Ein kleiner Urlaub im Alltag - Print als Belohnungslektüre // Kirsten Semmler von publish!

Ein kleiner Urlaub im Alltag

Weshalb Print uns in einen Flanier-Modus versetzt und vieles besser kann als die digitale Welt.

Muss denn heute alles digital passieren? Ist es antiquiert, wenn man gern gedruckte Magazine kauft und entspannt mit einem Kaffee in der Hand liest? Nein – zum Glück nicht: Print bedeutet Genuss und Print vermittelt Informationen besser als Digitales. Das bestätigt sogar ein Hirnforscher.

Lesen ist für mich Luxus: In einem Beruf, der mich täglich mindestens acht Stunden vor den Bildschirm bringt, leisten meine Augen permanent Akkordarbeit. Im Feierabend ist dann kaum Raum mehr für entspannendes Lesen. Mir fehlt die Muße, schon wieder aktiv mit den Augen hinter Buchstaben herzueiern. Für Bücher bleibt nur noch der Sommerurlaub.

Eine Ausnahme allerdings habe ich mir bewahrt: Ich lese Zeitschriften. Zugegeben, ich blättere auch mal nur so oder schaue bloß bunte Bilder an. Aber ich nehme mir die Zeit – und das ist mein Luxus im Alltag.

Für mich sind Magazine eine Belohnungslektüre, mit der ich mir eine qualitativ hochwertige Auszeit gönne.

Das fängt schon mit dem Erwerb an. Manche Hefte kaufe ich gezielt – mit wohlwollender Vorfreude –, manche habe ich sogar abonniert und einige begegnen mir im Alltag eher zufällig. Und nicht alle kosten mich Geld, was ich als zusätzliche Belohnung empfinde.

Ich umgebe mich also gern mit Magazinen, die optisch gut gemacht sind und mich inhaltlich mit unterschiedlichen Themen unterhalten, informieren und mir eine angenehme Zeit bescheren. Eine Art kleiner Urlaub im Alltag. Streicheleinheiten für mein „Print-Ich“. Denn ich würde einer digitalen Version nie so viel Raum und Muße schenken und bereitwillig offen sein für Informationen, wie ich es im gedruckten Modus bin.

Vieles kann Print einfach besser

Umso mehr hat es mich gefreut, meine persönliche Herangehensweise ans eigene Leseverhalten bestätigt zu bekommen. In einer meiner Belohnungslektüren las ich, nach spätem Frühstück und Marktbesuch, in einem Interview mit Hirnforscher Hans-Georg Häusel, wie gedruckte Medien die Sinne ansprechen und ihre Wirkung entfalten. Im Gespräch mit dem Herausgeber der Buchreihe „turi2 edition“ erklärt er die Wirkung von Print durch den Vergleich zum Smartphone oder Tablet: Der Griff zum digitalen Endgerät führe beim Benutzer dazu, dass sein Gehirn in den sogenannten Goal Mode schaltet, also in einen Zielmodus verfällt.

„Der Nutzer möchte relativ schnell ein Ziel erreichen, das Gehirn sucht eine Belohnung“, erklärt der Diplom-Psychologe. „Ganz anders, wenn ein Mensch eine gedruckte Zeitschrift in die Hand nimmt: Dann schaltet sein Gehirn in den Flanier-Modus. Er ist entspannter und nimmt Inhalte anders auf.“ Ha, denke ich. Wusste ich es doch. Kann ich mir doch mühelos merken, in welcher Reportage ich faszinierende Eindrücke gesammelt habe, aber die Bedeutung von „Stakeholder“ muss ich bei Wikipedia an einem einzigen Tag zweimal nachschlagen. Flanier-Modus – ja, das gefällt mir.

 

Foto: turi2edition - Ein Plädoyer für Print
Ein kleiner Urlaub im Alltag - Print als Belohnungslektüre // Foto: turi2edition - Ein Plädoyer für Print


Der Fachmann für Konsumverhalten sagt so wunderbare Sätze wie „für vertiefende Informationen sind Printmedien einfach besser geeignet“. Innerlich überlege ich kurz, ob das eine Generationenfrage ist und ob ich vielleicht ein „printlerisches Auslaufmodell“ bin. Aber nein, lese ich weiter. „Die digitale Welt hat viele Vorteile, aber vieles kann Print einfach besser. Sogar die digital Aufgewachsenen sagen: Es ist für mich der größte Genuss, wenn ich die Zeitschrift am Abend oder Wochenende auf meinem Sofa mit einem Tee genießen kann.“ Puh, denke ich, doch kein Auslaufmodell – und fühle mich gleich fünf Jahre jünger. Und das hat mir noch keine App verschafft.

Ich bleibe also dabei. Wer es schafft, seine Inhalte mit mir, bei mir und sogar in mir wohnen zu lassen, hat einen Fuß in mein Langzeitgedächtnis gesetzt. Es kann zwar passieren, dass ich auch noch unwichtige Dinge behalte – welchen Pulli ich beim Lesen trug oder ob Kaffee oder Tee dazu im Becher war –, aber „Botschaft angekommen ist eben Botschaft angekommen“. Und das bedeutet: Ziel erreicht.

 

(Dieser Artikel ist ursprünglich unter dem Titel „Meine Belohnungslektüre und ich“ im editorial-Blog von publish! Medienkonzepte erschienen.)



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Über den AutorKirsazkftenztt Semmlerntw (ks@publigykush-gfunymedlbien.dkp700e+aso) ist Editorial-Designerin bei der Hannoveraner Content-Marketing-Agentur publish! und schreibt im hauseigenen Editorial-Blog.
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Über den AutorKirsazkftenztt Semmlerntw (ks@publigykush-gfunymedlbien.dkp700e+aso) ist Editorial-Designerin bei der Hannoveraner Content-Marketing-Agentur publish! und schreibt im hauseigenen Editorial-Blog.
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