Vegane Verpackung: Machbar oder nicht? // Foto: stevepb

Vegane Verpackung: Ist der Verzicht auf tierische Bestandteile bei bedruckten Verpackungen möglich?

Wenn die Verpackung nicht nur schön, sondern auch vegan sein soll

Dieser Artikel befasst sich mit dem Thema „Vegane Verpackung“ anhand des Beispiels einer im Offsetverfahren bedruckten Verpackung aus Karton und stellt die Frage, ob eine Verpackung vegan hergestellt werden kann.

Wenn auf Produkten z.B. das Qualitätssiegel für vegane Produkte (V-Label) verwendet wird, dann kann man sicher sein, dass diese frei von tierischen Inhaltsstoffen sind (1). Und wie sieht es mit der bedruckten Verpackung dieser veganen Produkte aus? Da ja eine Verpackung zum Produkt passen soll, stellen wir in diesem Artikel die Frage: Ist eine vegane Verpackung machbar oder kann es sie überhaupt geben?

Als Erstes klären wir, was „vegan“ bedeutet. Vegan lebende Menschen konsumieren kein Fleisch, Fisch sowie andere tierische Produkte wie Eier, Honig oder Milch und Milchprodukte. Auch bei der Kleidung wird darauf geachtet, dass keine Materialien tierischen Ursprungs enthalten sind. Dazu zählt z.B. Leder, Schafswolle oder auch Seide.

Das bedeutet, dass bei einer veganen Lebensweise jeglicher Konsum und jegliche Nutzung aller möglichen tierischen Produkte ausgeschlossen werden. Das beinhaltet natürlich auch alle Stoffe, die anhand von Tierversuchen getestet wurden (2).

Vegan zu leben heißt, im Alltag jeglichen Konsum und die Nutzung von tierischen Produkten und Produkten, die nicht frei von Tierversuchen sind, auszuschließen.


Beispiel einer Verpackung mit veganem Inhalt
Foto: BWH GmbH
Vegane Verpackung: Beispiel einer Verpackung mit veganem Inhalt

Schritt für Schritt geht es weiter zur veganen Verpackung: Da es unterschiedliche Herstellungsverfahren einer bedruckten Verpackung gibt, stellen wir die Frage nach einer im Offsetdruck hergestellten Verpackung.

Was benötigt man zur Herstellung einer Verpackung?

  • Papier/Karton/Pappe
  • Druckfarbe (Offsetdruck)
  • Optional Leim/Klebstoff

Folgend werden für die Beantwortung unserer Frage einige Details erklärt.

Papier/Karton/Pappe

Gut zu wissen: Die Bezeichnungen Papier/Karton/Pappe beziehen sich einerseits auf den Einsatz des Materials und andererseits auf die Abhängigkeit vom Flächengewicht (siehe Tabelle).

RichtwerteFlächengewicht
Papier< 170g/m²
Karton170 bis 600 g/m²
Pappe> 600 g/m²
Karton und Pappe werden ab ca. 1000 g/m² nicht mehr nach Gewicht klassifiziert, sondern nach der Dicke in mm

 

Papier/Karton besteht aus dem Rohstoff Holz (Holzschliff/Zellstoff) sowie aus Leim, Füll- und Hilfsstoffen.

Holz – ein Rohstoff für vegane Verpackungen
Foto: Arnaud Mesureur
Vegane Verpackung: Papierrohstoff Holz

Heute dient in erster Linie Holz als Rohwerkstoffquelle. Holzschliff wird durch Schleifprozesse gewonnen. Zellstoff wird auf chemischem Wege durch Kochen in Natronlauge oder Säure hergestellt. Das gewonnene Fasermaterial besteht aus Holz und anderen pflanzlichen Rohstoffen wie z.B. Hanf und Stroh.

Zur Erhöhung der Nassfestigkeit wird zum einen eine Oberflächenleimung eingesetzt oder zum anderen eine leichte Einfärbung der Papierbahn vorgenommen. Für die Oberflächenleimung werden häufig tierische Proteine der Gelatine als Klebstoff zum Gummieren von Papier und Karton verwendet.

Danach kann auch noch eine Papierveredelung vorgenommen werden. Die häufigste Papierveredelungsart ist Streichen. Maschinell wird das Rohpapier mit einem oder mehreren Pigmentanstrichen versehen. Diese bestehen aus Pigmenten, Bindemitteln und Zusatzstoffen, z.B. optische Aufheller, die das Papier weißer erscheinen lassen. Pigmentanstriche sind in der Industrie pflanzlichen, mineralischen und chemischen Ursprungs.

Nicht zu vergessen sind Recyclingpapiere sowie die umweltfreundlichen und nachhaltigen Papiere, die nach FSC®, PEFC™ zertifiziert sind. Altpapiere sind heute ein wichtiger Rohstoff für Faltschachtelkartons.

Fazit 1: Nach unserer Recherche können Industriepapiere im Grunde frei von tierischen Produkten sein. Eine Garantie für den Einsatz von Hilfsstoffen sowie Chemie, die frei von tierischen Stoffen sind und die nicht an Tieren getestet wurden, gibt es jedoch nicht.

Druckfarbe

Je nach Druckverfahren müssen auch unterschiedliche Druckfarben mit unterschiedlicher Konsistenz verwendet werden. Hier beschreiben wir die Farbe für den Offsetdruck.

Offsetdruckfarben bestehen im Wesentlichem aus:

  • Farbmitteln (Pigmente, Farbstoffe)
  • Bindemitteln (Natur- und Kunstharze, Fette, Öle)
  • Additiven (z.B. Stärke, Bienenwachs)
  • sowie Trägersubstanzen (Mineralöle oder Ersatzstoffe wie z.B. Sojaöl)

Die Pigmente der Farbmittel von Druckfarben bestehen zum einen aus anorganischen Pigmenten (Weiß- und Schwarzpigment) und zum anderen aus organischen Pigmenten, die heutzutage synthetisch hergestellt werden. Dazu kommen noch lösliche organische Farbstoffe.

Die Bindemittel der Druckfarben für den Offsetdruck werden aus Bindekörpern nachwachsender Rohstoffe wie z.B. Baumwolle oder Baumharzen oder aber synthetisch hergestellten Bindekörpern wie z.B. Erdöl oder Acrylatharzen gewonnen. Bei den Öko-Druckfarben werden ausschließlich nachwachsende Rohstoffe für die Bindemittel verwendet. Zusätzlich werden noch die Additive und Trägersubstanzen der Druckfarbe für den Offsetdruck hinzugefügt.

Fazit 2: Nach unserer Recherche können industriell hergestellte Druckfarben für den Offsetdruck frei von tierischen Bestandteilen sein.

 

 

Geleimt: Nicht nur bei Verpackungen
Foto: Ryan McGuire
Vegane Verpackung: Tierfreundliche Leime und Klebstoffe?

Leim/Klebstoff

Es gibt Verpackungen und Schachteln, die so konzipiert sind, dass diese ohne Leim und Klebstoff auskommen. Aber in den meisten Fällen müssen Teile einer Verpackung verklebt werden. Der Klebstoff kann auf natürlichen Stoffen basieren: organische Verbindungen pflanzlichen Ursprungs (Stärke, Dextrin, Kautschuk, Cellulose) oder tierischer Herkunft (Kollagen, Kasein, Gelatine).

Viele Kleber werden aus synthetischen Stoffen wie synthetischem Kautschuk oder Kunststoffen hergestellt. Aber die für viele Chemieprodukte relevanten Kanzerogenitätstests (dient dem Nachweis der krebserzeugenden Wirkung von Stoffen) kommen nicht ohne Tierversuche aus.

Fazit 3: Es gibt Bindeleime, die kasein- und gelatinefrei sind und einem veganen Standard entsprechen. Einen veganen Kleber zu verwenden ist demnach möglich. Durch die Weichmacher bei synthetischen Klebern können Tierversuche allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Kann eine Verpackung denn nun zu 100 % vegan sein?

Wie in vielen anderen Industriezweigen auch vereinen sich in der Druckindustrie eine große Anzahl verschiedener Herstellungsindustrien, um ein Druckprodukt erstellen zu können.

Man kann sich bei den Verpackungsdruckereien und Papierherstellern informieren, inwieweit auf tierische Inhaltsstoffe in den Materialien verzichtet wird. Jedoch ist es ein großer Aufwand festzustellen, ob auch alle Hilfs-, Füll- und weiteren Werk- und Betriebsstoffe (Aerosolspray, mit dem die Farbe eingesprüht wird, Puder, Lösungsmittel, Waschmittel, Schmiere und Öl für die Maschinen) nicht Tierversuchen unterzogen wurden bzw. tierische Substanzen beinhalten.

Diesen Widrigkeiten zum Trotz hat sich die Agentur und Druckerei „Voice-Design“ (3) dennoch ganz der veganen Produktion von Drucksachen verschrieben. Voice-Design entwickelte sich aus dem Tierrechtsmagazin „voice“ im Jahr 2000. Auszug aus einem Interview (4):

„Papier kann tatsächlich tierliche Stoffe enthalten. Gelatine zum Beispiel. Und die wird aus Schlachtprodukten von Schweinen, Rindern, Fischen und anderen Tieren hergestellt. Auch Klebstoffe können Knochen enthalten. Wenn wir Schreibblöcke oder Aufkleber produzieren, können unsere Kundinnen und Kunden sicher sein, dass die Produkte ͵clean' sind. Genau wie unsere Farben und alles andere auch. Abgesehen davon arbeiten wir mit besonders umweltfreundlichen Materialien aus fairer Produktion.“

Andreas Bender, Gründer und Inhaber von Voice-Design

 

Fazit 4: Es existiert keine Zertifizierung für eine zu 100 % industriell hergestellte vegane Verpackung, da zu den Papieren, Farben und Hilfsstoffen noch weitere Werk- und Betriebsstoffe kommen, bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie nicht an Tieren getestet wurden. Allerdings ist es möglich, bei der Verpackungsherstellung einen veganen Standard von bis zu 99 % zu erreichen.

Verpackung: Nicht 100 % vegan, aber ökologisch und nachhaltig

Die nachhaltigen und ökologischen Aspekte sollten aber bei der Herstellung einer Verpackung auch keine untergeordnete Rolle spielen.

Es ist eine umweltfreundliche Lösung, Recyclingmaterial einzusetzen, denn dadurch werden Naturressourcen eingespart. Es gibt Materialien, die zu 100 % aus Altpapier bestehen.
Diese können aber nicht als vegan bezeichnet werden, da es keine Informationen darüber gibt, wie die vorher hergestellten Papiere produziert wurden und ob nicht z.B. Gelatine enthalten ist.

Bei der Planung der Verpackung sollte die Verantwortung für die Umwelt, Schonung von Ressourcen und fairen Herstellungsverfahren der Rohstoffe eine große Rolle spielen.

Unter dem Aspekt der Umweltfreundlichkeit sollte man außerdem umweltfreundliche Farben (Druckfarben auf Basis nachwachsender Rohstoffe) verwenden. Ein wichtiger Vorteil von umweltschonenden Druckfarben ist, dass bei der Wiederaufbereitung von Altpapieren diese rückstandsarm und ungiftig entfernt werden können, ohne die Umwelt zu belasten. Allerdings ist dann nicht nachvollziehbar, ob im Altpapier wachshaltige Farben verwendet wurden.

Auch umweltfreundliche, faire Produktion sowie die Verwendung von Ökostrom, die Beauftragung regionaler Lieferanten sowie die Herkunft der Rohstoffe sind für nachhaltige Produktion wichtig und sollten neben veganer Herstellung berücksichtigt werden.

Unsere Erkenntnis:
Mit sensibler Sicht auf die Naturressourcen haben umweltfreundliche und nachhaltige produzierte Verpackungen einen hohen Stellenwert. Dazu dienen auch verschiedene Labels und Siegel wie FSC® (5), PEFC™ (6) und ClimatePartner (7). Dieser Verantwortung sollte man sich bei der Verpackungsproduktion stellen.

 

 

Papierrohstoff mal anders: Gras nicht nur für vegane Verpackungen
Foto: Daniel Watson
Vegane Verpackung: der Papierrohstoff Gras

Noch gefunden: Papier aus Gras
Die Firma C+G Papier bietet ein Papier mit dem Namen Graspap® (8) an. Das Gras ist eine ergänzende Ressource zur Papierproduktion. Bis zu 60 % kann das Gras zum Basisproduktionsmittel Holzzellstoff oder Altpapier eingesetzt werden. Gras als Papierrohstoff, mehrmalige Ernte im Jahr und kurze Transportwege. Sehr gut für die Umweltbilanz.

Wahrscheinlich wird mir jetzt beim Rasenmähen immer der Gedanke kommen: Ich mähe mein Papier. Schade, dass der Rohstoff entsorgt werden muss, denn um sich als Heulieferant zu bewerben, reicht das Gras nicht aus.

 

Quellen:

(1) Informationen zum V-Label vom VEBU
(2) Was ist „vegan“?
(3) Die Agentur, die sich dem veganen Lebensstil verpflichtet hat: voice-design
(4) Interview mit A. Bender von voice-design in der Huffington Post
(5) FSC-Deutschland – Zwei aufeinander aufbauende Zertifizierungs-Standards: Wald- und Produktkettenzertifikate
(6)  PEFC ist die größte Institution zur Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem
(7) ClimatePartner – Klimaneutrales Drucken – weiterlesen im BWH-Magazin: Was ist möglich mit klimaneutraler Produktion?
(8) GRASPAP® – der neue innovative Rohstoff in der Papierherstellung


Titelbild: stevepb



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Über den AutorAnja Matull arbeitet in der Medientechnik und beschäftigt sich auch damit, Mediengestalter/-innen gut auszubilden; auch deshalb ist ihr Interesse an neuen Projekten und Aufgaben groß.
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