So weit, so gut. Alles verstanden? Dann sind Sie gut dran, denn die meisten verstehen es nicht. Das sieht man dann gerne bei „Meyer’s Klause“ (Meyer seine Klause?) oder „Rosi’s Blumenladen“ (Rosi ihr Blumenladen?). Tatsächlich werden dann auch den Ladenbesitzern Geschichten von den Schilderherstellern erzählt, wie beispielsweise „… das macht man jetzt so.“ oder „… das machen alle so.“. Nee, macht man nicht, auch wenn der Duden sich großzügig zeigt und es zugelassen hat. Aber das tut den Augen weh. Außerdem ergibt es keinen Sinn.

  • Der Apostroph kann dort gesetzt werden, wo das Pronomen „es“ zu „s“ verkürzt ist:
    Wie geht’s? Nimm’s leicht! Sag’s mir! Wirf’s weg! Mach’s gut! Um’s kurz zu machen ... (2) 

  • Seit Zulassung der Rechtschreibreform gilt hier der Apostroph als entbehrlich, man darf daher auch schreiben:
    Wie gehts? Nimms leicht! Sags mir! So stehts geschrieben. Wirfs weg! Machs gut! Ums kurz zu machen ... 

  • Der Apostroph kann gesetzt werden, wenn der unbestimmte Artikel „ein/eine“ zu „n“ verkürzt ist, was vor allem bei der Wiedergabe von gesprochener Sprache auftritt:
    Haste mal ’n Euro? So ’n Blödsinn!

In allen Fällen dieser „Kann“-Kategorien bleibt es dem Schreibenden selbst überlassen, ob er einen Apostroph setzen will oder nicht.

Tipp: Um das echte Apostroph zu bekommen, die Taste ALT gedrückt halten und im Zahlenfeld 0146 eingeben.

Nie
Wo ein Apostroph nicht gesetzt werden darf:

  • Bei Eigennamen im Genitiv steht in der Regel niemals ein Apostroph (außer bei Namen auf s-Lauten):
    Angela Merkels Politik, Goethes Gedichte, Hamburgs Hafen 

  • Der Apostroph wird nicht gesetzt bei Verschmelzung von bestimmtem Artikel und vorangehender Präposition, wie diese Beispiele zeigen: 
    aufs Dach, unters Bett, ins Haus, hinterm Deich, unterm Tisch, beim Essen, vorm Tor, fürs Kind, durchs Fenster, vors Auto, übern Harz.

„Es ist schwer, mit zweitklassigen Zutaten etwas Gutes zu machen, aber ganz einfach, aus Erstklassigem etwas Miserables.“

Charles Gundel

 

  • Absolut fehl am Platz ist der Apostroph beim Plural-s, auch wenn es seit einiger Zeit oft zu sehen ist: 
    Azubi’s, Baby’s, E-Mail’s, Tee’s  alles falsch.

  • Richtig sind: 
    Azubis, Babys, Dias, E-Mails, Parks, Singles, Tees.

  • Dasselbe gilt für Abkürzungen, die im Plural stehen. Auch hier wird kein Apostroph gesetzt (deine CD’s, meine DVD’s,) oftmals braucht nicht mal ein s angehängt zu werden:
    Eure CDs, deine DVDs, die GmbHs, mehrere Lkw(s), viele Pkw(s).

  • Wir setzen auch kein Apostroph bei Wörtern, die auf -s enden:
    Weder bei nichts, rechts, bereits, nirgends noch bei links, eigens oder mittels.


Wat mutt, dat mutt!
Wo ein Apostroph gesetzt werden muss:

  • Bei Auslassungen im Wortinneren:
    D’dorf, Ku’damm, M’gladbach, Lu’hafen;
     
  • bei der Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x lauten. Der Apostroph ersetzt hier das Genitiv-s:
    Max’ Mutter, Hans’ Cousine, Grass’ Romane, Marx’ „Kapital“, Löns’ Bücher.

  • Dies gilt aber nicht, wenn vor dem Namen ein bestimmter Artikel (plus Attribut) steht: 
    die Mutter des alten Max, die Cousine des starken Hans, die Bücher des Hermann Löns.

 

Beim nächsten Mal erzähle ich von Hurenkindern und Schusterjungen.

Und nicht vergessen: bei Fragen, fragen!

 

Anmerkungen:

(1) Quelle: Wikipedia
(2) Zwiebelfisch abc

 

 



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Über den AutorBirgit Rosft4eny7zcbafbumwdt (b.rleosecno8enbajql2um@bw-h.de8qx07) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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Über den AutorBirgit Rosft4eny7zcbafbumwdt (b.rleosecno8enbajql2um@bw-h.de8qx07) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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