STADT­KIND Han­no­ver - Rand­grup­pen­be­lei­di­gung

Verantwortungslose Hausbesitzer

Auf dem Dorf ist es ganz leicht, die schwarzen Schafe zu identifizieren. Da sind die Grundstücke klar voneinander getrennt, und so weiß ein jeder, welcher Bürgersteig zu wem gehört. Wer seinen Teil nicht regelmäßig fegt, der fällt irgendwann auf und steht alsbald am Pranger der dörflichen Gemeinschaft. Und wer seinen Vorgarten nicht sauber hält, der kann sich erst recht auf was gefasst machen. Schon bald werden die Kinder nicht mehr zum Spielen abgeholt und bei nachbarschaftlichen Aktivitäten (gemeinsames Kränzen zur Silberhochzeit) wartet man vergeblich auf die Einladung.
Dieses System der gesellschaftlichen Ächtung mag zwar ein bisschen fragwürdig sein, doch immerhin sorgt es für saubere Bürgersteige und Vorgärten. Und das ist, wie jeder weiß, ungemein wichtig, denn nur in einer aufgeräumten Umgebung hat der menschliche Geist Platz für saubere Gedanken. Im Chaos entsteht dagegen selten Glanzvolles.
In der Stadt ist das alles nun nicht ganz so einfach. Da gibt es zwar ebenfalls Häuser mit dazugehörigen Bürgersteigen und manchmal sogar Vorgärten, aber wem in den Straßen Hannovers was gehört, das weiß niemand so ganz genau.
Da wohnen die Menschen zur Miete und der Hausbesitzer sitzt irgendwo weit weg in seinem Garten in der Wedemark. Die Stadtreinigung wird es schon richten. Schlussendlich bedeutet das: Chaos auf den Bürgersteigen, nicht nur in diesen Tagen mit Rollsplitt, Silvester-Resten und aufgetauter Hundescheiße. Dem strengen und schneereichen Winter ist es zu verdanken, dass wir sie nun kennen, die verantwortungslosen Hausbesitzer in Hannover (und darüber nachdenken, demnächst online eine Liste dieser schwarzen Schafe zu veröffentlichen).
Ganz unfreiwillig haben sie sich geoutet. Denn es gibt natürlich auch die anderen, die vorbildlichen Eigentümer. Jene Menschen, die morgens mit dem ersten Vogelgezwitscher aus den Federn sind, während der kalten, verschneiten Tage, und sich schon um halb sechs an ihre Bürgersteige gemacht haben. Ein liebliches Geräusch für alle Sauberkeit und Ordnung liebenden Bürger, dieses morgendliche Kratzen und Schaben. Ganz wunderbar, der sichere Schritt hinaus auf einen von Schnee, Eis und Unrat befreiten Gehweg. Fürchterlich und gefährlich dann der harte Übergang auf den benachbarten Abschnitt. Für saubere Kanten haben die weißen Schafe gesorgt, für klare Linien, manchmal millimetergenau gezogen, eine gleichsam anklagende Gerade von der Hauswand zur Straße, auf der einen Seite reiner Asphalt, sauberes Pflaster, auf der anderen das weiß-gräuliche Chaos.
So konnte man durch die Straßen der Stadt gehen und die Spreu vom Weizen trennen. Hier die Tugendhaften, die noch daran glauben, dass Eigentum verpflichtet, dort die Fraktion der Verantwortungslosen, die lieber in der Wedemark sitzen und Kaffee trinken, während die Miete auf dem Konto klingelt und unbescholtene Bürger sich die Hachsen brechen. Infam ihre Erklärungsversuche und Ausflüchte: „Es ist doch viel schöner, wenn der Schnee liegen bleibt und die Eltern mit ihren Kindern und dem Schlitten unterwegs sein können, ohne ständig absteigen zu müssen.“
Nicht mit uns! Schlitten gehören in den Deister und nicht auf den Gehweg und Kinder sollten sowieso nicht auf der Straße spielen. Und um gleich mal für den Frühling und den Sommer vorzusorgen: Auch heimische Kräuter und Pflanzen haben auf dem Bürgersteig nichts zu suchen. Dafür gibt es in Hannover genug Grünflächen, die für solchen Bewuchs vorgesehen sind. Denkt nach, rufen wir hiermit allen verantwortungslosen Hausbesitzern zu: Verschmutzte Gehwege mit Löwenzahn sind die Pilgerpfade der Anarchisten! GAH


<- Zu­rück zu: Le­se­pro­ben
Schnellkontakt

Haben Sie Fragen?
Rufen Sie uns an,
wir freuen uns darauf.
Telefonnummer:
0511 94670-0

Ansprechpartner >

Downloads

Hilfestellungen fürs Zusammenarbeiten und
Informatives über BWH auf einen Blick.

mehr >

Demoversion

Testen Sie noir.now als Demoversion jetzt!

Sie haben keinen Benutzerzugang?
Gerne wird Ihnen Herr Pahl weiterhelfen.