STADT­KIND Han­no­ver - Rand­grup­pen­be­lei­di­gung

Wackel-Mädchen

Hat sie einfach einen Haltungsschaden? Oder sich den Fuß verstaucht? Oder gerade eine schlimme Hüft-OP hinter sich? Die Arme! Die hat es nun wirklich nicht leicht. So unsicher auf den Beinen. Und noch so jung. Da kommt man sich mit dem eigenen kleinen Bandscheibenvorfall ja fast schäbig vor.
So geht es einem durch den Kopf, während man die junge Dame beobachtet. Sie kommt näher. Mühsam, unsicher torkelnd. Hoffentlich fällt sie nicht hin, denkt man. Der Erste-Hilfe-Kurs ist schon so lange her.
Oder ist sie am Ende einfach völlig betrunken? Langsam erkennt man mehr. Sie steckt in einer hautengen Jeans, die ein oder zwei Nummern zu klein geraten ist. Die Jacke ist weiß und mit bunten Pailletten besetzt, das T-Shirt ist zu kurz für diese Jahreszeit und zeigt den Bauch. Der ist vorhanden. Und über dem Saum ihrer Hose wölbt sich leicht das Hüftgold. Kein Haltungsschaden. Ganz umsonst all das Mitleid. Auch kein Alkoholproblem. Man ist wieder mal drauf reingefallen. Es naht ein Wackel-Mädchen.
Warum, denkt man. Warum tust du dir das an, liebes Wackel-Mädchen?
Wer zwingt dich, deinen unförmigen Körper in zu kleine Kleidung zu zwängen, und vor allem, wer hat dir diese hochhackigen Stiefel verkauft? Nein, sie ist nicht dick. Sie ist hoch gewachsen und stämmig. Sie hat einfach ein paar Kilo zu viel. Sie ist eines von diesen neuen Riesen-Mädchen, die man jetzt überall sieht. Vielleicht liegt es am Fast-Food, vielleicht ist es einfach Evolution. Ihre Beine sind lang und kräftig, der Oberkörper dagegen ein bisschen kurz. Warum trägt sie nicht einfach Turnschuhe? Das Leben wäre doch viel einfacher. Sie könnte normal gehen, springen, tanzen. Mit diesen hochhackigen Stiefeln wird jede Bewegung zur artistischen Höchstleistung und der Bürgersteig zum Drahtseil. Bei jedem Schritt knickt sie ein bisschen zur Seite. Kann das denn auf Dauer gesund sein? Was sagen eigentlich die Krankenkassen dazu? Und wer hat ihr gesagt, dass diese Stiefel zu ihr passen, dass sie schön sind, dass sie damit attraktiver wirkt? Das muss ein durch und durch böser Mensch gewesen sein.
Ein großes Pferd sollte man mit großen Hufeisen beschlagen, dann kann auch ein großes Pferd sehr elegant galoppieren. Unser Wackel-Mädchen kämpft bei jedem Schritt um Haltung. Welche Fernsehshow kann man jetzt dafür verantwortlich machen? Oder stand am Ende in der Bild, dass 17- oder 18-jährige Mädchen ab 1,85 m mit Babyspeck jetzt unbedingt enge Jeans und hochhackige Stiefel tragen müssen? Verwundert bleibt man stehen und starrt das Wackel-Mädchen an. Und das Wackel-Mädchen bemerkt den Blick, lächelt hochmütig, wirft dabei lässig die Haare zurück und stakst vorbei. Ist man nun unfreiwillig zum Teil ihres großen Irrtums geworden? Hat sie diesen Blick als Kompliment interpretiert? Das kann, das darf nicht sein!
„He, Wackel-Mädchen! Ja, du! Weißt du eigentlich, dass du total bescheuert aussiehst, mit diesen Stiefeln? Du wankst wie auf Stelzen. Als hättest du 10 Liter Wodka intus. Kauf dir mal besser Turnschuhe. Und schenk die Stiefel lieber deiner kleinen Schwester. Falls die nicht auch zur Fraktion der Riesen-Mädchen gehört“, ruft man und macht sich gemütlich aus dem Staub. Einen Vorteil hat diese Mode ja: Sie holen dich niemals ein, diese Wackel-Mädchen.
GAH


<- Zu­rück zu: Le­se­pro­ben
Schnellkontakt

Haben Sie Fragen?
Rufen Sie uns an,
wir freuen uns darauf.
Telefonnummer:
0511 94670-0

Ansprechpartner >

Downloads

Hilfestellungen fürs Zusammenarbeiten und
Informatives über BWH auf einen Blick.

mehr >

Demoversion

Testen Sie noir.now als Demoversion jetzt!

Sie haben keinen Benutzerzugang?
Gerne wird Ihnen Herr Pahl weiterhelfen.