Sätze, die im Kopf bleiben / Foto: Woodrow Walden

Sätze, die im Kopf bleiben [3]: Da weiß man, was man hat

Es liegt an meinem Alter – das gebe ich zu. Da weiß man, was man hat, ist ein Spruch aus dem Werbefernsehen. Klar. Für mich ist das: Persil. Da weiß man, was man hat. Guten Abend.

Stutzig wurde ich erst Jahrzehnte später, als auch Volkswagen diesen Spruch benutze, z.B. 1992 in einem Werbespot für den neuen Vento.

Volkswagen, damals noch nicht Das Auto, sondern „da weiß man, was man hat“.

Gibt das denn keinen Markenzwist? Urheberrecht? Ich bin einfach zu jung, um mich spontan zu erinnern, dass eigentlich Persil den Spruch, nicht etwa inhouse kreiert hat, wie man gelegentlich liest, sondern vom VW-Werbeplakat übernommen. Werner Butter hat diesen Slogan als Texter bei der Agentur DDB in Düsseldorf für den guten alten VW Käfer getextet. Und doch – an das Plakat von 1969 erinnere ich mich, wenn ich es sehe.

Sätze, die im Kopf bleiben: VW Käfer

Ob nun Persil oder Volkswagen – man weiß eben, was man hat. Und das macht den Spruch so erfolgreich. Er entspringt unserem Wunsch nach Sicherheit und Gewissheit – nicht nur das Begehren, etwas Gutes haben zu wollen, sondern auch zu wissen, dass es etwas Gutes ist.

Beharrlichkeit, Wertstabilität, Vertrauen. Das geht (noch) nicht mit dem iPhone. Aber das geht mit einem Waschmittel, das seit 1907 erfolgreich am Markt ist und mit einem Auto, das 1969 nur noch drei Jahre davon entfernt war, das meistgebaute Auto der Welt zu sein.

Dabei war gerade der VW Käfer nie wirklich modern. Autokonstrukteure warfen ihm immer fehlende Innovationskraft vor.

Dennoch gehörte er zur Familie, wie man in den USA freundlich über ihn urteilte – ein Familienmitglied, das nur zufällig in der Garage wohnt.

Persil und der Käfer, das sind beide auch ein Stück Wirtschaftswunder – Rückkehr zur Normalität.

Vorkriegsmodelle, die nach dem Krieg neu erstrahlten. Persil, 1950 kaum wieder in den Regalen, war schnell zu 75 Prozent ausverkauft. Persil 59, das beste Persil, das es je gab und Persil 70 „unser Bestes“. 1973 konnte man dann auch auf die Jahreszahl im Produktnamen verzichten, anders als Ilja Richters ZDF-Sendung DISCO, von der es auch noch eine DISCO 77 gab, hieß Persil ab 1973 nur noch Persil – da weiß man, was man hat.

Jan-Gert Hagemeyer, der Persilmann. Der Experte für Wäschepflege, denn bei Persil ging es nicht mehr nur noch um Weißheit, sondern um Pflege – „so wie Sie auch Ihre Hände ja nicht nur mit Kernseife waschen“.

Und heute?
Heute ertappe ich mich immer noch dabei, dass ich in manchen Zusammenhängen sage: „Da weiß man, was man hat.“ Und erst später fällt mir ein, in welcher Tradition ich mich damit befinde.



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Über den AutorThomas Masselink ist Geschäftsführer des Mediendienstleisters BWH, Germanist und Historiker. Er schreibt über Fachthemen und Kolumnen rund um die Arbeitswelt und das tägliche Leben.
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