Futta! - Food Truck Wars / Foto: Emily Koo

Futta!

Manches lässt sich kaum mit Worten beschreiben. Ich will es trotzdem versuchen.

Wir haben bei BWH eine Kantine. Oder genauer: Wir haben bei BWH einen Raum, der Kantine genannt wird und der wie eine Kantine aussieht, aber genau genommen ein Pausenraum ist. Wieso? Wikipedia erklärt dazu: „Eine Kantine (von ital. cantina ,Flaschenkellerʹ) […] ist eine Gaststätte innerhalb eines Unternehmens oder einer öffentlichen Einrichtung, die der Verköstigung der Mitarbeiter mit vornehmlich warmen Mahlzeiten in den Arbeitspausen, in der Regel der Mittagspause, dient.“

Ich gebe es zu: Wir verköstigen nicht. Schon gar nicht warm. Ja, wir haben nicht mal einen Flaschenkellner. Bei uns kann man im Pausenraum sitzen und mitgebrachtes Essen verzehren. Und, wenn gewünscht oder erforderlich, zuvor in einer Mikrowelle erwärmen. Aber BWH stellt kein Essen zur Verfügung.

Um das dadurch entstehende Vakuum zu füllen, kommt täglich ein sogenannter Frühstückswagen auf unseren Hof gefahren, um Frühstücke jeglicher Couleur vom Käsebrötchen bis zur Currywurst –sehr zur Labsal der Belegschaft – gegen Entgelt anzubieten. An dieser Stelle dafür nebenbei herzlichen Dank.

Damit jedoch die Ankunft dieses Frühstücksmobils nicht ungehört an der Belegschaft vorbeizieht, haben wir bei BWH ein Korrektorat eingerichtet, dessen Büro unmittelbar an den Standplatz des fahrbaren Gourmettempels grenzt, getrennt nur durch einige Meter Luftlinie und eine Glasscheibe.

Die Aufgabe des Korrektorats ist Korrekturlesen, Revisionen von Druckbögen vorzunehmen, Kundenaufträge gelegentlich zu lektorieren etc. Aber das ist ja das Äußere, das was mit Arbeit zu tun hat.

Die Hauptaufgabe des Korrektorats hat aber mehr mit Gemüt zu tun, mit emotionaler und kulinarischer Versorgung der Belegschaft.

Denn sobald der Frühstückswagen vorfährt, gibt das Korrektorat quasi Alarm, dass es nun etwas zu Essen geben kann.

Das Korrektorat. So unpersönlich ist es bei uns nicht. Wir haben nicht das Korrektorat, sondern wir haben zwei geschätzte Kolleginnen, die dort arbeiten. Und so unterschiedlich diese Kolleginnen sind, so unterschiedlich, aber gleichermaßen wirkungsvoll, sind ihre Methoden, Alarm zu schlagen.

Die eine Kollegin öffnet die Tür zwischen Korrektorat und Vorstufe und läutet mit einer Glocke quasi die Verkaufssaison ein. Kein Glöckchen, wie wir es vielleicht noch von Weihnachten kennen, wenn die Kinder zur Bescherung gerufen werden. Nein, eine Glocke. Hamburger Fischmarkt. Und es glockt laut und vernehmlich durch die Produktion.

Und jede und jeder wissen, der Frühstückswagen ist da.

Aber das Läuten der Glocke ist nicht annähernd zu vergleichen mit der anderen Kollegin, gleichzeitig unsere Betriebsratsvorsitzende. Wir wissen nicht, ob es die Fürsorglichkeit dieses Amtes ist oder eine Art mütterliche Liebe zu den Schäfchen der Belegschaft. Oder ob sie manchmal einfach losbrüllen muss, um sich Luft zu verschaffen.

Jedenfalls, wenn der Frühstückswagen in ihre Zuständigkeit fällt, dann reißt sie ihre Korrektoratstür auf und ruft, – nein, sie schreit: „Futtaaa!“

Laut vernehmlich und in einer Einmaligkeit, die jedermann verstehen lässt, warum die andere Kollegin eine Glocke nimmt, ist jeder sofort informiert. Jeder weiß, was gemeint ist und . . . dass es jetzt „Futta“ gibt.



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Über den AutorThomas Masselink ist Geschäftsführer des Mediendienstleisters BWH, Germanist und Historiker. Er schreibt über Fachthemen und Kolumnen rund um die Arbeitswelt und das tägliche Leben.
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