Medienberufe im Fokus [Teil 4] – Der Wandel des Berufsdruckers

Medienberufe im Fokus [Teil 4] – Der Wandel des Berufsdruckers

Im Interview: Was macht den modernen Arbeitsalltag eines Medientechnologe Druck aus?

In unserer Serie „Medienberufe im Fokus“ stellen wir Medienberufe vor, zeigen Beispiele der Einsatzmöglichkeiten und lassen die Experten aus dem Nähkästchen plaudern. Dieses Portrait zeigt den Wandel und die Herausforderungen eines Medientechnologen Druck, besser bekannt als Drucker. Dieses Interview wurde im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ mit Henrik Vollmer von BWH und Ingo Fischer von der ARD geführt.

Henrik Vollmer im Drucksaal von BWH
Foto: BWH
Medienberufe im Fokus [Teil 4] – Medientechnologe Druck: Henrik Vollmer

Die Drucker gehörten zu den ersten, die die Auswirkungen der Digitalisierung direkt zu spüren bekamen - und zwar schon in den 1980er-Jahren, als mit dem Desktop-Publishing plötzlich Druckaufträge auch vom Heim-Computer aus getätigt werden konnten. Zur Überraschung vieler lebt der Beruf Drucker noch heute - Henrik Vollmer hat ihn erlernt und glaubt an seine berufliche Zukunft bei BWH.

"Dass es meinen Beruf überhaupt noch gibt, ist für viele eine Überraschung"

Henrik Vollmer, stellvertretender Abteilungsleiter Druck bei BWH

ARD.de: Sie sind Drucker - warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?
Henrik Vollmer: Auf die Idee dazu bin ich gekommen, weil meine Familie in der Branche arbeitet. Durch mehrere Praktika habe ich Kenntnisse über das Berufsfeld erworben und war davon so überzeugt, dass ich letztendlich eine Lehre als Drucker gemacht habe.

Wie verlief die Ausbildung - auf welchen Wegen sind Sie das geworden, was Sie heute sind?
Meine Ausbildung habe ich im Jahre 2003 begonnen und konnte sie erfolgreich 2006 abschließen. Nach vier Jahren als Geselle bin ich stellvertretender Abteilungsleiter geworden. Im Zuge dessen habe ich begonnen mich weiterzubilden und meinen Meister/Medienfachwirt gemacht. Dies alles in meiner Lehrfirma. Um auch anderen das Berufsfeld des Druckers näherzubringen, habe ich zusätzlich eine Weiterbildung als Ausbilder erfolgreich abgeschlossen.

Können Sie bitte Ihren typischen Arbeitstag von Dienstbeginn bis Feierabend beschreiben?
Ein Arbeitstag besteht im Wesentlichen darin, die Druckmaschine für einen Auftrag einzurichten, zu führen und zu bedienen. Wartungs- und Reinigungsarbeiten sind auch Bestandteil eines normalen Arbeitstages. Genauso gehört dazu zum Beispiel die Abstimmung der Farbigkeit von Drucksachen mit Kunden und vorgegebene Richtwerte und Standards einzuhalten. Sowohl eigenständiges Arbeiten als auch Rücksprachen mit Kollegen und anderen Abteilungen gehören zum typischen Tagesablauf.

Ist Ihr Beruf so, wie sie ihn sich vorgestellt haben, ehe Sie ihn ausgeübt haben?
Ja und Nein. Er ist sogar noch besser! Durch die stetige technische Weiterentwicklung warten immer neue Aufgaben auf mich. Der Beruf ist äußerst abwechslungsreich. Kein Tag gleicht dem anderen. Problemstellungen spornen mich täglich wieder von neuem an und fordern mich, sodass es nie langweilig wird.

Wie hat sich Ihre berufliche Tätigkeit seit Ihrem Berufseinstieg bis heute verändert?
In den nun fast 14 Jahren, in denen ich im Arbeitsleben bin, hat sich schon eine Menge getan. Insgesamt ist der Markt im Umbruch. Durch einen höheren Grad der Technisierung werden die Druckmaschinen immer schneller und Arbeitsabläufe komplexer. Dies erfordert wesentliche Änderungen der Arbeitsabläufe im Vergleich zu früher. So produzieren die Druckmaschinen im Gegensatz zur Zeit meines Berufsanfanges mehr als doppelt so viel in kürzerer Zeit bei weniger Personaleinsatz.

Henrik Vollmer (Zweiter v.r.) zur Zeit seiner Ausbildung mit einem Teil der damaligen Belegschaft der Druckerei.
Foto: BWH
Medienberufe im Fokus [Teil 4] – Medientechnologe Druck: Team bei der Ausbildung

Wenn Sie in die Zukunft blicken - wie, glauben Sie, wird Ihr Beruf dann aussehen - wird es  in, sagen wir, 20 bis 30 Jahren überhaupt noch Drucker geben, wenn einstige Printprodukte weiterhin in virtuelle Internetwelten "abwandern"?
Ich denke, das gedruckte Produkt wird in geraumer Zeit nicht aussterben. Die Leute mögen es, etwas in der Hand zu halten, anstatt rein digitalen Content zu benutzen. Die große Zukunft werden wohl andere Verfahren im Druck machen. So ist der Trend, dass große Druckmaschinen mit Digitaldrucksystemen verschmelzen und somit einen neuen Markt bilden werden. Dieser bietet dann wieder neue Möglichkeiten, gedruckte Produkte neu zu präsentieren und Absatz zu schaffen. Somit wird sich zwangsläufig auch der Beruf des Druckers ins digitale Tätigkeitsfeld verändern. Trotz allem wird der Berufsstand des Druckers weiter bestehen.

„Ich erschaffe Printprodukte, die ich auch privat nutze und sehe.“

Henrik Vollmer, stellvertretender Abteilungsleiter Druck bei BWH

Lieben Sie Ihren Beruf?
Selbstverständlich! Der Beruf füllt mich aus, fordert mich und macht eine Menge Spaß. Ich erschaffe Printprodukte, die ich auch privat nutze und sehe. Ich gehe durch die Stadt oder durch Geschäfte und sehe was ich selber erschaffen habe, wie es auch andere Personen benutzen, es informiert, es umwirbt, es sieht gut aus.

Was sagen Ihre Freunde zu Ihrer beruflichen Tätigkeit - und in welchem Verhältnis steht die Höhe der gesellschaftlichen Anerkennung zu Ihrem Gehalt als Drucker?
Viele Leute sind überrascht, dass es meinen Beruf überhaupt noch gibt. Und wie die tägliche Arbeit eines Druckers aussieht, wissen solche Leute natürlich erst recht nicht. Wer sich aber für das Tätigkeitsfeld der Drucker interessiert, denkt durchweg positiv darüber.

Bei dem Gehaltsgefüge gibt es große Differenzen. Wenn die Voraussetzungen gut sind, wie etwa in einem gewerkschaftlich organisierter Betrieb, dann ist die Bezahlung angemessen.
 

Henrik Vollmer an der Druckmaschine
Foto: BWH
Medienberufe im Fokus [Teil 4] – Medientechnologe Druck: Henrik Vollmer an der Druckmaschine

Angenommen, Sie wären heute in dem Alter, in dem Sie sich für Ihren jetzigen Beruf entschieden haben - würden Sie noch einmal dieselbe Wahl treffen?
Ich würde wahrscheinlich nochmal dieselbe Wahl treffen, jedoch würde ich noch früher eine Weiterbildung starten, um meine Fertigkeiten weiter auszubauen.

Was raten Sie jungen Menschen, die heute einen Beruf in Ihrer Branche beginnen wollen?
Machen, weiterbilden, durchstarten. Die neue Generation sollte sich gut informieren und sich damit auseinandersetzen, was in der Zukunft auf sie zukommt. Sich mit einbringen und selbstständiges Verhalten sind ein guter Start ins Berufsleben.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die zunehmende Digitalisierung auf die Arbeitswelt und auf die Gesellschaft auswirken - welche Chancen und welche Risiken sehen Sie?
Das ist schwer zu sagen. Zwangsläufig wird die Technisierung weiter Einzug halten und bestimmte Bereiche früher oder später grundlegend verändern. Ob sich dies positiv oder negativ auswirken wird, zeigt die Zeit. Ich persönlich finde es nur bedenklich, dass so viel digitaler Content für alle verfügbar ist, welcher ungefiltert in Bezug auf richtig oder falsch oder mit persönlichem Bezug bereitgestellt wird. Dadurch ist neutrale Informationsbeschaffung äußerst schwierig und gegebenenfalls nicht korrekt.

In der Arbeitswelt wird ein extrem hoher Grad an Automatisierung erreicht, der auch dazu führt, dass in ferner Zukunft Facharbeiter nicht mehr benötigt und durch andere Mittel ersetzt werden. Auf der anderen Seite ist es dadurch möglich, Produkte und Dienstleistungen kostengünstig und effizient herzustellen und anzubieten. Dies funktioniert natürlich nur dann, wenn auch die Kaufkraft der Bevölkerung erhalten bleibt und genug Arbeitsplätze da sind, um diese zu generieren.

 

Das Interview führte Ingo Fikh0shsch65aiuer (Infogo.Fischerbyq@ard.de) von der ARD.
Wir bedanken uns bei der ARD für die Nutzungserlaubnis des Interviews, das im Rahmen der ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ vom 30. Oktober bis 5. November 2016 veröffentlicht wurde.
 



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Über den AutorJessica Weigel kümmert sich um Digitales Publizieren und die Projekte im Haus BWH – von der Wissensbilanz, über Publishing Services bis zum qualifizierten Projektmanagement. Außerdem ist sie reiselustig und festivalerfahren.
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