Verpackungsdesign: Hilfreiche Tipps aus der Praxis // Foto: Rubén Bagüés

Verpackungsdesign: Hilfreiche Tipps aus der Praxis

Schritt für Schritt zum perfekten Verpackungsdesign

Erfahren Sie, warum sich die Zusammenarbeit mit Profis aus der Verpackungsentwicklung lohnt, welche Fehler beim Verpackungsdesign vermieden werden können und wie es nach der Gestaltung weitergeht. Schritt für Schritt zu einer perfekten Verpackung.

Wir wissen, dass Verpackungen wichtige Werbeträger sind. Ob Faltschachtel, Kissenverpackung, Schachteln für Schmuck und Kosmetik oder Weinkartons. Sie sind alle auch Kommunikationsmittel. Studien belegen: Die Verpackung ist ein wirksamer Kommunikationskanal

Darum ist es wichtig, ein besonderes Augenmerk auf das Verpackungsdesign zu legen. In diesem Artikel werden einige Hinweise gegeben, worauf die Mediengestaltung verstärkt bei der Gestaltung einer Verpackung, Faltschachtel oder Kartonage achten sollte.

Da Verpackungen in unterschiedlichen Druckverfahren hergestellt werden, bedingt es auch zum Teil verschiedene Designvorgaben. Dieser Artikel bezieht sich auf die Herstellung einer Verpackung im Offsetdruck. Es geht zwar um Verpackungen, aber was für Verpackungen gilt, gilt genauso für alle anderen Produkte, die Produktionsschritte wie Stanzen, Prägen, Rillen oder Ritzen beinhalten, z.B. Werbemittel. Selbst ein Register im Aktenordner ist gestanzt und bietet vielfältige Fehlerquellen.

Beispiel für Verpackungsdesign: Werbemittel Stecktabelle
Foto: BWH GmbH
Beispiel für Verpackungsdesign: Werbemittel Stecktabelle // Foto: BWH GmbH

Warum sich die Zusammenarbeit mit Profis beim Verpackungsdesign auszahlt

Um eine Verpackung zu entwickeln, ist es ratsam, mit den Profis zusammenzuarbeiten. Damit eine hochwertige Verpackung auch wirklich hochwertig wird, müssen schon in den ersten Schritten alle Fertigungsstufen wie Stanzen und Rillen berücksichtigt und simuliert werden.

Oft wird Rillen auch fälschlicherweise als Nuten bezeichnet. In der Druckweiterverarbeitung bedeutet Nuten aus einem dicken Karton/Pappe einen Materialspan herauszutrennen; dadurch wird das Biegen des Werkstoffs ermöglicht bzw. vereinfacht. Beim Rillen wird das Material an der Biegestelle eingedrückt. Das Rillen dient bei nicht ganz so starkem Material ebenfalls dazu, den Werkstoff biegefähiger zu machen sowie das Brechen der bedruckten Materialoberfläche zu verhindern.

Schritte zu einer haptisch und technisch funktionierenden Verpackung

Damit die Verpackung optisch ansprechend ist, aber auch haptisch und technisch gut funktioniert, müssen die Verpackungsprofis beim Verpackungsdesign ihr ganzes Wissen einbringen. Es kann sonst passieren, dass z.B. Schließlaschen zu kurz oder auch zu lang sind oder dass die Überläufe der Bildmotive nicht richtig passen und alles irgendwie schief und selbst gebastelt aussieht.

Deshalb werden Muster in der richtigen Materialstärke erstellt, die alle Fertigungsstufen berücksichtigen. Nur so lässt sich genau überprüfen, wo genau z.B. gestanzt und gerillt wird. Das ist für die spätere Passgenauigkeit unerlässlich.

Die jeweiligen Druck- und Produktionsverfahren haben auch Einfluss auf das Verpackungsdesign.

Was nach der Bemusterung der Verpackung passiert

Ist das Muster fertig und vom Kunden sowie von der Medientechnik abgenommen, wird danach die Stanzform erstellt – zunächst digital am Rechner. Die digitale Stanzform könnte z.B. so aussehen:

Beispiel: Stanzform einer Zettelbox ohne Beschriftung
Tipps für Verpackungsdesign: Stanzform einer Zettelbox ohne Beschriftung


Die magentafarbene Linie ist die Stanzform. Stanzen bedeutet in der Druckweiterverarbeitung das Teilen von Werkstoffen in einer von der Geraden abweichenden Trennlinie (Quelle: Handbuch der Printmedien, Helmut Kipphan). Das heißt, jegliche Formen können erstellt werden. Die grünen Linien sind die Rilllinien.

Empfehlenswert ist es, alle Seiten des Objektes eindeutig zu benennen, damit alle an der späteren Produktion Beteiligten, das Objekt zweifelsfrei verstehen und jeder in der Kette die Qualität kontrollieren kann. Das könnte so aussehen:

Beispiel: Stanzform einer Zettelbox mit Beschriftung
Tipps für Verpackungsdesign: Stanzform einer Zettelbox mit Beschriftung


Wenn die Verpackung ein Gesicht bekommt

In welchem Grafikprogramm gearbeitet wird, kann jeder selbst entscheiden. Wichtig ist dabei, mit Ebenen zu arbeiten. Ebenen dienen dazu, eine bessere Übersicht über die einzelnen Illustrationen innerhalb eines Dokumentes zu erhalten. Die jeweiligen Ebenen lassen sich separat ein- und ausblenden und wenn eine Ebene fertig bearbeitet ist, lässt sie sich für die weitere Bearbeitung sperren.

So kann man innerhalb des Dokumentes bzw. des grafischen Entwurfs eine Ebene für die Stanzform festlegen. Gut ist es, die Stanzformebene bei der grafischen Bearbeitung zu sperren oder festzusetzen, damit sie sich nicht verschiebt. Bei der grafischen Gestaltung lässt sich so auch der Anschnitt besser berücksichtigen und kontrollieren. Bilder sowie Flächen müssen mindestens 3 mm über die Stanzkontur hinaus angelegt werden, damit es später nicht zu weißen Blitzern kommt.

Die Stanz-, Rill- und Perforierlinien müssen als Echtfarbe angelegt sein. Gängige Farbbezeichnungen sind Stanzen (aus 100 % Magenta), Rillen (aus 100 % Cyan, 100 % Yellow), Perforieren (aus 100 % Cyan), Prägen (100 % Yellow). Diese sollten auf „Überdrucken“ eingestellt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Linie im überlappenden Motiv nicht entfernt wird, das heißt nicht ausspart.

Beispiele von Fertigungsschritten
Grafik: BWH GmbH
Tipps für Verpackungsdesign: Beispiele von Fertigungsschritten


Wenn die Verpackung ohne weitere Umverpackung versendet wird, müssen die postalischen Anforderungen für die Absender- und Empfängeradressen (Größen und Abstände) berücksichtigt werden. Ärgerlich ist es, wenn dabei die Adressfelder ein tolles Motiv abdecken. Alle Informationen über Anordnung der Adressfelder und vorgeschriebene Freiflächen erhält man bei der Deutschen Post AG.

Einen Überblick über die aktuellen Richtlinien für die Gestaltung der Aufschriftseite haben wir hier zusammengestellt: Warum der automationsfähige Briefversand keine Kunst ist.
Wissenswertes zur Maschinenlesbarkeit haben wir mal in 10 Punkten zusammengefasst.

Wichtig zu wissen: Welches Material zum Einsatz kommt, ist gerade für die Bild- und Farbgestaltung wichtig. Das muss unbedingt berücksichtigt werden. Es wird mit entsprechenden Farbprofilen gearbeitet, damit das Substrat das bestmögliche Ergebnis liefern kann.

Bei der Gestaltung sind für die Texte eine gute Typografie und für die richtige Bild- und Farbwahl das Material zu berücksichtigen.

Die Gestaltung der Verpackung ist fertig, was nun?

Nach der Gestaltung kommt es nun zu dem oben beschriebenen Musterbau. Es ist unbedingt ratsam, einen Ausdruck zu erstellen und diesen auszuschneiden, zu falzen und zusammenzubauen. Dies sollte möglichst auf dem Originalmaterial geschehen, denn die Dicke des Materials hat Auswirkungen auf die Passgenauigkeit sowohl der Verpackung selbst als auch des Motivs. Hier gilt es zu überprüfen, ob die Seiten richtig angeordnet sind oder ob doch noch ein Motiv gedreht werden muss.

Ich bekam mal eine schön gestaltete Verpackung überreicht: ein Teil im Schuber (Schutzhülle aus Karton) mit Rückenbeschriftung. Das Motiv auf der Rückseite des Schubers war spiegelverkehrt. Wie man es drehte und wendete, etwas stand immer auf dem Kopf. Das ist nicht die gewünschte Beschäftigung mit dem Produkt, denn diese Form der Beschäftigung mit einer Verpackung löst immer negative Empfindungen aus.

Jetzt geht die Verpackung in den Offsetdruck

Zum Schluss wird ein PDF für den Druck ausgegeben. Dabei ist letztmalig zu kontrollieren, dass die Farbbezeichnungen für die Stanzform als Echtfarben angelegt sind. Diese werden dann bei der Druckplattenerstellung abgewählt, weil die Stanzform natürlich nicht mitgedruckt wird. Vielmehr wird die digitale Stanzform, nachdem der Stand auf den Druckbogen definiert ist, zum Stanzformenhersteller gegeben. Die haptische Stanzform erstellt in der Regel ein externer Stanzformenhersteller auf Veranlassung der Druckerei oder des Grafikers, der die Gestaltung entworfen hat.

Beispiel: Verpackungsgestaltung einer Zettelbox

Pappe statt Plastik. Werbemitteln aus Karton sind fast keine Grenzen gesetzt. In diesem Beispiel keine durchsichtige Zettelbox aus Kunststoff, sondern eine werbewirksame individuelle Alternative.
Tipps für Verpackungsdesign: Stanzform für Werbemittel aus Pappe
Werbemittel aus Pappe - offene Zettelbox
Tipps für Verpackungsdesign: Werbemittel aus Karton - offene Zettelbox
geschlossene Zettelbox
Tipps für Verpackungsdesign: Werbemittel aus Karton - geschlossene Zettelbox


Zusammengefasst:

  1. Einzelne Teile der Bemusterung benennen (etwa Deckel außen, Seitenteil links, Boden usw.)
  2. Im Programm mit Ebenen arbeiten (dient zur besseren Übersicht und zum flexibleren Arbeiten)
  3. Ebene mit Stanzform sperren/fixieren (verhindert Verschiebungen)
  4. Stanz- und andere Linien der Fertigungsstufen als Echtfarbe anlegen
    Gängige Farbbezeichnungen (Farbwerte in CMYK):
    Stanzen: (100 % Magenta)
    Rillen: (100 % Cyan, 100 % Yellow)
    Perforieren: (100 % Cyan)
    Prägen: (100% Yellow)
  5. Stanz- und andere Linien der Fertigungsstufen auf „Überdrucken“ stellen
  6. Anschnitt nicht vergessen, +3 mm über die Stanzform hinaus
  7. Absender- und Empfängerfelder berücksichtigen
  8. Gute Typografie, richtige Farbwahl und das Material mit berücksichtigen
  9. Empfehlenswert: Nach der Gestaltung ausdrucken, ausschneiden und zusammenstecken
  10. Die Stanzform wird nicht mitgedruckt
  11. Nach der Positionierung auf dem Druckbogen wird die Stanzform zur Herstellung von der Druckerei an den Stanzformenhersteller gesendet

Fazit: Verpackungen bzw. Kartonagen zu gestalten ist nicht alltäglich, wenn man nicht direkt aus der Verpackungsindustrie kommt. Aber es ist eine schöne Herausforderung. Ergänzend mit Veredelungen kann man für den „Empfänger“ ein einzigartiges haptisches Erlebnis gestalten. Interessant dazu auch der Artikel 8 Schritte zu einer guten Verpackung.

Wer mehr über die Verpackungsherstellung wissen möchte, kann sich auf der Europäischen Fachmesse für Verpackung, Technik, Veredelung und Logistik in Nürnberg informieren: www.fachpack.de

Beim Verpackungsdesign der Kreativität freien Lauf lassen: Birdy Juice von Bēhance (www.behance.net)
Verpackungsdesign: Birdy Juice von Bēhance

 

 

Titelbild: Rubén Bagüés



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Über den AutorAnja Matull arbeitet in der Medientechnik und beschäftigt sich auch damit, Mediengestalter/-innen gut auszubilden; auch deshalb ist ihr Interesse an neuen Projekten und Aufgaben groß.
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