Medienberufe im Fokus [Teil 3] – Korrekturlesen / Foto: Ikowh Babayev

Medienberufe im Fokus [Teil 3] – Korrekturlesen

Das Gleiche und dasselbe – wie sehr unsere Sprache und auch die Qualität der Druckerzeugnisse darunter leidet

Unter Korrekturlesen versteht man die Revision eines Textes auf etwaige Fehler.
Im traditionellen Druckwesen wurde dazu gewöhnlich eine Kopie eines Manuskriptes erstellt, die nach dessen Bearbeitung gesetzt wurde. (Quelle: Wikipedia)

Das war zu Zeiten des Bleisatzes, aber auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts so. Heute bekommen die meisten Druckereien die kompletten Daten vom Kunden gestellt. Die Daten werden ausgedruckt und diese Ausdrucke gehen – soweit vorhanden – ins Korrektorat. Die Korrektoren lesen nach Rechtschreibung und Grammatik, allerdings achten sie auch auf die Typografie (1), sehen sich die eingebetteten Bilder und Grafiken an, kontrollieren Kopf- und Fußzeilen, prüfen, ob der Anschnitt eingehalten wurde, messen bei Büchern und Broschüren die Rückenberechnungen nach und achten auf alle möglichen Kleinigkeiten.

Nicht zu Unrecht nannte man sie früher Korinthenkacker (2), da sie pedantisch auf das Einhalten der typografischen Normen achteten. Allerdings ist das heute eigentlich auch noch so.


Viele Druckereien haben das Korrektorat abgeschafft, weil man dachte, das Korrekturlesen wäre nicht mehr nötig. Es gibt ja Korrekturprogramme. Leider übernehmen diese nicht die komplette Arbeit der Korrektoren.

Das Gleiche und dasselbe

Ich will nicht darüber lamentieren, wie sehr unsere Sprache und auch die Qualität der
Druck-Erzeugnisse darunter leidet, aber ich würde gerne anhand von Beispielen demonstrieren, was passieren kann:

„Der Mann nahm die Waffe und schoss mehrmals. Die Kriminaltechniker fanden heraus, dass der Täter mindestens fünfmal mit der gleichen Waffe geschossen hatte …“

Nun als Korrektorin muss ich leider sagen, dass das so nicht richtig ist. Entweder hatte der Mann sechs Waffen dabei und hat aus jeder einmal geschossen oder es waren mehrere Täter. Richtig wäre also:

„Der Mann nahm die Waffe und schoss mehrmals. Die Kriminaltechniker fanden heraus, dass der Täter mindestens fünfmal mit derselben Waffe geschossen hatte …“


Derselbe und das Gleiche ist eben nicht dasselbe, allerdings sehen das Korrekturprogramme anders.

Anderes Beispiel: Die Beschäftigten der Firma XYZ arbeiten immer am gleichen Arbeitsort.

Ehrlich? Heißt doch, ich arbeite mal in Hannover oder mal in Hamburg, wenn die Firma mehrere Standorte hat. Ich arbeite immer am selben Ort.

Und tatsächlich gab es einen Text, der sagte: "Die Ticketinhaber können die Eintrittskarte am gleichen Tag mehrmals benutzen."

Heißt, ich kaufe mir Mittwoch in der 44. Kalenderwoche ein Ticket und in der 46. KW komme ich wieder und habe wieder die Möglichkeit, den Freizeitpark zu betreten? Tja, schon mal probiert? Da gibt es Streit. Damit beschäftigen sich dann Anwälte...

Ich bin gerne Korinthenkacker.

Zum Abschluss zwei Anmerkungen
(1) Meist bezeichnet Typografie heute jedoch den Gestaltungsprozess, der mittels Schrift, Bildern, Linien, Flächen und typografischem Raum auf Druckwerke und elektronische Medien angewendet wird, unabhängig von beweglichen Typen (Typografie für digitale Texte). Typografie umfasst nicht nur die Gestaltung eines Layouts und den Entwurf von Satzschriften. Vielmehr kann man den Begriff bis zur richtigen Auswahl des Papiers oder des Einbands ausweiten und sogar von typografischer Kalligrafie oder kalligrafischer Typografie sprechen. Die gestalterischen Merkmale des Schriftsatzes einer Druckseite unterteilt man in Mikrotypografie und Makrotypografie. Die Kunst des Typografen besteht darin, diese Gestaltungsmerkmale in geeigneter Weise zu kombinieren. (Quelle: Wikipedia)

(2) Als Korinthenkacker werden umgangssprachlich manchmal besonders pedantische beziehungsweise kleinliche Menschen bezeichnet. Die Korinthe ist die kleinste Rosinenart. Der Korinthenkacker will die Dinge bis ins kleinste Detail beschreiben und regeln. Seine betont kleinlichen Darstellungen und Sichtweisen können dabei durchaus richtig sein, aber seine Pedanterie wirkt dabei oftmals rechthaberisch. (Quelle: Wikipedia)



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Über den AutorBirgh7it Rosenbaum (b.ro0fsenbdc2aum+cz0u@bw-h.d1nmqe) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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Über den AutorBirgh7it Rosenbaum (b.ro0fsenbdc2aum+cz0u@bw-h.d1nmqe) hat noch den Bleisatz kennengelernt und ist seit Langem Korrektorin bei BWH – Rechtschreibung/Grammatik sowie Typografie sind ihr echte Herzensangelegenheiten.
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