Interview mit novum! Gratispostkarte als Sympathieträger // Foto: kaboompics Karolina

„Die Gratispostkarte steht für eine gewisse Sympathie.“ [Interview]

novum! Werbemedien über ein emotional stark aufladbares Werbemedium

Woher kommen eigentlich die ganzen Postkarten, die überall in Hannover in Bars, Kneipen und Fitness-Studios zu finden sind? Welche Unternehmen nutzen diese Art der Werbung mit den Gratispostkarten für sich, wo werden sie erstellt und wer verteilt sie? Diesen und vielen weiteren Fragen sind wir auf den Grund gegangen. Wir haben novum! Werbemedien aus Isernhagen, die die sogenannten „CityCards“ erstellen, besucht und diese Thematik unter die Lupe genommen.

BWH im Interview mit Geschäftsführer Oliver Antonio Esmail sowie Maria Glaser-Jiménez und Michael Hübner aus dem Verkauf von novum! Werbemedien.

BWH: Überall in der Stadt begegnen wir Gratispostkarten. Aber sind sie heutzutage noch ein aktuelles Werbemedium?
Michael Hübner: Das Medium Gratispostkarte ist auf jeden Fall noch aktuell. Kaufen basiert auf Emotionen, das ist so. Ohne die Haptik, das Gefühl, ohne das allseitige Erleben, lassen sich die notwendigen Emotionen nicht transportieren. Deshalb ist die Postkarte auch unkaputtbar. Doch verlagert sich der Bereich Print auch hier in Richtung Digital. Gratispostkarten werden häufig als Call-to-Action-Medium eingesetzt und rufen zur Handlung in den digitalen Medien auf.

Die Postkarte an sich spielt immer wieder eine sehr wichtige Rolle, denn sie ist ein Werbeträger, der durch die mögliche Haptik und den möglichen Geruch sehr stark emotional aufladbar ist.

Michael Hübner, novum! Werbemedien


Eine Postkarte am Kühlschrank schaut man sich häufiger an als eine Online-Werbeanzeige. Sie verschwindet nicht einfach. Die Brücke in den digitalen Bereich ist aber ebenso wichtig, wie das Printprodukt an sich.

BWH: Gibt es einen Trend zu technischen Verknüpfungen wie beispielsweise QR-Code oder Augmented Reality? Oder ist es die Postkarte selbst, auf der steht „Komm zu Facebook“?
Oliver Antonio Esmail: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten. Eine Zeit lang lag es im Trend, auf alle Gegenstände einen QR-Code zu drucken – auch an Orten, die nicht sinnvoll waren, z. B. am Bahnhof auf Treppenstufen. Das kann eine schöne Werbefläche sein, wenn man so zum Bahnsteig raufgeht. Aber da waren eine Zeitlang so kleine QR-Codes und – sorry, ich bücke mich doch nicht mit dem Smartphone runter und nehme da so einen Strichcode auf. Das ist noch nicht vollkommen verschwunden, aber es wird weniger. Augmented Reality kommt hin und wieder vor, meist jedoch wird eine simple Aufforderung „Besuch uns auf Facebook“ oder eine URL abgedruckt.

Im Interview mit Geschäftsführer Oliver Antonio Esmail, novum! Werbemedien
Foto: BWH GmbH


BWH: Wie sieht denn Ihre regionale Konkurrenz hier im Raum Hannover aus und wie sind Sie national aufgestellt?
Maria Glaser-Jiménez: Wir haben hier keine nennenswerten Mitbewerber. Früher hatte Edgar mal ein Büro in Hannover, doch das haben sie nicht mehr. novum! hat zu den Hannoveranern einfach eine viel engere Bindung als Edgar.

Esmail: Wir sind nun seit 22 Jahren am Markt und vermarkten sowohl regional als auch national. Insgesamt haben wir inzwischen 22 CityCards-Partner in verschiedenen Städten deutschlandweit.


BWH: Gibt es einen Trend? Sind die Auflagen der Gratispostkarten eher rückläufig oder steigen sie noch?

Glaser-Jiménez: Das hängt vom Motiv ab. Manche Motive sind sofort vergriffen, während andere nicht so begehrt sind.

Esmail: Also die Auflage an sich wird durch die Zahl der Displays definiert. Das bedeutet beispielsweise für den Raum Hannover, dass wir dort insgesamt 200 Outlets haben, für die in der Regel jeweils pro Fach pro Woche 50 Karten verkauft werden. Im nationalen Bereich verkaufen wir meist 65 Postkarten pro Fach pro Woche. In jeder Stadt haben wir eine andere Anzahl an Outlets und damit auch andere Auflagen. Das hängt mit der Größe der Stadt und der Infrastruktur zusammen. In Städten mit einer kleinen Gastronomie-Szene haben wir weniger Outlets. In Göttingen beispielsweise haben wir nur 30 Outlets, während wir in Berlin 600 Outlets haben.

Natürlich könnte die Anzahl der wöchentlich gelieferten Postkarten gesteigert werden, doch sind damit auch höhere Kosten verbunden. Mehr Postkarten kosten mehr Geld im Druck, wir müssten größere Fahrzeuge zur Verfügung stellen, die Zeit des Verteilens würde länger dauern, der Stundenlohn müsste steigen, ebenso wie der Preis für den Kunden.

Glaser-Jiménez: So, wie wir es handhaben, fahren wir gut. Wir könnten bestimmt mehr Stellen aufbauen, aber meist handelt es sich bei den Orten unserer Outlets um Stammkneipen oder Fitness-Studios. Dort gehen Leute häufiger hin. Aber wenn ich eine Karte mitgenommen habe, gehe ich zwei Tage später nicht wieder hin und nehme sie ein zweites Mal mit. Daher passen unsere Lieferungen. Meist buchen unsere Kunden auch nicht nur Gratispostkarten, sondern verschiedene Werbemaßnahmen parallel.

Im Interview mit Maria Glaser-Jiménez und Michael Hübner, novum! Werbemedien
Foto: BWH GmbH
Interview mit novum! Werbemedien (Frau Glaser-Jiménez und Herr Hübner): Gratispostkarte als Sympathieträger


BWH: Ein digitaler Anzeigenverkäufer kann die digitale Reichweite sofort messen. Wie machen Sie das mit den Gratispostkarten? Messen Sie auch Reichweiten?

Hübner: Man kann nachzählen, wie viele Postkarten faktisch mitgenommen wurden. Außerdem gibt es die Ambient Media Analyse, bei der berechnet wird, wie groß die Reichweite in bestimmten Zielgruppen auf die Gesamtbevölkerung bezogen ist. Also es gibt relativ valide Werte.

Die Gratispostkarte steht für eine gewisse Sympathie.

Oliver Antonio Esmail, novum! Werbemedien


BWH: Nach all den Jahren: haben Sie eine Lieblingskarte?
Glaser-Jiménez: Ich nicht. Ich habe immer mal wieder welche, die ich schön finde und welche, die ich weniger schön finde.

Esmail: Nein, keine Lieblingskarte. Dafür haben wir schon zu viele gemacht.

Hübner: Ja, so sehe ich das auch. Aber es macht immer noch Spaß. Ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass wir mit unseren Medien in vielen Fällen hilfreiche Beiträge zur Positionierung von Produkten und Dienstleistungen leisten können.

Esmail: Das geht mir auch so. Die Gratispostkarte steht für eine gewisse Sympathie und sie steht auch für novum!, obwohl wir inzwischen so viele verschiedene Sachen machen. Von den Karten alleine könnten wir nicht leben, das muss man ganz ehrlich sagen.

Hübner: Wir haben in den vergangenen Jahren einige Ideen um das Thema Gratispostkarte herum entwickelt. Unter anderem haben wir die weltweit erste Sampling-Aktion für Tierfutter in der Gastronomie deutschlandweit für Whiskas Katzenfutter umgesetzt. Wir haben an unsere CityCards-Displays ein Zusatzmodul, nämlich einen Dispenser aus Pappe, angebaut, aus der man sich die Katzenfutter-Samplings entnehmen konnte.

Esmail: Da gab es eine skurrile Geschichte vom Steintor, die uns zur Ohren gekommen ist. Nachts um halb 2 kamen Gäste in einem Outlet an die Theke und fragten, ob es noch Packungen mit den „leckeren Erdnüssen“ gäbe, denn die Box sei leer. Sie meinten das Whiskas Trockenfutter. Schöne Geschichte. Da muss man aber auch kein schlechtes Gewissen haben. Katzenfutter ist qualitativ besser als viele Produkte, die Menschen zu essen bekommen.


Letztendlich ist es der Mix aus den parallelen Produkten, der es ausmacht.

Maria Glaser-Jiménez, novum! Werbemedien


BWH: Haben Sie ein abschließendes Statement, ein Plädoyer für die Gratispostkarte?
Esmail: Die Gratispostkarte ist sympathisch. Wenn sie gut gemacht ist, steht man vorm Display und sagt: „Mensch, die Karte finde ich ja witzig, das ist ein toller Spruch, ein tolles Motiv – super.“ Und vor allem: Sie hat ein Format, das ich in die Jackentasche stecken kann. Die Postkarte kann ich einstecken und mit nach Hause nehmen, in die Schublade legen, an den Kühlschrank kleben, als Reminder behalten oder weitergeben.

Hübner: Digitale Geschichten sind natürlich im Moment eher im Vordergrund, aber sie haben den großen Nachteil, dass sie nicht wirklich erlebbar sind. Da können Sie nichts anfassen, nichts riechen, nichts schmecken. Das ist alles sehr abstrakt und das verschwindet eben auch sehr schnell wieder. Das ist der entscheidende Unterschied zu haptischen Werbeträgern.

Glaser-Jiménez: Wir sprechen jetzt hauptsächlich über Postkarten. Das ist auch das Hauptprodukt, aber es ist nicht das Einzige. Viele Kunden buchen bei uns mehrere Produkte parallel, z.B. noch einen Flyer, der dann an anderen Stellen hängt. Oder sie buchen dann zusätzlich noch Plakate, denn letztendlich ist es der Mix aus unseren Produkten, der es ausmacht.

BWH: Vielen Dank für dieses Interview.

Ergänzend zu diesem Interview haben wir die Gratispostkarte im Einsatz als Werbemedium und als Call-to-Action-Element noch einmal näher beleuchtet. Welche Rolle kann die Gratispostkarte bei crossmedialen Kampagnen spielen? Weiterlesen im Artikel „Die Gratispostkarte als modernes Werbemedium mit Fun-Faktor“.



Titelbild: kaboombics Karolina




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Über den AutorThomas Masselink ist Geschäftsführer des Mediendienstleisters BWH, Germanist und Historiker. Er schreibt über Fachthemen und Kolumnen rund um die Arbeitswelt und das tägliche Leben.
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