ProzessStandard Offsetdruck nach ISO 12647-2:2013 // Foto: Ali Naqi

Der „neue“ ProzessStandard Offsetdruck nach ISO 12647-2:2013 für die Praxis

Überblick über neue ICC-Profile und eine bessere Prozesssteuerung

„Zertifiziert nach ISO 12647“ heißt es in vielen Imagebroschüren von Druckereien. Andere verkünden stolz „Gedruckt nach ProzessStandard Offesetdruck“. Was vor fünf Jahren vielleicht noch etwas Besonderes war, gilt heute vielen als alltäglich. Dennoch sind Standards wichtig und werden – wenn sie gelebt werden – weiterentwickelt. Auch den ISO-Standard 12647 gibt es seit fast zwei Jahren schon in einer neuen Version. Aber was neu ist, hat sich noch nicht so weit herumgesprochen. Wir haben einen Fachmann, Udo Eickelpasch, von der printXmedia Consult Nord-Ost GmbH um Aufklärung gebeten.

Im Dezember 2013 erschien die neue Fassung der ISO 12647-2 für den Offsetdruck. Alle fünf Jahre werden Normen überprüft und möglichst den praktischen Bedingungen im Markt angepasst.


Die überarbeitete ISO-Norm 12647-2:2013 berücksichtigt die technischen Entwicklungen des Marktes sowie Normvorgaben bei Messtechnik (ISO 13655) und Standardbeleuchtung (ISO 3664). So kann eine deutlich bessere Prozesssteuerung für Druckbedingungen mit optisch aufgehellten Papieren erreicht werden. Damit können Farbmessdaten und visueller Eindruck von Prüfdrucken und Auflagendrucken besser in Übereinstimmung gebracht werden – ein Praxisproblem, das bisher bei Papieren mit optischen Aufhellern immer wieder aufgetreten ist.

Aber was genau wurde in der neuen Norm geändert?

Die acht Papierkategorien in der neuen Norm, vier für gestrichene, vier für ungestrichene Papiere, decken das tatsächlich am Markt vorherrschende Angebot deutlich besser ab als die bisherigen fünf Papiertypen. Die nunmehr fünf Tonwertkurven A bis E wurden dem tatsächlichen Druckverhalten mit linearen Platten (Computer-to-Plate) angepasst. Auf die filmbasierte Arbeitsweise wird nicht mehr Bezug genommen.

Die Tonwertzunahmen für die Primärfarben – Cyan, Magenta, Yellow und für Schwarz – sind jetzt pro Druckbedingung einheitlich, bisher lag Schwarz meist drei Prozent höher. Neben den acht Druckbedingungen für die Papierkategorien in AM-Raster (in einer Bandbreite der Rasterfeinheit von 52 Linien/cm bis 80 Linien/cm) gibt es  Varianten für nicht periodische Raster. Weitere Neuerungen sind Angaben zur Graureproduktion und Graubalance. Zur Farbabstandsformel Delta Eab (1976) wurde die Variante DE00 (2000) informativ hinzugefügt.

Foto: Udo Eickelpasch
PSO Workshop // ProzessStandard Offsetdruck nach ISO 12647-2:2013 für die Praxis

L*a*b*-Werte an den aktuellen Stand angepasst

Für die Farbwerte (L*a*b*-Werte) der Papiere hat man versucht, Werte zu finden, die an den aktuellen Stand der Technik angepasst sind, insbesondere dem stärkeren Einsatz von optischen Aufhellern. Daraus folgend wurden auch die Farbwerte der Volltonfarben CMYK angepasst, mit allerdings nur geringfügigen Änderungen gegenüber der Version von 2007. Vergleicht man diese aber nun direkt miteinander, muss man die neue Messbedingung beachten. Um die Auswirkung der optischen Aufheller im Papier zu erfassen, wird als Messlichtart M1 (nach ISO 3664:2009) empfohlen. Dies ist das bekannte Normlicht D50 (Farbtemperatur 5.000 K), aber jetzt mit einem definierten UV-Anteil. M1 ist nun die bevorzugte Lichtart zur Messung von Papier, trockenen Druckfarben und Proofs.

Neue ICC-Profile werden dem professionellen Praxiseinsatz gerecht

Nicht verändert wurden die Toleranzen für den Auflagendruck (Volltöne, Tonwertzunahmen, Spreizung), da sie weiterhin als praxisgerecht angesehen werden.

Die neuen Charakterisierungsdaten und daraus generierten ICC-Profile durch BVDM, ECI und Fogra wurden ausreichend in Drucktests erprobt und sind dem professionellen Praxiseinsatz gerecht geworden. Drucktests unter Produktionsbedingungen auf ausgewählten Papieren liefen vom Frühjahr 2014 bis September 2015 auf Bogenoffsetmaschinen verschiedener Hersteller.

Ziel ist es, dass die nun aus Fogra51 und Fogra52 erstellten kostenlosen ECI-Profile in einem Übergangszeitraum die auf Basis von Fogra39 und Fogra47 erstellten Profile ablösen sollen.


Die Praxis zeigt aber immer wieder deutlich, dass sich dies über einen langen Zeitraum hinziehen kann oder aber auch nicht funktioniert. Noch heute liefern viele Agenturen und Datenhersteller Daten mit Profilen auf Basis Fogra27, obwohl diese durch das Fogra39 erstellte Profil abgelöst wurden.

Was ist jetzt zu tun, besteht dringender Handlungsbedarf?

Viele Praktiker werden sich fragen: Muss ich meinen Prozess ändern, was ist jetzt zu tun? Die Antwort erscheint zunächst einmal sehr einfach: eigentlich nichts. Obwohl nichts, nicht ganz richtig ist. Zumindest gibt es keinen dringenden Handlungsbedarf, die vorherige Fassung der ISO 12647-2 samt zugehöriger Arbeitsmittel wie ICC-Profile, Zielwerte, Kontrollelemente und dergleichen werden im Wesentlichen erfolgreich eingesetzt. Die Vorgehensweise und Umsetzung des ProzessStandards Offsetdruck haben sich ja nicht verändert, lediglich sind neue Bedingungen hinzugekommen.

Umrechnung zwischen alten und neuen Druckbedingungen (DeviceLink-Technologien)

Zur Unterstützung werden Anbieter von DeviceLink-Software und Ink-Saving-Tools zeitnah CMYK-Profile zur Umrechnung zwischen alten und neuen Druckbedingungen (und umgekehrt) erarbeiten und zur Verfügung stellen.

Für einen unbestimmten Zeitraum wird dann ab 2015 damit zu rechnen sein, dass sowohl nach der alten wie auch der neuen ISO 12647-2 produziert wird. Für diesen Zweck werden beispielsweise DeviceLink-Profile bereitgestellt werden, die in gängigen Farbservern direkt eingesetzt werden können. Auf www.eci.org findet man bereits zwei einfache kostenfreie DeviceLink-Profile für eine „erste“ Umrechnung.

Foto: Udo Eickelpasch
PSO-Workshop // ProzessStandard Offsetdruck nach ISO 12647-2:2013 für die Praxis

Fokus auf optisch aufgehellte Papiere

Die Überarbeitung und Änderung der internationalen Druckprozessnorm mit geänderten Sollwerten für die Volltonfarborte und Tonwertzunahmekurven war Anlass – aber nicht einziger Grund – neue Arbeitsmittel zu entwickeln. In der heutigen Praxis wird immer mehr der Umgang mit optisch aufgehellten Papieren problematisch, daher standen im Mittelpunkt der Arbeit mögliche Verbesserungen bezüglich dieser Papiere: Die neuen Charakterisierungsdaten und Profile sind wichtige Voraussetzungen für eine sowohl messtechnische als auch visuelle Übereinstimmung von Proof und Auflagedruck. 

Zum Beispiel enthält die neue Charakterisierungsdatei Fogra52 praxisgerechte Farbwerte von Papierton und Druckfarben-Volltönen, womit ein besonderer Vorteil für die Prozesskontrolle beim Druck auf typischerweise optisch stark aufgehellten ungestrichenen Papiere gegeben ist.

 

Die Farbmesstechnik mit dem Messmodus M1 einsetzen

Eine zentrale Rolle spielt bei optisch aufgehellten Papieren der Anteil ultra-violetter Strahlung der Beleuchtung (UV-Anteil). Voraussetzung für die visuelle Übereinstimmung von Proof und Auflagendruck ist die Beurteilung unter Normlicht nach aktuellem Standard ISO 3664:2009 sowie die Verwendung optisch aufgehellter Proofsubstrate.

Daher ist der Einsatz neuer Farbmesstechnik mit dem Messmodus M1 erforderlich, damit die messtechnische Qualitätskontrolle von Proof und Auflagedruck entsprechend funktioniert. Bei der Prozesskontrolle im Auflagedruck kann weiterhin die bisherige Farbmesstechnik verwendet werden.

Referenzen für die standardkonforme Produktion richtig wählen

In letzter Zeit werden immer wieder Fragen nach den nun zu wählenden Referenzen bzw. Zielwerten laut. Wonach sich nun die Druckproduktion zu richten hat, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Welche Referenzen (Druckbedingungen, Sollwerte) für die standardkonforme Produktion herangezogen werden müssen bzw. können, steht aber bereits in der Einführung der Norm.

Es ist in der Norm verankert, dass (durch den Charakterisierungsdatensatz definierte) ggf. abweichende Druckbedingungen normgerecht sind. Damit kann z.B. der Charakterisierungsdatensatz Fogra51 und das ICC-Profil PSO Coated v3 von ECI (und die entsprechenden Sollwerte) als Referenz verwendet werden; ebenso weitere vorhandene oder noch zu schaffende Druckbedingungen für den Bogen- und Rollenoffsetdruck nach ISO 12647-2:2013. Es ist somit keineswegs gegeben, dass nur die in der Norm genannten Sollwerte für PC1, PC5 als Referenzwerte verwendet werden sollen.

Wenn nun ausschließlich die in der Norm genannten Sollwerte für die Druckbedingungen (PC1 bis PC8) als gültige Referenzen akzeptiert werden, wird die Flexibilität und Praxistauglichkeit der neuen Norm massiv eingeschränkt. Das wird niemand wollen.

Es wurden die Papierkategorien gezielt so definiert, dass eine Bandbreite von vergleichbaren aber nicht gleichen Papieren in einer Kategorie zusammengefasst sind.


Diese Papiere weisen dann auch gewisse Unterschiede bei den Eigenschaften auf (Flächengewicht, CIE-Weiße, Glanz, Färbung). Bei anderen Papiereigenschaften ergeben sich zwangsläufig andere Sollwerte und Charakterisierungsdaten für eine Druckbedingung.

Weitere Charakaterisierungsdaten und Profile sind in Arbeit

Neue Charakterisierungsdaten und Profile  für PC 2, 3, 4 und PC 6, 7, 8 werden – wie schon die Vorläuferprofile für Heatset-Rollenoffsetdruck – von den Gremien (u.a. ECI) erarbeitet. Die ECI wird noch 2015 ein Arbeitstreffen durchführen, bei dem die notwendigen Arbeitsschritte und Prioritäten beraten und festgelegt werden. LWC Improved und SC-Papiere werden sicher vorrangig angegangen, da hier ein hoher Bedarf im Markt besteht.

Termine für die Fertigstellung von neuen Charakterisierungsdaten und Profilen können derzeit nicht genannt werden. Es ist zu hoffen, dass die Erstellung nicht genauso viel Zeit wie für PC1 und PC5 in Anspruch nimmt, obwohl immer zu beachten ist, dass vor der Veröffentlichung alles genauestens geprüft und praxiserprobt sein sollte.



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Über den AutorUdo Eickelpasch ist Prokurist und technischer Referent der printXmedia Consult Nord-Ost GmbH. Er unterstützt und berät Druck- und Medienunternehmen durch Coachings, Beratungen und Praxis-Seminare.
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