<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
	<channel>
		
		<title></title>
		<link>http://www.bw-h.de/</link>
		<description></description>
		<language>de</language>
		<image>
			<title></title>
			<url>http://www.bw-h.de/EXT:tt_news/ext_icon.gif</url>
			<link>http://www.bw-h.de/</link>
			<width></width>
			<height></height>
			<description></description>
		</image>
		<generator>TYPO3 - get.content.right</generator>
		<docs>http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss</docs>
		
		
		
		<lastBuildDate>Tue, 27 Jul 2010 08:00:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
		<item>
			<title>Wahnsinnig witzige Radiomenschen</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////wahnsinnig-witzige-radiomenschen/</link>
			<description>Man steht auf, die Sonne scheint, verspricht einen schönen Tag, die Nachbarn auf der Straße nicken...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man steht auf, die Sonne scheint, verspricht einen schönen Tag, die Nachbarn auf der Straße nicken freundlich, und ausnahmsweise nickt man freundlich zurück, dann steigt man gut gelaunt ins Auto, pfeift sein aktuelles Lieblingslied, macht sich auf den Weg zur Arbeit – und weil man noch eben hören will, was so los ist in der Welt, schaltet man das Radio ein und zappt durch die Kanäle. Erfreulicherweise erklingt bald das aktuelle Lieblingslied. Gott ist mein Freund, denkt man, und dreht die Lautstärke bis zum Anschlag auf, grölt mit, so laut, dass die Windschutzscheibe bebt und die Fahrradfahrer nebenan fast vom Drahtesel kippen. Die Welt ist schön, die Sorgen winzig klein und kein Problem zu groß, um nicht an diesem Tag gelöst zu werden. Doch dann ist das Lieblingslied plötzlich vorbei und die wenigen Sekunden, die man braucht, um das zu realisieren, reichen völlig aus, um den schönen Tag jäh enden zu lassen. Denn ein Schwall guter Laune ergießt sich aus den Lautsprechern, geballter Wortwitz erfüllt das Wageninnere. Weg hier, den Sender wechseln, nur weg! Doch es ist, als hätten sie sich alle gleichzeitig verabredet. Auf jedem Kanal diese lustigen Radiomenschen.<br />Eine Pest grassiert in Deutschland. Es ist die Pest der Morning-Shows. Da berichtet ein fetter Radiomensch von seinen Versuchen, endlich ein paar Kilos abzunehmen. Aktuelle Gewichtstabellen gibt’s im Internet.<br />Unglaublich witzig. Eine Frau findet Männer in Sandalen und Socken fürchterlich und quatscht über die größten Modesünden im Sommer. Hat man alles schon tausendmal gehört. Aber das macht ja nichts. Immerhin ist man ja zu zweit. Und zur Jobbeschreiung gehört, dass Moderator I über Moderator II lacht. Laut, leise, kichernd, quiekend, grunzend. Wie sie sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, wie ein Kalauer denselben jagt, es ist eine wahre Freude, allerdings nur für die beiden, während man selbst gequält zum nächsten Kanal zappt. Und sich vorstellt, mal eben zum Studio zu fahren, zu all diesen Studios mit den lustigen Radiomenschen, mit irgendeinem Gegenstand bewaffnet, um dort ganz grundsätzlich klarzustellen, dass man nicht einverstanden ist mit ihrer widerwärtigen, aufgesetzten guten Laune. Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Radiomoderatoren in Morning-Shows unbedingt lustig sein müssen? Finger hoch! Wer war das? Oder hatte da der Teufel seine Finger im Spiel? Kann nicht mal einer dieser Moderatoren schlechte Laune haben? Es würde doch reichen, in den Pausen zwischen der Musik ein bisschen mit der Zeitung zu rascheln und zu murmeln, dass alles immer noch so beschissen ist wie am Tag zuvor, bevor man das nächste Lied ansagt. Das wäre zumindest mal ein realistisches Format. Setzt sie endlich ab, all diese Morning-Shows, macht diesem Elend ein Ende! Oder klaut ihnen wenigstens ihre Bücher mit den tausend besten Klosprüchen und den tausend besten Witzen. Und sperrt vor allem die Telefonleitungen. Was ist das peinlichste oder lustigste Erlebnis, das ihr hattet, während ihr auf die Wohnungen oder die Tiere eurer Freunde aufgepasst habt, so fragen zum Beispiel die witzigen Radiomenschen.<br />Und verdammt noch mal, es gibt immer noch ein paar Hohlnasen, ein paar Möchtegern-Co-Moderatoren, die tatsächlich anrufen, um ihre ungeheuer banalen Geschichten unters Volk zu bringen.<br />Was sind das für Menschen? Haben die nichts Besseres zu tun? Das können doch unmöglich alles Praktikanten sein, die man dazu verdonnert hat, damit der Eindruck entsteht, dass diese Sender gehört werden. Findet am Ende irgendjemand diese Morning-Shows tatsächlich witzig?<br />Das kann doch alles nicht wahr sein!</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_08_2010.pdf" length ="161504" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>radio-stripper</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////radio-stripper/</link>
			<description>Neulich las ich von einer Frau (deren Namen die Redaktion natürlich geändert hatte), die immer...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich las ich von einer Frau (deren Namen die Redaktion natürlich geändert hatte), die immer wieder den gleichen, schrecklichen Traum hat. Sie träumt, dass sie eines Tages zum Telefonhörer greift und eine Nummer wählt, um dem Menschen am anderen Ende, einem völlig Fremden, wirklich alles zu erzählen. Einfach alles, die ganze Geschichte, von vorne bis hinten. Ihr ganzes Leben ohne Auslassungen. Sie erzählt von ihrer schwierigen Kindheit, dass ihr Vater getrunken und sie geschlagen habe, ihre Mutter ebenfalls, nur seltener, sie schildert haarklein die Doktorspiele mit Onkel Franz, der eigentlich nicht ihr Onkel war, sondern ein Nachbar, der aber bei ihr zu Hause ein und aus ging und fast zur Familie gehörte, sie erzählt, dass sie ihren kleinen Hund in der Regentonne ertränkt habe, aus Frust, weil das Zeugnis in der siebten Klasse so schlecht gewesen sei, sich berichtet von ihrer Zeit auf der Hauptschule und von ihren Affären mit Heiko, Stephan, Markus, Karsten, Guido und Dirk, Thomas, Michael, Thorsten, Detlef und Nina, wobei die ein einmaliger Ausrutscher war, im Gegensatz zu Detlef, der ihr Deutschlehrer gewesen sei, und dass das Wörtchen »und« zwischen Guido und Dirk schon seinen Grund habe. <br />Sie erzählt davon, dass sie nach der Hauptschule noch die Realschule besucht habe, dass sie gekämpft habe und irgendwann tatsächlich den qualifizierten Realschulabschluss in der Tasche hatte, dass sie eigentlich sogar aufs Gymnasium gehen wollte, aber ihr Vater das verboten habe, weil sie endlich ihr eigenes Geld verdienen sollte, dass sie dann eine Lehre in einer Fleischerei angefangen habe, der Chef sie aber immer angefasst hätte, dass sie die Lehre deshalb zuerst abgebrochen habe und schließlich doch in einer anderen Fleischerei beenden konnte. Und dann sei sie mit dem ersten eigenen Geld in der Tasche sofort zu Hause ausgezogen, auch um Onkel Franz aus dem Weg zu gehen. Und sie erzählt weiter, dass sie inzwischen verheiratet sei, aber dass sie wohl eher Pech mit Männern habe, weil ihr Mann ein ziemlicher Versager sei, ohne Job aber dafür mit ziemlich großer Schnauze, und dass sie inzwischen drei Kinder habe, zwei Mädchen und einen Jungen, eine unglaublich wilde Bande, weswegen ihr auch manchmal die Hand ausrutschen würde, und dass es ihr danach immer leid täte und sie dann zur Flasche greifen würde, weil sie auch nicht besser sei, als ihre Eltern, und dass sie wegen dem Alkohol in letzter Zeit häufig zu spät zur Arbeit kommen würde, weswegen wohl jetzt bald die Kündigung ins Haus flattern dürfte, und dass sie, wenn es so weit kommen würde, für gar nichts mehr garantieren könnte. Nebenbei erzählt sie noch, wie sie heißt und wo sie im Augenblick wohnt und dass man vielleicht schon mal den Notarzt rufen sollte.<br />Was ist an diesem Traum nun besonders schlimm? Es ist ja nur ein Traum. Sie ruft einen fremden Menschen an und erzählt ihm ihre Geschichte – so what? Aber der Traum ist noch nicht zu Ende, denn während sie erzählt, meint sie, aus der Nachbarwohnung ein Echo ihrer Stimme zu hören, und als sie irgendwann das Fenster zur Straße öffnet, steht da ein Wagen mit heruntergelassener Scheibe und aus dem Wagen erklingt ebenfalls ihre Stimme. Und dann begreift sie, dass sie gerade mit irgendeinem Radiotypen telefoniert und legt ganz schnell auf. Später geht sie noch einkaufen und alle zeigen mit dem Finger auf sie. Schrecklich! Ein wahrhaft fürchterlicher Traum.<br />Was für ein Glück, dass so etwas im wirklichen Leben nie passiert. Man stelle sich das mal vor, dass tatsächlich Leute bei Radiosendern anrufen, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen und dabei auch noch ihren Namen und ihre Adresse ausplaudern. Das wäre ja total verrückt. Am Ende könnte man sich sogar vorstellen, dass solche Leute sich in irgendwelche TV-Talkshows setzen und sich medial vollkommen entblößen. Oder dass sie sich im Internet eine eigene Seite einrichten, auf der sie ihre Geschichte dann auch noch bebildern. Aber so verrückt ist ja Gott sei Dank keiner…</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_07_2010.pdf" length ="436282" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Walking Acts</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////walking-acts/</link>
			<description>Da freut man sich auf den Sommer, auf unzählige Open Airs, auf Kleinkunst, Musik und Bratwurst am...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da freut man sich auf den Sommer, auf unzählige Open Airs, auf Kleinkunst, Musik und Bratwurst am laufenden Meter, macht sich auf zu den Freiluftbühnen der Stadt – und noch ehe man die Bühnen erreicht, sind sie da. Bleiben einfach vor einem stehen, glotzen und sagen nichts und behaupten, es sei Theater.<br />Und da man selbst kein Theater machen möchte, weil man erstens genauso wenig Talent hat wie sie und zweitens auch keine Lust, sich an einem so sonnigen Tag aufzuregen, geht man weiter. Solange, bis der nächste sich kackendreist auf Stelzen vor einem aufbaut, groß und unheimlich und unheimlich lächerlich. Und hätte man nicht alle Hände voll zu tun, weil man dem Stand zuvor trotz überteuerter Preise nicht widerstehen konnte, man würde es nun diesem Stehenden heimzahlen und ihn von den Kackstelzen reißen, nur damit nicht noch andere belästigt werden.<br />Die Befürchtung ist berechtigt. Walking Acts wechseln ganz gerne den Standort. Ungefragt mischen sie sich in die Menge, um sich selbst zu<br />Kleinkünstlern und Passanten zum Publikum zu erklären. Und nie wäre auch nur einer von ihnen mal auf die Idee gekommen, die Passanten vorab zu fragen, ob sie denn Publikum werden möchten. Walking Acts brauchen kein grünes Licht. Walking Acts brauchen auch keine Bühne. Über Letzteres sind sich die Walking Acts wohl mit uns einig. Nur über den Grund herrscht noch Unstimmigkeit: Wer nichts kann, braucht auch keine Bühne. Jede Wette, dass es viele gibt, die bis dato gar nicht wussten, dass es für „die Bekloppten“ überhaupt eine offizielle Bezeichnung gibt. Wie die Walking Acts zu ihrem Namen kamen, werden die jetzt weiter wissen wollen. Ganz einfach: Für sie ist es ein Spaziergang, Geld zu verdienen. Kilometer reißen sie dabei nicht, den Arsch reißen sie sich erst recht nicht auf. Selbst sprechen können die meisten nicht. Sie können nichts.<br />Das Problem: Auch jemand, der nichts kann, der also keine Bühne braucht, braucht Geld. Um an Geld zu gelangen, muss man was tun.<br />Also „tun“ die Walking Acts einen Topf auf den Boden stellen. Jetzt wird man uns natürlich wieder vorwerfen, alles in einen Topf zu schmeißen, aber wir werden uns hüten, auch nur einen Cent dafür zu geben, das könnt ihr uns glauben! Nicht, dass wir missverstanden werden: Kein Geld zu haben, ist mitunter das Schlimmste. Die gesamte Stadtkind-Redaktion wird geschlossen hinter dieser Aussage stehen.<br />Und unser Respekt gilt allen, die sich stillschweigend auf den Boden setzen, mit einem leeren Pappbecher in der Hand, den sie noch nicht einmal selbst leeren durften. Brauchen die weniger Geld als ein Walking Act? Nein. Aber nennen sie sich deswegen gleich Sitting Act und ziehen eine dumme Grimasse, wenn man ihnen etwas in den Becher wirft? Der kleine aber feine Unterschied: Hinter Walking Acts stecken freischaffende Künstler. Und einem Künstler geht es in erster Linie ja nicht um das Geld, sondern darum, seine Eitelkeit zu befriedigen. Der Bettelgang wird zum Walking Act, denn eitle Menschen betteln nicht. Also werden sie niemals einfach nur regungslos dastehen und zugucken, wie ihnen jemand ein Geldstück gibt.<br />Sie werden regungslos dastehen und zugucken – und dann, so plötzlich, dass einem die Wurst fast aus der Hand fällt, werden sie jonglieren, gestikulieren, erst die Mimik, manchmal die Stimme und später ihre Füße einsetzen, um sich mit Bewegungen wie ein Roboter oder schlichtweg wie ein Idiot aus dem Staub zu machen und zwanzig Meter weiterzuziehen, da ihnen das Ganze wohl selbst ein wenig peinlich erscheint.<br />Einigen wir uns darauf, dass der Walking Act ein kleines Phänomen, aber mit Sicherheit keine Kleinkunst ist. Verdienen werden sie damit wohl nichts. Und wenn wir es uns so recht überlegen: Selbst ihren Namen hat diese Keinkunst nicht verdient. Nun möchten wir den Keinkünstlern ja nicht gleich alles nehmen. Lassen wir ihnen die Anglizismen. Der Walking Act ist schlichtweg ein No-Go. Manuela Sender</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 12:29:00 +0200</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_06_2010.pdf" length ="757428" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Die dritte Klasse der Steuersünder</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////die-dritte-klasse-der-steuersuender/</link>
			<description>1.500 Namen von deutschen Staatsbürgern sollen sich auf der neuen „Steuersünder-CD“ finden, 1.500...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1.500 Namen von deutschen Staatsbürgern sollen sich auf der neuen „Steuersünder-CD“ finden, 1.500 schwarze Schafe, die ihr Geld am Fiskus vorbei ins Ausland geschafft haben. Jetzt können sie sich entweder selbst anzeigen oder warten, bis die Fahnder an der Haustür klingen, um mal einen dezenten Blick in die verschlossenen Schreibtischschubladen zu werfen und die heimischen Computer in die Dienstwagen zu verfrachten. Man darf gespannt sein, ob auch wieder ein paar prominente Sünder dran glauben müssen, ein paar Zumwinkels dieser Welt, die dann öffentlich reuevoll das Haupt senken dürfen, während sie auf ihre Strafe warten, die sie so arg sicher nicht treffen wird. Bei einem Steuersünder der Zumwinkel-Klasse bleibt auch nach Abzug der Nachzahlung genug übrig, um weiter herrlich sorgenfrei leben zu können.<br />Es gibt ja ganz unterschiedliche Klassen von Steuersündern. Im Grunde sind es drei: Bei den Zumwinkels fragt man sich, warum sie sich diesem Nervenkitzel überhaupt aussetzen. Sie hätten doch auch ohne Steuerhinterziehung genug auf der hohen Kante. Aber vielleicht ist es genau das: Ein bisschen Abenteuer, weil es ihnen da oben an der Spitze der Gesellschaft zu langweilig geworden ist. Ganz anders die zweite Klasse.<br />Sie könnte auf diesen Nervenkitzel bestimmt gut verzichten. An der Steuer verzweifelnde Mittelständler oder gut verdienende Angestellte, die nicht einsehen, warum sie ihr sauer verdientes Geld, ihr hart erarbeitetes Einkommen, mit den anderen teilen sollen, diesen ganzen „Schmarotzern“, für die der Sozialstaat die Versorgung übernommen hat und die gar keine Lust haben, sich selbst um ihr tägliches Brot zu kümmern. So jedenfalls steht es ja ständig in der Zeitung. Also wählt man den illegalen Weg, versteckt ein bisschen Bares unter dem Beifahrersitz und macht sich auf ins Ausland. Kleine und größere Fische sind in Sachen Bargeldschmuggel tagtäglich auf den Autobahnen unterwegs.<br />Im Gepäck immer die Angst, erwischt zu werden, denn im Gegensatz zu den Zumwinkel-Fischen, die lieber fahren lassen, wäre die Entdeckung für diese Sünder doch sehr schmerzhaft und würde wahrscheinlich sogar die Existenz bedrohen, die kleine Firma oder zumindest das sauer erschwindelte Ferienhaus in der Toskana. Egal ob erste oder zweite Klasse, diese beiden Steuersünder-Randgruppen hätten es durchaus verdient, hier ein bisschen durchbeleidigt zu werden. Man könnte anklagend den Zeigefinger heben: Fahrt ihr nicht auf den Straßen, die von der Allgemeinheit finanziert werden, gehen eure Kinder nicht auf unsere Schulen, bekommt ihr kein Kindergeld? Ihr solltet euch schämen, müsste man ihnen zurufen. Aber das wäre Platzverschwendung, denn die zweite Klasse hat wahrscheinlich sowieso schon ein schlechtes Gewissen und die erste Klasse genug Geld, um auf ein Gewissen grundsätzlich verzichten zu können. <br />Außerdem bleibt so mehr Raum für die dritte Klasse der Steuersünder, die Schumacher-Klasse. Diese Klasse verlegt ihren Wohnsitz mal eben in die Schweiz, gibt als Beruf „Rennfahrer“ an und gilt bei den Eidgenossen fortan als „erwerbsloser Ausländer“, weil es in der Schweiz keine Rennpisten gibt. Also muss der Gute dort auch keine Steuern bezahlen, nur das Fünffache seiner Jahresmiete. Was natürlich weitaus günstiger ist, als hier in Deutschland den Fiskus zu bedienen.<br />Dabei bleibt der liebe Herr Schumacher natürlich deutscher Staatsbürger. Immerhin hat er ja hier bei uns die meisten Fans. Sähe doch irgendwie nicht gut aus, wenn er plötzlich Schweizer werden würde. Obwohl das nach dem alten Klischee vom langsamen Schweizer ganz gut passen würde, so wie er augenblicklich in der Formel-1 unterwegs ist. Was machen wir nun mit dieser dritten Klasse? Die üblichen Fragen können wir nicht stellen. Wahrscheinlich ist der Schumacher in Deutschland inzwischen nur mit dem Privathubschrauber unterwegs, nutzt also nicht unsere Straßen, seine Kinder werden eine staatliche Schule nie von innen kennen lernen und Kindergeld hat die Familie Schumacher schätzungsweise auch nicht bezogen. Mit welchem Recht sollen wir also verlangen, dass er hier bei uns Steuern zahlt? Wir können ihn höchstens ziemlich drittklassig finden. GAH</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 01 May 2010 12:29:00 +0200</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_05_2010.pdf" length ="157274" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Verantwortungslose Hausbesitzer</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////verantwortungslose-hausbesitzer/</link>
			<description>Auf dem Dorf ist es ganz leicht, die schwarzen Schafe zu identifizieren. Da sind die Grundstücke...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Dorf ist es ganz leicht, die schwarzen Schafe zu identifizieren. Da sind die Grundstücke klar voneinander getrennt, und so weiß ein jeder, welcher Bürgersteig zu wem gehört. Wer seinen Teil nicht regelmäßig fegt, der fällt irgendwann auf und steht alsbald am Pranger der dörflichen Gemeinschaft. Und wer seinen Vorgarten nicht sauber hält, der kann sich erst recht auf was gefasst machen. Schon bald werden die Kinder nicht mehr zum Spielen abgeholt und bei nachbarschaftlichen Aktivitäten (gemeinsames Kränzen zur Silberhochzeit) wartet man vergeblich auf die Einladung. <br />Dieses System der gesellschaftlichen Ächtung mag zwar ein bisschen fragwürdig sein, doch immerhin sorgt es für saubere Bürgersteige und Vorgärten. Und das ist, wie jeder weiß, ungemein wichtig, denn nur in einer aufgeräumten Umgebung hat der menschliche Geist Platz für saubere Gedanken. Im Chaos entsteht dagegen selten Glanzvolles.<br />In der Stadt ist das alles nun nicht ganz so einfach. Da gibt es zwar ebenfalls Häuser mit dazugehörigen Bürgersteigen und manchmal sogar Vorgärten, aber wem in den Straßen Hannovers was gehört, das weiß niemand so ganz genau.<br />Da wohnen die Menschen zur Miete und der Hausbesitzer sitzt irgendwo weit weg in seinem Garten in der Wedemark. Die Stadtreinigung wird es schon richten. Schlussendlich bedeutet das: Chaos auf den Bürgersteigen, nicht nur in diesen Tagen mit Rollsplitt, Silvester-Resten und aufgetauter Hundescheiße. Dem strengen und schneereichen Winter ist es zu verdanken, dass wir sie nun kennen, die verantwortungslosen Hausbesitzer in Hannover (und darüber nachdenken, demnächst online eine Liste dieser schwarzen Schafe zu veröffentlichen).<br />Ganz unfreiwillig haben sie sich geoutet. Denn es gibt natürlich auch die anderen, die vorbildlichen Eigentümer. Jene Menschen, die morgens mit dem ersten Vogelgezwitscher aus den Federn sind, während der kalten, verschneiten Tage, und sich schon um halb sechs an ihre Bürgersteige gemacht haben. Ein liebliches Geräusch für alle Sauberkeit und Ordnung liebenden Bürger, dieses morgendliche Kratzen und Schaben. Ganz wunderbar, der sichere Schritt hinaus auf einen von Schnee, Eis und Unrat befreiten Gehweg. Fürchterlich und gefährlich dann der harte Übergang auf den benachbarten Abschnitt. Für saubere Kanten haben die weißen Schafe gesorgt, für klare Linien, manchmal millimetergenau gezogen, eine gleichsam anklagende Gerade von der Hauswand zur Straße, auf der einen Seite reiner Asphalt, sauberes Pflaster, auf der anderen das weiß-gräuliche Chaos.<br />So konnte man durch die Straßen der Stadt gehen und die Spreu vom Weizen trennen. Hier die Tugendhaften, die noch daran glauben, dass Eigentum verpflichtet, dort die Fraktion der Verantwortungslosen, die lieber in der Wedemark sitzen und Kaffee trinken, während die Miete auf dem Konto klingelt und unbescholtene Bürger sich die Hachsen brechen. Infam ihre Erklärungsversuche und Ausflüchte: „Es ist doch viel schöner, wenn der Schnee liegen bleibt und die Eltern mit ihren Kindern und dem Schlitten unterwegs sein können, ohne ständig absteigen zu müssen.“<br />Nicht mit uns! Schlitten gehören in den Deister und nicht auf den Gehweg und Kinder sollten sowieso nicht auf der Straße spielen. Und um gleich mal für den Frühling und den Sommer vorzusorgen: Auch heimische Kräuter und Pflanzen haben auf dem Bürgersteig nichts zu suchen. Dafür gibt es in Hannover genug Grünflächen, die für solchen Bewuchs vorgesehen sind. Denkt nach, rufen wir hiermit allen verantwortungslosen Hausbesitzern zu: Verschmutzte Gehwege mit Löwenzahn sind die Pilgerpfade der Anarchisten! GAH</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 12:29:00 +0200</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_04_2010.pdf" length ="196240" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Mäuschen</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////maeuschen/</link>
			<description>Wenn plötzlich die Nackenhaare senkrecht zu Berge stehen, der Magen sich verkrampft, kalter Schweiß...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn plötzlich die Nackenhaare senkrecht zu Berge stehen, der Magen sich verkrampft, kalter Schweiß von der Stirn tropft, dann sind das Symptome der Angst, Zeichen einer Bedrohung, einer unheimlichen Begegnung, die jeder Mensch kennt. Angst kann man vor allen möglichen Dingen und Kreaturen haben, manchmal völlig unbegründet, manchmal völlig zu Recht. Unbegründet zum Beispiel angesichts einer harmlosen deutschen Kellerspinne, absolut begründet angesichts einer Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans). Elefanten beispielsweise haben, so sagt man, Angst vor Mäusen. Völlig unverständlich, wenn es denn tatsächlich so ist. Menschen haben wohl am häufigsten Angst vor anderen Menschen. Das wiederum ist völlig verständlich. Unsere Spezies bringt doch sehr häufig ungemein gefährliche Individuen hervor, Diktatoren oder Hausmeister, Terroristen oder unausgeschlafene und entsprechend griesgrämige Busfahrer.<br />Allerdings gibt es bei diesen gefährlichen Individuen – wenigstens meistens – klare Verhältnisse. Man weiß, woran man ist. Unter den Menschen tummelt sich aber eine Unterart, die eher insgeheim ihr Gift verspritzt.<br />Und wer ihnen bereits begegnet ist, der kann auch die vermeintliche Angst von Elefanten vor Mäusen nachvollziehen. Wir sprechen von den menschlichen Mäusen. Den Mäuschen. Mäuschen sind in der Regel weiblich. Es gibt sie natürlich auch unter den männlichen Vertretern unserer Art, aber das ist eher selten. Die wenigen, die es gibt, müssen noch ein bisschen üben. Mäuschen sind hochspezialisierte Wesen. Allein das Sprechen mit der sehr hohen, piepsigen Stimme fällt den Männern bisher nicht so leicht.<br />Wie definiert sich nun so ein Mäuschen? Mäuschen sind Schmarotzer, sie laben sich an der Zeit ihrer Mitmenschen, weil sie ständig Hilfe brauchen, wirklich gar nichts alleine können, absolut unselbstständig sind, völlig lebensunfähig. „Ohhhhhhh“, sagen sie dann, wobei sich ihre Stimme sensationell gekonnt zum hohen c'' aufschwingt, „daaaaaaas kaaaaaaaaaan iiiiich niiiiicht. Kaaaanst Duuuu miiiir dabeiiiiii heeeeeelfen?“<br />Und weil so ein Mäuschen gekonnt den Eindruck vermittelt, ein wirklich zerbrechliches kleines Sensibelchen zu sein, lässt man sich ohne groß nachzudenken hinreißen und hilft. Bei den einfachsten, alltäglichsten Dingen. Immer wieder. Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, ist man ständig dran, denn Mäuschen sind äußerst anhängliche Wesen. Sie lassen die Hand, die sie füttert, nur ungern wieder los.<br />Nicht zu verwechseln sind Mäuschen übrigens mit jenen Karrierefrauen, die zum Beispiel gerne mit hoher, piepsiger Stimme andere kritisieren, damit es nicht ganz so hart klingt, die aber eigentlich über Leichen gehen. Das ist noch mal eine ganz eigene Randgruppe. Die Mäuschen, die wir meinen, machen gemeinhin keine Karriere. Sie lassen höchstens Karriere machen. Sie instrumentalisieren ihre Mitmenschen. Ohne Absicht allerdings, und das ist das Besondere. Mäuschen sind fürchterlich harmlos, sie sind derart nett, dass es schmerzt.<br />Wer einmal ein solches Mäuschen kennen gelernt hat, der kennt die Gefahr, dem stehen die Nackenhaare zu Berge, bei dem verkrampft sich der Magen und der Angstschweiß tropft von der Stirn, wenn er nur von weitem den bedrohlichen Singsang hört. So jemand ergreift weiträumig die Flucht, denn einem Mäuschen die Hilfe zu verweigern, das ist nicht leicht. Das ist im Gegenteil äußerst schwer, denn wenn man nicht hilft, droht so einem zarten Geschöpf ja der Untergang. Etwa so, wie wenn man jemanden allein und mit verbundenen Augen im Moor zurücklässt.<br />Zumindest vermittelt ein Mäuschen diesen Eindruck mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Darum ist es auch so schwer, den Hilferuf eines Mäuschens zurückzuweisen. „Duuuuuuuuuuuuu, daaaaaaaaaaas kaaaaaanst duuuuu auuuuuch alleiiiine, du duuuummmmme Nuuuuuuusssssss“, möchte man eigentlich antworten. Doch dann müsste man die empörten Blicke der Mitmenschen aushalten. Wie kann man nur?<br />Sie ist doch so ein kleines, unsicheres, zartes Wesen...</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 12:29:00 +0100</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_03_2010.pdf" length ="125208" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Sport-Schminkerin</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////die-sport-schminkerin/</link>
			<description>Sport und Mord haben in der Regel nichts miteinander zu tun. Das ist nur so ein Gerücht. Eher im...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sport und Mord haben in der Regel nichts miteinander zu tun. Das ist nur so ein Gerücht. Eher im Gegenteil: Körperliche Ertüchtigung hält munter, fit und gesund. Sport ist nur Mord, wenn der eifrige Sportsfreund IHR begegnet: der (auf den ersten Blick durchaus sympathischen) Sport-Schminkerin. Derjenigen Sportsfreundin, die sämtliche Regeln der Körperhygiene ganz unkonventionell bricht. Und ihre sportliche Umwelt damit auf recht morbide Gedanken bringt.<br />Frisch, fromm, fröhlich, frei tänzelt sie in die karibisch klimatisierte Fitnesshalle, die gut gelaunte Sport-Schminkerin. Auf ihrem Antlitz leuchtet eine bunte Vielfalt kosmetischer Primär- und Sekundärfarben. Ihre Aura umhüllt eine nachhaltig duftende Odeur-Wolke.<br />Doppeldaumen hoch, möchte ich ihr in diesem Moment entgegen juchzen, der freundlichen Sport-Schminkerin. Sie beweist geruchsattraktive Grazie, selbst unter Extremstbedingungen.<br />Nun rackert sie sich bis zum körperlichen Exodus auf dem Elipsen-Trainer ab. Ihre Muskeln formt sie zielstrebig auf der Hantelbank. Der Schweiß fließt flussauf- und flussabwärts. Unermüdlich zieht sie ihre Bahnen auf dem Rudergerät. Mit letzter Kraft reduziert sie ihren Körperfettanteil auf dem Ergometer auf Kinderportion.<br />Bei Kilometer 10 auf dem Laufband jedoch schwappt eine erste geruchsintensive Welle zu mir herüber. Ich blicke in die schwarz-fleckigen Panda-Augen meiner sprintenden Mitstreiterin. Auf ihrer Nase bildet sich eine disharmonisch gescheckte Make-Up-Grundierung. Jetzt hat auch sie es im Spiegel bemerkt und entfleucht gleich darauf in Richtung Umkleidekabine, die erschöpfte und derangierte Sport-Schminkerin. Ein wenig desillusioniert gehe ich ihr nach – auch mein Tagewerk ist getan. Und wundere mich, als sie die auffällig positionierten Duschkabinen mit Nichtachtung straft, um sich gleich darauf verschwitzt und entsprechend geschmeidig zurück in ihre hautenge Alltagskluft zu pellen. Nun zückt sie ihr Deodorant aus der Tasche und schwenkt es ausschweifend, vernebelt ihre Achseln und alles, was sonst noch in der Nähe ist. Das reicht nicht, möchte man ihr zurufen. Das rächt sich! Mit einem Finger schiebt sie die bröselige Mascara zurück auf die Wimpern, die verschwitzte Sport-Schminkerin. Anschließend verwöhnt sie ihre nassen Rundungen mit einer großzügigen Brise ihres dezent mockernden Lieblingsparfums. Ein Schuss Haarlack in die verklebten Frisuren-Reste, ein schelmischer Blick zum recycelten Spiegelbild und fertig ist der neue, alte Look. Die Sport-Schminkerin hat eine Entscheidung getroffen, sie hat ihr aufwendiges Antlitz lieber restauriert, um sich nach der Dusche nicht von Grund auf neu erschaffen zu müssen.<br />Die unfreiwilligen Zeugen fragen sich in einer Mischung aus Verzweiflung und Atemlähmung: Warum nur dieses wasserresistente Verhalten,<br />Freundinnen der sportlichen Geruchsfairness? Das Duschen ist doch im Mitgliedsbeitrag enthalten! Nutzt dieses einladende Angebot der Turnhalle eures Vertrauens!<br />Vielleicht habt ihr eure Dusch-Schlappiletten zu Hause vergessen. Auch möglich, dass ihr und eure Nasszelle gleich um die Ecke wohnt. Aber wie bitte erklärt ihr das den Passanten, denen ihr auf dem Heimweg begegnet?<br />Ihr schwitzt von Natur aus nicht? Eure Schminke ist wasserfest? Das glauben wir euch gern, sofern ihr euer Training an der Fitness-Bar abgesessen habt. In allen anderen Fällen gilt: Die Schminke vor dem Training ist niemals identisch mit der Schminke nach dem Training. Und der Geruch ebenfalls nicht, da hilft auch keine Deo-Dusche. Schweiß gewinnt immer, meistens schon nach kurzer Zeit. Wehe, du setzt dich im Bus neben mich, verdammte Sport-Schminkerin! </p>
<p>Yvonne Haronska</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 12:29:00 +0100</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_02_2010.pdf" length ="494987" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Herausreder</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////herausreder/</link>
			<description>Manchmal baut man einfach Mist, verschläft irgendeinen Termin, verliert im Stress den Überblick,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal baut man einfach Mist, verschläft irgendeinen Termin, verliert im Stress den Überblick, vergisst den wichtigen Brief tagelang in der Handtasche, erinnert sich ein paar Wochen zu spät an den eigenen Hochzeitstag, lässt die Tickets auf dem Nachttisch liegen und dergleichen mehr. Das alles ist nicht schön, aber nicht zu ändern. Fehler passieren. Fehler sind menschlich. Da können die anderen, die außer einem selbst unter dem Fehler leiden, noch so sehr schimpfen, die Karre steckt sprichwörtlich im Dreck, man kann es nicht mehr ändern. Man kann sie im Zweifel mit vereinten Kräften wieder hinausziehen, das ist alles. Es nützt ja nichts, den Unglücksraben noch zusätzlich seinen Fehler immer und immer wieder aufs Butterbrot zu schmieren. Er hat es ja nicht extra gemacht. Zwar halten manche (vor allem Chefs) das Herumreiten auf solchen Fehlern für eine wertvolle pädagogische Maßnahme, um zu verhindern, dass der gleiche Fehler noch einmal geschieht, aber meistens führt so etwas nur zur Verunsicherung des Pechvogels. Am Ende macht er aus lauter Angst vor diesem einen speziellen Fehler an anderer Stelle einen viel schlimmeren. Fehler sind also gar nicht so tragisch – vorausgesetzt sie werden zugegeben.<br />Womit wir bei unserer Randgruppe in diesem Monat wären, nämlich den Herausredern. Herausreder reden sich heraus, sprich sie würden niemals einen Fehler zugeben. Da wird alles Mögliche an Ausreden bemüht, auch wenn sie noch so abwegig klingen. Kommen sie zu spät, wurden sie mindestens von Außerirdischen entführt. Gerne machen sie zudem andere für ihre Fehler verantwortlich. Bevorzugt auf der Arbeit. Solche Menschen sind, um es mal blumig auszudrücken, ein Furunkel am Arsch einer jeden Bürogemeinschaft.<br />Da wird der Brief eines wichtigen Kunden nicht beantwortet, weil er irgendwo unter einem Stapel anderer Papiere verschwunden ist. Und dann heißt es zuerst, man habe gedacht, die Kollegin solle ihn schreiben.<br />Und wenn das zu abwegig ist, weil dieser eine Kunde immer nur von dem einen Herausreder betreut worden ist, dann wird der Kollegin kurzerhand unterstellt, sie habe den wichtigen Brief mit Absicht unter dem Stapel verschwinden lassen. Fertig herausgeredet. Ganz egal, was der Chef nun mit der Kollegin anstellt, Hauptsache man muss nicht den eigenen Kopf hinhalten.<br />Herausreder gibt es in jeder gesellschaftlichen Schicht, gehäuft natürlich in der Politik, aber auch in allen anderen Berufen. Sie sitzen in Chefetagen, stehen am Band oder am Operationstisch. Herausreder haben nie, niemals Kaffee über den Kopierer gekippt, sie haben nie, niemals den Firmenwagen bis auf den letzten Tropfen leergefahren, sie haben nie, niemals das Fenster übers Wochenende offen gelassen und sind damit auch nie, niemals verantwortlich für die fünf geklauten Laptops, genauso haben sie nie, niemals mit der Praktikantin gevögelt und sie nie, niemals geschwängert.<br />Die besten Freunde des Herausreders sind übrigens die Heinzelmännchen.<br />Sie sind für all das verantwortlich, was der Herausreder niemals getan hat. Wahre Teufel müssen diese kleinen Kerle sein. Sie rauchen auf der Toilette, pinkeln im Stehen, surfen auf Pornoseiten im Netz und machen auch sonst allerlei krumme Dinger. Ja, ohne diese kleinen Biester wäre der Herausreder ganz schön aufgeschmissen. Am Ende müsste er womöglich zu seinen Fehlern stehen, und das geht ja gar nicht so ganz ohne Rückgrat. Ein solches besitzt der Herausreder nicht, und das ist sehr hilfreich. Wie ein Wurm kann er sich aus der Verantwortung schlängeln, wobei ihm völlig egal ist, wer auf seiner Schleimspur ausrutscht.</p>
<p>GAH</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 12:29:00 +0100</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_01_2010.pdf" length ="462669" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Problemmenschen</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////stadtkind-122009/</link>
			<description>Es gibt Menschen, die haben öfters mal ein bisschen Pech. Und wenn sie richtig Pech haben, haben...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Menschen, die haben öfters mal ein bisschen Pech. Und wenn sie richtig Pech haben, haben sie nicht einfach nur Pech, sondern zudem das Pech, dass sie mit ihrem Pech auch noch eindeutig unsympathischer dastehen als ein klassischer Pechvogel mit seinem. Ein Pechvogel ist bevorzugtes Opfer bei Fahrraddieben oder Autozerkratzern, hat ein unschönes Schlüsselerlebnis, nachdem er die Wohnungstür zugezogen hat, sperrt versehentlich seine EC-Karte und hat vielleicht nicht nur schon mal einen wichtigen Flieger verpasst, sondern auch die Chance, beim richtigen Partner zu landen. Die Liste wäre natürlich fortsetzbar – allerdings nicht beliebig. Wie bereits angedeutet: Pech ist nicht gleich Pech. Damit wären wir auch schon beim hauptsächlichen Problem unserer Randgruppenmitglieder angelangt. Natürlich ziehen auch die sich mit Vorliebe das zähe Schwarze an, sobald mal etwas nicht richtig läuft. Nur sieht das dann leider ziemlich billig aus. Problemmenschen sind ebenkeine Pechvögel.<br />Erzählt ein Pechvogel von seinem Pech, ist die Reaktion meist ein lautstarkes „Ach du scheeeiße!“, gefolgt von einem herzhaften Lachen, einem ungläubigen „Echt?“, einem mitleidvollen Blick mit grimassenhaften Zügen sowie einem erneut von Zwerchfell-Zuckungen begleiteten „Du hast aber auch wirklich die Scheiße an den Füßen“. Berichtet ein Problemmensch darüber, was ihm widerfahren ist, löst auch dies in erster Linie ein „Ach du scheiße“ aus. Ausgesprochen wird allerdings nur eins: „Hm.“<br />Der Grund für diese Zurückhaltung liegt in unserem sensiblen Gespür dafür, dass wir es hier nicht mit Pech, sondern mit einem Problem zutun haben. Über Probleme anderer mag man ja seine Scherze machen, aber doch nicht dann, wenn das Problem auch ganz schnell unser eigeneswerden könnte. Während Pechvögel oft Mitgefühl und Heiterkeit gleichermaßen auslösen, sorgt der Problemmensch lediglich für Unbehagen. Nicht, dass seine Geschichten nicht ähnlich spektakulär wären wie die des Pechvogels.<br />Nahezu unfassbar, wie er es geschafft hat, sich trotz extra hoher Schlappensohle, intensivster Nutzung der Desinfektionsdusche und peinlichst genauer Einhaltung des Von-der-Schlappe-ins-Handtuch-in-die-Sockein-den-Schuh-Prinzips, vom Schwimmbad einen hartnäckigen Fußpilz mit nach Hause zu nehmen. Aber nur, weil es ihm scheinbar nicht nur auf der Sohle, sondern seit Wochen auch auf der Seele brennt, werden wir noch lange nicht begeistert an seinen Lippen hängen – zumal wir mit unseren Füßen schon öfter, und just auch in diesem Moment wieder, mit auf seinem Handtuch hängen. Unseren langjährigen Saunapartner scheint zumindest dies nicht zu jucken. Im Gegenteil. Ungeniert fährt er fort, dass er sich jüngst dann auch noch einen ziemlich fiesen Wurm eingefangen habe. Schon sehen wir uns gedanklich in einem ätzenden Säure-Sitzbad hocken, um unseren Allerwertesten einer vorsorglichen Wurm-Kur zu unterziehen, da kommt endlich der befreiende Zusatz: Was hier im Arsch ist, ist einzig und allein ein Rechner. Er sei eben schlichtweg einem Trojanischen Pferdchen aufgesessen.<br />Dass uns nun dennoch siedendheiß wird, liegt weniger am neuen Aufguss, als daran, dass uns etwas einfällt: Unser Laptop – wem hatten wirden neulich noch mal geliehen...? Problemmensch hin oder her, nunwerden wir dann doch mal etwas laut: „Ach DU Scheiße!“</p>
<p>Manuela Sender</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 12:29:00 +0100</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_12_2009.pdf" length ="441213" type="" />
		</item>
		
		<item>
			<title>Wackel-Mädchen</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/kategorie/randgruppenbeleidigung/datum////wackel-maedchen/</link>
			<description>Hat sie einfach einen Haltungsschaden? Oder sich den Fuß verstaucht? Oder gerade eine schlimme...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hat sie einfach einen Haltungsschaden? Oder sich den Fuß verstaucht? Oder gerade eine schlimme Hüft-OP hinter sich? Die Arme! Die hat es nun wirklich nicht leicht. So unsicher auf den Beinen. Und noch so jung. Da kommt man sich mit dem eigenen kleinen Bandscheibenvorfall ja fast schäbig vor.<br />So geht es einem durch den Kopf, während man die junge Dame beobachtet. Sie kommt näher. Mühsam, unsicher torkelnd. Hoffentlich fällt sie nicht hin, denkt man. Der Erste-Hilfe-Kurs ist schon so lange her.<br />Oder ist sie am Ende einfach völlig betrunken? Langsam erkennt man mehr. Sie steckt in einer hautengen Jeans, die ein oder zwei Nummern zu klein geraten ist. Die Jacke ist weiß und mit bunten Pailletten besetzt, das T-Shirt ist zu kurz für diese Jahreszeit und zeigt den Bauch. Der ist vorhanden. Und über dem Saum ihrer Hose wölbt sich leicht das Hüftgold. Kein Haltungsschaden. Ganz umsonst all das Mitleid. Auch kein Alkoholproblem. Man ist wieder mal drauf reingefallen. Es naht ein Wackel-Mädchen.<br />Warum, denkt man. Warum tust du dir das an, liebes Wackel-Mädchen?<br />Wer zwingt dich, deinen unförmigen Körper in zu kleine Kleidung zu zwängen, und vor allem, wer hat dir diese hochhackigen Stiefel verkauft? Nein, sie ist nicht dick. Sie ist hoch gewachsen und stämmig. Sie hat einfach ein paar Kilo zu viel. Sie ist eines von diesen neuen Riesen-Mädchen, die man jetzt überall sieht. Vielleicht liegt es am Fast-Food, vielleicht ist es einfach Evolution. Ihre Beine sind lang und kräftig, der Oberkörper dagegen ein bisschen kurz. Warum trägt sie nicht einfach Turnschuhe? Das Leben wäre doch viel einfacher. Sie könnte normal gehen, springen, tanzen. Mit diesen hochhackigen Stiefeln wird jede Bewegung zur artistischen Höchstleistung und der Bürgersteig zum Drahtseil. Bei jedem Schritt knickt sie ein bisschen zur Seite. Kann das denn auf Dauer gesund sein? Was sagen eigentlich die Krankenkassen dazu? Und wer hat ihr gesagt, dass diese Stiefel zu ihr passen, dass sie schön sind, dass sie damit attraktiver wirkt? Das muss ein durch und durch böser Mensch gewesen sein.<br />Ein großes Pferd sollte man mit großen Hufeisen beschlagen, dann kann auch ein großes Pferd sehr elegant galoppieren. Unser Wackel-Mädchen kämpft bei jedem Schritt um Haltung. Welche Fernsehshow kann man jetzt dafür verantwortlich machen? Oder stand am Ende in der Bild, dass 17- oder 18-jährige Mädchen ab 1,85 m mit Babyspeck jetzt unbedingt enge Jeans und hochhackige Stiefel tragen müssen? Verwundert bleibt man stehen und starrt das Wackel-Mädchen an. Und das Wackel-Mädchen bemerkt den Blick, lächelt hochmütig, wirft dabei lässig die Haare zurück und stakst vorbei. Ist man nun unfreiwillig zum Teil ihres großen Irrtums geworden? Hat sie diesen Blick als Kompliment interpretiert? Das kann, das darf nicht sein!<br />„He, Wackel-Mädchen! Ja, du! Weißt du eigentlich, dass du total bescheuert aussiehst, mit diesen Stiefeln? Du wankst wie auf Stelzen. Als hättest du 10 Liter Wodka intus. Kauf dir mal besser Turnschuhe. Und schenk die Stiefel lieber deiner kleinen Schwester. Falls die nicht auch zur Fraktion der Riesen-Mädchen gehört“, ruft man und macht sich gemütlich aus dem Staub. Einen Vorteil hat diese Mode ja: Sie holen dich niemals ein, diese Wackel-Mädchen. <br />GAH</p>]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 08:49:00 +0100</pubDate>
			<enclosure url="http://www.bw-h.de/uploads/media/randgruppen_11_2009.pdf" length ="821789" type="" />
		</item>
		
	</channel>
</rss>