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		<lastBuildDate>Fri, 01 Apr 2011 08:00:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Vollzeitpazifisten</title>
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			<description>Pazifisten sind ganz grundsätzlich wirklich sympathische Zeitgenossen. Sie lehnen jede Form von...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Pazifisten sind ganz grundsätzlich wirklich sympathische Zeitgenossen. Sie lehnen jede Form von Gewaltanwendung ab. Keine bewaffneten Konflikte, kein Krieg, keine Gewalt, ganz egal, was auch passiert. Denn Gewalt produziert immer nur noch mehr Gewalt. Diese Maxime von der Gewaltlosigkeit entbehrt nicht einer gewissen Logik. Würden sich alle Menschen daran halten, dann könnten wir tatsächlich die Waffen verschrotten und herrlich und in Freuden gemeinsam zusammenleben.<br />Nun ist das aber mit der Gewalt so eine Sache bei den Menschen. Erstens gibt es einfach noch zu viele unter uns, die gerne mal einem anderen ganz direkt den Schädel einschlagen. Und zweitens gibt es Formen von indirekter Gewalt, die gerne vergessen oder verdrängt werden, und damit wird der Pazifismus dann manchmal zu einer ziemlich verlogenen Veranstaltung, zum sturen Vollzeitpazifismus.<br />Pazifisten haben es nicht leicht, wenn man ihnen mit dem Argument kommt, dass es Situationen gibt, die es notwendig machen, ein Opfer zu verteidigen. Generationen von Kriegsdienstverweigerern können ein Lied von dieser Argumentation singen. Was machst du, wenn du mit deiner Freundin im Wald spazieren gehst, und dann kommt jemand mit einer Axt hinter einem Baum hervor, und will deiner Freundin an den Kragen? <br />Es blieben einem eigentlich immer nur höchst theoretische Gegenreden von einer Welt, in der sich jeder an die Maxime der Gewaltlosigkeit hält und in der nebenbei und vielleicht genau darum alle Menschen glücklich und zufrieden sind, sodass es diesen Menschen mit der Axt gar nicht geben kann. Dann kam immer der Einwand von der Realität und was man denn tun wolle, bis so eine Welt mal existieren würde. Nicht im Wald spazieren gehen, war wohl die häufigste Antwort. Manchmal hat diese Argumentation damals funktioniert, manchmal nicht. Heute kann sie nicht mehr funktionieren, denn inzwischen haben wir uns allesamt in dem Wald verlaufen, und gleichzeitig sind dort all die Axtmörder unterwegs, denen wir die Äxte verkauft haben.<br />Womit wir bei der indirekten Gewalt wären. Wir üben sie tagtäglich aus. Es ist momentan vollkommen unmöglich, in einer westlichen Demokratie zu leben, ohne Teil (und Auslöser) der Konflikte in der Welt zu sein. Machen wir uns nichts vor, man kann sich zwar alle Mühe geben, aber spätestens, wenn man sein Auto tankt, hat man sich schon beteiligt. Es war und ist ja auch Gaddafis Öl. Unser Konsum, unser Wohlstand, erzeugt in vielen anderen Ländern Armut und füllt einigen Wenigen die Taschen.<br />Es ist eben viel einfacher, einen Diktator reich und stark zu machen, als ein ganzes Volk satt. Das ist kein großes Geheimnis. Wir mögen unsere Nahrung und unser Öl gerne billig und verkaufen gerne unsere Waffen. Deutschland hat seine Rüstungsexporte in den Jahren 2005 bis 2009 im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2004 verdoppelt.<br />Wir hängen einfach mit drin. Wenn nun in der Welt das System aus den Fugen gerät, wenn sich Völker gegen ihre Unterdrücker richten, dann haben wir die Chance, ja sogar die Verpflichtung, wenn nötig auch mit Waffengewalt, unseren Beitrag zu leisten und wenigstens teilweise zu korrigieren, was wir angerichtet haben. Wer das verweigert, der ist kein Pazifist, sondern auf mindestens einem Auge blind, der ist kein Friedensfreund, sondern vielmehr ein Zyniker. Es ist unglaublich einfach, in Deutschland prinzipiell gegen Gewalt zu sein. Im sicheren Wohnzimmer und mit vollem Magen kann man ganz wunderbar für den Frieden eintreten. Quasi mit Sicherheitsabstand.<br />Diskutieren, auf die Ausschöpfung aller diplomatischen Möglichkeiten pochen, weiter diskutieren, vielleicht Sanktionen fordern, aber bitte nicht mit Gewalt eingreifen. Als Vollzeitpazifist ist man ja moralisch immer auf der vermeintlich richtigen Seite. Das macht schon Spaß. Doch ein winzig kleiner Schuss Realismus sollte bei all dem dann doch dabei sein, oder nicht? Wenn die eine Seite nicht zuhört, nicht diskutiert, sondern einfach weiter auf den Schwächeren einschlägt, dann muss man irgendwann dem Stärkeren in den Arm greifen, ehe es den Schwächeren nicht mehr gibt. Dann muss man bereit<br />sein, den moralischen Elfenbeinturm zu verlassen, der ohnehin jede Menge Kratzer hat. Dass es in der Welt gerade an vielen Stellen brennt, daran sind wir, wie gesagt, nicht ganz unschuldig. Wir haben jahrelang Holz aufs Feuer geworfen. Pazifismus sollte an genau diesem Punkt einsetzen, bei der Frage, wie wir es jetzt und in Zukunft hinbekommen, nicht mehr mit drinzuhängen. Wo bleibt der Ruf der Friedensbewegung, über unseren Konsum nachzudenken, über unsere Verwicklungen in der Welt, unseren Anteil am Desaster? Das wäre gelebter, ehrlicher Pazifismus. Sich abzuwenden, wenn es bereits lichterloh brennt, ist dagegen ausgesprochen gewalttätig, sturer Vollzeitpazifismus und ganz schlicht unterlassene Hilfeleistung.<br />Es bleibt richtig, für den Frieden einzutreten, es bleibt richtig, Kriege unter allen Umständen zu vermeiden.<br />Aber es gibt Situationen, da bleibt uns gerade offensichtlich einfach keine Wahl, da bleibt nur die letzte Option, beispielsweise wenn es darum geht, ein Volk gegen seinen durchgedrehten Diktator zu schützen. Genau dann muss der Pazifismus einen Moment lang Pause machen.<br />Genau dann muss der Vollzeitpazifist für einen Augenblick zum Realisten werden.]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 08:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Grabscher</title>
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			<description>Der wohl prominenteste Vertreter der Randgruppe der Grabscher ist gerade aus traurigem Anlass...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Der wohl prominenteste Vertreter der Randgruppe der Grabscher ist gerade aus traurigem Anlass zurückgetreten. Thomas Gottschalk hat bei „Wetten, dass…!“ seinen Hut genommen, nach dem Unfall von Samuel Koch. Ein großer und weiser Schritt des Moderators, der Anerkennung verdient.<br />Doch was wird nun aus all den Grabschern, denen Gottschalk jahrelang eine stete Inspiration war? Er war der König der Grabscher. Er hat das Grabschen in Deutschland erst zu dem gemacht, was es heute ist, er hat die Grabscherei salonfähig gemacht. Nur ganz entfernt erinnern wir uns noch an jene Zeiten, als der<br />Berührung anderer Menschen, soweit nicht gewünscht, der Geruch der sexuellen Belästigung anhaftete. Distanzlos, ja sexistisch nannte man damals Menschen, größtenteils Herren, die gerne mal Hand anlegten. <br />Heute und zuallererst durch Thomas Gottschalk gilt die Grabscherei dagegen eher als freundliche Geste. Das ist ein Verdienst dieses größten aller Moderatoren, von dem augenblicklich kaum jemand spricht. Er hat es uns allen gezeigt, Grabschen ist kein Problem, wenn man dabei nur freundlich lächelt und während der Grabscherei die Notwendigkeit der Berührung unaufhörlich plaudernd begründet.<br />Ein T-Shirt, das nicht richtig sitzt, ein imaginärer Fleck, ein besonders roter Nagellack auf einem Zehnagel, der natürlich genauer begutachtet werden musste, Gottschalk war eigentlich alles recht, um „mal anzufassen“. Natürlich hatte er bei all dem nie, wirklich niemals Hintergedanken. <br />All das waren immer nur väterliche (bei eher jungen weiblichen Gästen) oder freundschaftliche (bei eher älteren weiblichen Gästen) Annäherungen. Letztlich vielleicht auch nur, um seinen Gästen die Nervosität zu nehmen, um ihnen auch körperlich zu zeigen: Ich bin in eurer Nähe, euch kann nichts passieren.<br />Schade eigentlich, dass er die Männer nie so uneigennützig unterstützt hat. Einer ganzen Gemeinde von Grabschern hat Gottschalk mit all dem Rückhalt gegeben. Wenn der damit durchkommt, junge Dinger anzugrabschen, während ihm dabei so ca. 12 Millionen Menschen zusehen, ohne ihm das wirklich krumm zu nehmen, dann könnte man ja auch mal der Praktikantin freundschaftlich den Arm um die Schulter legen. Warum eigentlich nicht? Man muss ihr dabei ja nur erzählen, dass es bei dieser Berührung genau wie bei Gottschalk nicht um Sexuelles geht, sondern um Freundschaft. Du, liebe Praktikantin, bist nett und fleißig, das verdient Anerkennung, und ich zeige dir jetzt meine Sympathie, indem ich den Fussel auf deinem T-Shirt nicht nur bemerke, sondern auch aktiv an seiner Beseitigung mitwirke. Also keine Sorge, ich denke später in meinem Kämmerlein nicht heimlich an deine Brustwarze, die ich dabei zufällig streife. Ehrlich nicht. Ich bin ein Mann, natürlich, aber ich bin selbstverständlich nicht so ein Mann. Grabscherei ist ja vornehmlich Männersache, Frauen grabschen eher seltener, und wir behaupten mal, meistens geht es dann wirklich nur um einen Fussel. Grabscherei ist oft nicht nur Männersache, sondern sogar Chefsache. Denn als Chef fällt die Rechtfertigung natürlich noch leichter. <br />Hör mal, ich bin 52, und es gibt ja wohl keinen Zweifel daran, dass jemand in meinem Alter und meiner Position es nicht nötig hat, später im Kämmerlein an die Brustwarze einer 22-Jährigen zu denken, also ist meine Grabscherei eine rein freundschaftliche Geste – und deswegen streichle ich dir jetzt auch gleich noch freundschaftlich über deinen kleinen Knackarsch. Hör mal, ich bin der bekannteste deutsche TV-Moderator und deswegen gibt es ja wohl keinen Zweifel daran, dass ich einfach nur wirklich total nett bin, ganz ohne Hintergedanken, und deswegen muss ich jetzt einfach mal prüfen, ob dein Kleid hinten richtig sitzt. Das klingt doch ganz ähnlich. Doch nun ist das schöne Leben für die Grabscher wohl vorbei, Gottschalk wird sich in die rein private Grabscherei zurückziehen und überlässt all die sabbernden Fummler mit der Schulmädchen-Pornosammlung auf dem PC ihrem Schicksal.<br />Das ist nicht schön für die Gemeinde der Grabscher, das ist eher der Super-GAU. Am Ende wird die Praktikantin mit den niedlichen Zöpfen und dem kurzen Sommerröckchen demnächst alles total missverstehen. Wo man doch nur mal fühlen wollte, ob sie an den nackten Beinchen nicht friert, die arme Kleine…]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 08:00:00 +0100</pubDate>
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			<title>Netzwerker</title>
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			<description>Netzwerken, das ist ja schon seit Jahren angeblich die große Geheimwaffe in Sachen geschäftlicher...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Netzwerken, das ist ja schon seit Jahren angeblich die große Geheimwaffe in Sachen geschäftlicher Erfolg. Genau aus diesem Grund gibt es die zahlreichen Netzwerke im Internet und die verschiedensten Vereinigungen in der handfesten, wirklichen Welt, in denen sich „Entscheider“ auch in Hannover versammeln, um sich persönlich kennenzulernen und im Idealfall Geschäfte miteinander zu verabreden. Man trifft sich irgendwo, isst gutes Essen, trinkt, aber bitte nicht zu viel, ist gemeinsam unglaublich wichtig, und drückt sich am Ende gegenseitig Visitenkarten in die Hand. Willkommen in der Welt der Netzwerker.<br />Dabei hat die ganze Geschichte einen großen Haken und der ergibt sich eigentlich aus der Logik des Kapitalismus. Wer geschäftlich erfolgreich ist, ein gutes Produkt herstellt, eine sinnvolle Dienstleistung anbietet, der muss sich um potenzielle Kunden keine Sorgen machen, denn die kommen von ganz allein. Wer allerdings nicht viel zu bieten hat, so mittelmäßig vor sich hin dümpelt, mehr schlecht als recht die Chose am Laufen hält, der ist (ohne dass wir unserem Stadtkind-Chef zu nahe treten wollen) auf Netzwerke angewiesen, damit sich überhaupt mal wieder jemand für sein Unternehmen interessiert. <br />Und damit sind Netzwerktreffen im Grunde Versammlungen der unternehmerischen Unterschicht, ein Treffen der Rohrkrepierer. Es wird höchste Zeit, endlich mit dem Märchen von der erfolgreichen Netzwerkerei aufzuräumen, auch um weiteren wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden.<br />Es soll nämlich vorgekommen sein in den letzten Jahren, dass sich hin und wieder auch erfolgreiche Unternehmer unter das Volk der Netzwerker gemischt haben, weil sie dachten, dass an der Sache vielleicht was dran wäre, und mit diesen Treffen dann so viel Zeit vertrödelt haben, dass das Kerngeschäft gelitten hat. <br />Damit muss jetzt Schluss sein! Ihr lieben erfolgreichen Unternehmer, geht nicht zu diesen Treffen! Es ist pure Zeitverschwendung! Noch nie hat eine Verbindung aus dieser Netzwerkerei einem Unternehmen entscheidende Vorteile gebracht. Was klar ist. Wenn Mittelmaß miteinander Geschäfte macht, dann sind die Erträge natürlich auch nur mittelmäßig. Es muss in Deutschland sehr viele Rohrkrepierer geben, denn die Netzwerktreffen sind noch immer gut besucht. Wir können an dieser Stelle nur davor warnen. Man kann das machen, so als Sozialstudie, aber nicht aus geschäftlichen Erwägungen.<br />So eine Studie würde dann ein paar desillusionierende Erkenntnisse bringen: Je lauter der Auftritt des Geschäftsmannes, desto schlechter die Bilanz. Je teurer die Garderobe, desto größer das Minus auf dem Konto. Je protziger der Wagen vor der Tür, desto kleiner das Portemonnaie in der Tasche. Man kann es sich wirklich sparen. Das sind alles Blender. Das sind keine Geschäftsmänner, das sind alles Geschäftsmäuse. Oder es sind selbstständige Versicherungsvertreter mit dem vorbereiteten Vertrag in der Tasche. Wem man da so gegenübersteht, das weiß man ja erst, wenn man irgendwann die Visitenkarte in der Hand hat. Und dann ist es meistens zu spät, dann hat man schon seine Zeit verschwendet.<br />Wie soll man denn auf so einem Netzwerktreffen überhaupt genau jene Menschen treffen, die man eigentlich treffen möchte und sollte? Gut, man könnte vorher die Gästeliste googeln und sich die Gesichter einprägen, aber wer hat dazu schon Zeit? Eben! Erfolglose Unternehmer und selbstständige Versicherungsvertreter. Alle anderen sind mit ihren vollen Auftragsbüchern beschäftigt. Es gibt übrigens neben der Wichtigtuerei noch ein anderes Merkmal, an dem man die Fast-Insolventen erkennt. Sie haben die größten Visitenkartenstapel dabei und drücken einfach jedem eine Karte in die Hand, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Fazit: Netzwerktreffen sind nur was für verzweifelte Unternehmer-Zwerge. Aber gut, sollen sie dort ihre „Geschäfte“ machen, wenn es hilft, die Pleite noch mal für ein Jahr abzuwenden, soll es uns recht sein.<br />Wer es partout nicht lassen kann, der sollte hingehen, aber dann aus Gründen der Zeitersparnis ganz schnell alle Visitenkarten einsammeln und wieder verschwinden. Das reicht. Bitte keine langen Gespräche mit selbstständigen Versicherungsvertretern.<br />Im Grunde braucht es überhaupt keine Netzwerktreffen. Man könnte auch einfach in jeder Stadt einen Briefkasten aufstellen, in den die Bedürftigen und Notleidenden ihre Visitenkartenstapel einwerfen. Und irgendjemand schickt dann jeweils einen Stapel an all die Adressen. Moment, das könnte eine Geschäftsidee sein. Vielleicht sollte ich unserem Chef davon erzählen. Aber der hat ja gerade wieder einen wichtigen „Geschäftstermin“.]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 08:00:00 +0100</pubDate>
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			<title>Hyperaktive</title>
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			<description>Jetzt beleidigen wir sogar schon Kranke. Ja, wir geben es zu. Wir haben ehrlich alles versucht,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Jetzt beleidigen wir sogar schon Kranke. Ja, wir geben es zu. Wir haben ehrlich alles versucht, damit es gar nicht erst dazu kommt, haben uns eingeredet, dass es auch so geht, dass wir das irgendwie anders hinkriegen. Hat leider alles nichts geholfen. Unsere Gedanken haben sich immer wieder und ausschließlich um das Eine gedreht. Wie ein Schmutzgeier um das Aas sind sie drumherum geflogen. Wie ein, nennen wir es mal, Zwang. Das trifft es sogar ziemlich genau. Uns waren förmlich die Hände gebunden. Natürlich nur im wörtlichen Sinne. Niemand hat uns zu etwas gezwungen, hat uns Fesseln angelegt. Zumindest nicht in diesem Fall. <br />Trotzdem konnten wir gar nicht anders. Es hat uns magisch angezogen. Wir können hier ruhig von Trieben sprechen. Es kann ja nur an den Trieben liegen. Ein übermächtiges Gefühl, ein gefährlicher Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Und wenn man dann so unter Druck steht wie wir, so unglaublich unter Druck, wenn man weiß, dass jetzt was passieren muss, bevor es total in die Hose geht, dann gibt man sich letztlich den Trieben hin. Das soll gar keine Entschuldigung sein, so einfach geht das natürlich nicht. Und wir können natürlich auch verstehen, wenn der ein oder andere sich verletzt fühlt. Wut, Enttäuschung, die ganze Palette, das bleibt uns wohl leider nicht erspart. Überhaupt ist's mit Sparen schwierig. Das kostet alles ein Schweinegeld. Wenn man das regelmäßig macht, oder bleiben wir mal bei machen muss, dann läppert sich das aber gewaltig. Normal ist das alles sicherlich nicht. <br />Wobei sich auch die Frage stellt, wo da genau die Grenzen liegen zwischen normal und abnormal. Das muss man sich ja bei allem fragen. Die Hyperaktiven, um die es hier geht, sind jedenfalls definitiv nicht normal. Das würde jede Krankenkasse, jede Private Krankenversicherung ohne weiteres unterschreiben. Natürlich nur, solange die Unterschrift nicht die Kostenübernahme besiegelt. <br />So einfach geht das dann wieder nicht. Bezahlt werden kann ja tatsächlich nur das, was medizinisch notwendig ist. Das Problem, das unsere Hyperaktiven haben, hat sicher auch mit Not zu tun. Aber ob es auch eine Krankheit ist, da scheiden sich noch die Geister. Böse Zungen behaupten ja, es sei nur eine billige Ausrede. Wir glauben das, unter uns gesagt, auch. Alles nur eine plumpe Lüge.<br />Jetzt bezichtigen wir „Kranke“ sogar schon als Lügner. Ja, wir geben es zu. Wir haben ehrlich alles versucht, damit es gar nicht erst dazu kommt... Aber der Druck, der leidige Druck! Irgendwie muss man die Not schließlich lindern, muss zwanghaft all die Löcher stopfen. Man rutscht da irgendwie so rein, versucht, das Beste daraus zu machen, zu einem gewissen Punkt zu kommen, der allen Beteiligten unterm Strich Befriedigung verschafft, in erster Linie natürlich einem selbst. <br />Bei den Hyperaktiven ist das auch so. Im Grunde sind das egoistische Schweine, wie wir alle hin und wieder. Nur dass sie noch größere Schweine sind. Aber so etwas, so einen dreisten Vorwurf, ließen sie niemals auf sich sitzen. Sie können schließlich gar nichts dafür. Sie machen das ja nicht aus Jux und Tollerei, auch wenn das vielleicht so aussehen mag. Und dann werden sie wieder mit dem Krankheitsbegriff wedeln, „Hypersexualität“, werden sie sagen, „ist eine Störung, keine Neigung“. Und damit ist es für sie getan, für all die Hypersexuellen. <br />Wir haben sie Hyperaktive genannt, um nicht schon im Titel zum Punkt zu kommen. Wenn man so früh zum Höhepunkt kommt, geht definitiv noch was in die Hose. <br />Wie dem auch sei, man könnte statt Hypersexualität auch Nymphomanie oder Sexsucht sagen. Die bittere Not hat viele Namen, sie hat sogar Gesichter dazu. Prominente Gesichter sind auch darunter: Michael Douglas, David Duchovny, Britney Spears oder Jesse James, um nur einige zu nennen. Wie um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, mischt jetzt auch noch Schwedens König mit. Und es kommt noch ein dickeres Krönchen drauf: Königin Silvia ist drauf und dran, die Eskapaden zu verzeihen. Unter welchem Druck SIE in der Hinsicht steht, wissen wir bislang noch nicht. Andererseits interessiert's uns auch nicht. Wir haben ja unseren eigenen Druck. <br />Und die Seite ist endlich voll. Also kommen wir jetzt mal zum letzten Punkt.]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 08:00:00 +0100</pubDate>
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			<title>Schein-Workaholics</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/datum////schein-worcaholics/</link>
			<description>Arbeitssucht ist eine Krankheit. Häufig trifft es Selbstständige oder Menschen in...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Arbeitssucht ist eine Krankheit. Häufig trifft es Selbstständige oder Menschen in Führungspositionen. Das fängt immer schleichend an, meistens nimmt die Arbeit den Workaholic mehr und mehr ein, Familie, Freizeit und Freunde treten entsprechend in den Hintergrund.<br />Aber das ist natürlich nur der Anfang. Wäre es alleine das, dann hätten recht viele Menschen ein Problem. <br />Phase zwei ist die der Erklärungsnot. Warum kommt Papa am Sonntag nicht mehr mit in den Zoo, warum fehlt er beim Doppelkopfabend? Natürlich weil immer ganz viel Arbeit im Büro wartet, die keinen Aufschub duldet. Weil sonst die Welt, oder zumindest die Firma, untergehen würde. <br />In der dritten Phase wird’s dann chronisch. Der Arbeitssüchtige reißt immer mehr Arbeit an sich, er delegiert nicht mehr, er will alles alleine machen, weil nur die eigene Arbeit seinen Ansprüchen genügt. In dieser Phase hat das Privatleben praktisch keine Bedeutung mehr. <br />Und dann folgt die finale Phase, wenn plötzlich gar nichts mehr geht, wenn die Leistungsfähigkeit auf Null abschmiert, wenn der Arbeitssüchtige einfach nicht mehr kann. Oder wenn Herzinfarkt oder Schlaganfall der Arbeit ein jähes Ende setzen.<br />Arbeitssucht ist eine oftmals tödliche Krankheit. Sie ist wirklich eine Krankheit. In Japan hat man für den Tod durch Arbeit sogar schon einen Namen. Karoshi heißt dort diese Todesart. Bei uns ist der Begriff „Workaholic“ allerdings nicht tödlich, sondern eher positiv belegt. Man hat Hochachtung für Menschen, die viel arbeiten, Workaholics gelten als Motor unserer Wirtschaft, als Schmieröl des Kapitalismus. Wenn jemand als Workaholic bezeichnet wird, dann ist das meistens als Kompliment gemeint.<br />Und genau darum gibt es bei uns in Deutschland die Schein-Workaholics. Schein-Workaholics sind Menschen, die nicht gerne mit ihren Kindern in den Zoo gehen und beim Doppelkopf sowieso immer verlieren.<br />Okay, das ist jetzt ein bisschen einfach. Schein-Workaholics haben auch meistens noch gar keine Kinder und spielen allenfalls Golf oder würden gerne Golf spielen, aber nicht Doppelkopf. Schein-Workaholics sind allerdings nicht nur jung, wir wollen hier kein falsches Bild vermitteln. Man trifft sie in allen Generationen. Aber man trifft sie doch vermehrt in den jüngeren Generationen.<br />Schein-Workaholics haben eigentlich immer ein Handy am Ohr, sie sitzen manchmal bis spät nachts in irgendwelchen Kneipen vor ihrem MacBook, sie sind ungeheuer wichtig, immer unterwegs, treffen sich ständig mit „Geschäftspartnern“ und gehen gemeinsam Essen, sie reden nur über ihre Arbeit und die dicken Fische, die sie ständig an Land ziehen, sie fahren meistens eine richtig fette Kiste, wobei für den Leasing-Vertrag fast das gesamte Einkommen drauf geht, sie wohnen deswegen auch häufig in kleinen und günstigen Ein-Zimmer-Wohnungen oder bei Mama, weil das ja niemand sieht und auch nicht so wichtig ist, weil sie ja eigentlich sowieso im Büro wohnen, das wiederum gerne in bester Lage untergebracht ist, und natürlich sind Schein-Workaholics deswegen chronisch mit der Miete im Rückstand.<br />Ach ja, Schein-Workaholics sind fast immer männlich, aber das hätte man sich auch denken können, oder? Wie auch immer, der gemeine Schein-Workaholic ist real eine völlige Niete und kostet die deutsche Wirtschaft im Jahr sicherlich mehrere Milliarden Euro. Zum einen, weil er notorisch über seine Verhältnisse lebt (siehe Büro in bester Lage) und vielen Menschen Geld schuldig bleibt, zum anderen, und das ist weitaus schlimmer, weil er vielen Geschäftsleuten die Zeit stiehlt.<br />Denn er redet am liebsten lang und breit über seine neuen Projekte und verbreitet dabei derart viel heiße Luft, dass die Fester beschlagen. Schein-Workaholics sind unglaubliche Show-Talente, begnadete Blender. Man merkt deshalb meistens viel zu spät, dass man auf einen Schein-Workaholic hereingefallen ist. Kluge Geschäftsleute sollten also künftig genau auf die Scheiben achten.<br />Beschlagen die Scheiben, sollte man einfach gehen.]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 08:00:00 +0100</pubDate>
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		<item>
			<title>Laiendarsteller</title>
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			<description>Es gibt eine Randgruppe, die sich exponentiell vergrößert wie keine zweite. Angefangen hat alles...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Es gibt eine Randgruppe, die sich exponentiell vergrößert wie keine zweite. Angefangen hat alles schon vor langer Zeit mit „Richter Alexander Hold“ oder „Richterin Barbara Salesch“, oder „Das Familiengericht“, auf jeden Fall mit Gerichtsshows – der Ausgangspunkt allen Übels. <br />Laiendarsteller haben sich inzwischen ausgebreitet wie die Pest im Mittelalter, sie bevölkern heute die deutsche Fernsehlandschaft in unzähligen sogenannten „Scripted-Reality-Formaten“. Sie sind keine Profis, deshalb heißen sie Laien, was auch unschwer zu erkennen ist. Sie sind meist völlig talentfrei, „unterhalten“ mit überdramatischem Geschrei oder sagen einfach monoton ihren Text auf. Sie erzwingen den Griff zur Fernbedienung, man will dem Leid entgehen, aber man kann nicht, denn auch auf allen anderen Kanälen treiben sie ihr Unwesen. Es sind einfach zu viele, sie sind überall, man kann ihnen nicht mehr aus dem Weg gehen. <br />Längst haben diese Laiendarsteller ihren Wirkungskreis erweitert, sie sind nicht mehr nur Vergewaltiger und Raubmörder in Gerichtsshows, sie finden nun auch in Fernsehformaten wie „Mitten im Leben&quot;, „Verdachtsfälle“ oder „Familie im Brennpunkt&quot; eine Plattform für... Ja, für was eigentlich? Was motiviert Menschen, ihr Gesicht für einen schlagenden Familienvater oder eine drogensüchtige Schülerin in Pseudo-Dokus herzugeben? Ist es die Überzeugung, es schauspielerisch so richtig drauf zu haben? Ist es gar die Hoffnung, „entdeckt“ zu werden und eine ganz große Karriere zu starten? Endlich raus aus Berlin-Marzahn und Hartz IV!<br />Bei der Recherche zu diesen Fragen stießen wir auf unzählige Internet-Foren, in denen darüber diskutiert wurde, wie man an eine dieser heiß begehrten Rollen kommen könne. Daneben viel Anerkennung für die, die es schon geschafft haben. <br />Das Interesse scheint riesig zu sein. Anscheinend ist für viele Menschen der Ausflug in die Fernsehwelt das größte Glück auf Erden. Was sie dort absondern, sieht dann wie folgt aus (entnommen aus „Verdachtsfälle“): Susi und Danni stehen sich in einem Wohnzimmer gegenüber, Danni schreit wild gestikulierend: „Susi, erzähl keinen Scheiß! (Pause) Sag mir einfach... ähm... die Wahrheit! (Pause) Sieh doch mal der Realität in den Augen! Jetzt sind wir zwei ganz alleine hier, du kannst alles sagen! Ist Andreas der Vater von Jonas?&quot; Nächste Szene: Danni verlässt das Haus und sagt dabei „Ich bin wirklich stinkwütend, ich will endlich wissen, wer der Vater von Jonas ist!&quot; zum Fernsehteam. <br />Kommentiert wird das Ganze anschließend aus dem OFF: „Danni ist wütend. Sie weiß immer noch nicht, wer der Vater von Jonas ist.&quot; Nächste Szene: Danni sitzt auf einem Sofa, anscheinend Wochen später, aber im gleichen Outfit, und reflektiert die vorangegangene Szene leicht lächelnd: „Ich war wirklich stinkwütend, denn ich wusste immer noch nicht, wer der Vater von Jonas ist.&quot; Darunter ein Statement eingeblendet: Danni (31): „Ich will wissen, wer der Vater von Jonas ist!&quot;<br />Eines muss man diesen Formaten zumindest lassen: Die verantwortlichen Redakteure wissen, wie man die Sendezeit füllt und wirklich jedem Zuschauer die Möglichkeit bietet, inhaltlich folgen zu können. Aber um die Redakteure dieser Pseudo-Dokus geht es hier ja nun nicht, die bräuchten eine extra Beleidigung, also wieder zurück zu den Laiendarstellern. Sind die alle irre, sich für so einen Scheiß herzugeben? Wollen die alle entdeckt werden? <br />Vielleicht geht es dabei noch um etwas anderes, und das wäre ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht wollen sie gar keine Schauspieler werden, sondern einfach nur ein bisschen Spaß haben. Ist ja bestimmt ganz nett am Set. Doch diese Hoffnung zerschlägt sich spätestens bei der Recherche im Internet. Um Spaß geht es nicht, eher um einen Wettbewerb. Es wimmelt nur so von selbsternannten Schauspielern, die auf ihren Homepages stolz bereits gespielte Rollen vorstellen: Briefträger bei „Unter uns&quot;, Familienvater bei „mieten, kaufen, wohnen&quot;, Zeuge bei „Barbara Salesch&quot;... Es läppert sich.<br />Sie alle wollen Schauspieler werden! Und meinen, dass jede Rolle zählt. Quantität statt Qualität, Masse statt Klasse. Jetzt kann man natürlich sagen, aller Anfang ist schwer. Wer mal ein richtiger Schauspieler werden will, sollte mitnehmen, was kommt! So wie damals Sascha Hehn. Man darf eben nicht wählerisch sein, Kleinvieh macht auch Mist! Aber kann das denn die Entschuldigung für alles sein? <br />Manche haben bereits derart viele Rollen angesammelt, dass kaum Platz für einen regulären Beruf bleiben dürfte. Hauptberuflich Laiendarsteller, auch eine Variante. Professioneller Laie sozusagen. Da ist anscheinend ein ganz neuer Berufszweig entstanden.<br />Ist das lukrativ? <br />Gerüchten zufolge gibt es, wenn sich ein Möchtegern-Schauspieler bei den „Schulermittlern“ so richtig zum Horst macht, immerhin 20 Euro Entschädigung – leider nur für den Laiendarsteller. Hört endlich auf damit! Geht arbeiten! Lest Bücher!]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 08:00:00 +0100</pubDate>
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		<item>
			<title>Absolute Vollidioten</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/datum////absolute-vollidioten/</link>
			<description>Es gibt eine Randgruppe in Deutschland, die muss unglaublich groß sein, aber es ist äußerst schwer,...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Es gibt eine Randgruppe in Deutschland, die muss unglaublich groß sein, aber es ist äußerst schwer, jemanden zu finden, der sich freiwillig zu ihr bekennt. <br />Nein, die Rede ist nicht von den Menschen, die für die Quote bei Hansi Hinterseer verantwortlich sind. Und wir meinen auch nicht die knapp 15 Prozent, die bei der letzten Bundestagswahl die FDP gewählt haben. Wir fragen uns, wer bei diesen TV-Telefon-Gewinnspielen mitmacht.<br />Kaum eine Live-Show im Fernsehen kommt heute noch ohne diese Gewinnspiele aus. Kurz vor der Werbepause geht es zur Sache. Oder gleich durchgängig, wie beim Quiz-Sender 9Live, der mit den Anrufern Millionenumsätze macht. Mit etwa 50 Cent ist man dabei. Und dabei sind viele. Manche Shows finanzieren sich zu einem Großteil allein aus diesen Anrufen. Aber wer macht da mit? Wer greift im gemütlichen Wohnzimmer abends zum Telefonhörer und löst all die unglaublich schwierigen Fragen?<br />Wer bringt am 24. Dezember die Geschenke, der Weihnachtsmann oder der Osterhase? Wer ermordete im Jahr 1888 in London vermutlich fünf Frauen, Jack the Ripper oder Jack London? Wie heißt der Ort eines Verbrechens, Tatort oder Tatsache? Wer erdachte die Relativitätstheorie, Abert Einstein oder Angela Merkel? Was bekommt man beim Bäcker, Brötchen oder Schallplatten? Welchen Beruf hat Claudia Schiffer, Modell oder Kapitän? Wer ist so dämlich, bei einem TV-Gewinnspiel mitzumachen, ich oder du?<br />Diese Fragen bringen uns auf eine erste Spur. Offensichtlich haben die TV-Sender eine ganz spezielle Zielgruppe im Blick. Gesucht werden absolute Vollidioten, die bei der Einblendung der Fragen aus dem Wohnzimmersessel springen und „Das weiß doch jedes Kind!“ schreien. Die gleich mehrmals anrufen, weil „Verdammt noch mal!“ ständig besetzt ist, sie immer nur in der Warteschleife landen oder ein Anrufbeantworter dran ist. Gesucht werden Menschen völlig ohne IQ. Wir haben an dieser Stelle zuerst über Vergleiche zum Tierreich nachgedacht, aber wir wollen hier ja keine Tiere beleidigen. Nein, uns geht es um die Menschen, um jene Zigtausend, die mit ihren Anrufen nicht nur dem eigenen Portemonnaie schaden, sondern ganz nebenbei auch dafür sorgen, dass die TV-Sender weiter ihren Mist produzieren können. Was sind das für Leute?<br />Es ist ein absolutes Rätsel. Klar, da gibt es zuerst all jene, die bei den diversen Deutschland-sucht-Formaten für ihren Kandidaten voten und eher nebenbei an den Gewinnspielen teilnehmen. Auch darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein, aber bei solchen Anrufen gibt es wenigstens noch einen anderen Grund, als die vage Hoffnung, Geld oder irgendeinen Flachbildschirm zu gewinnen. Was aber ist mit dem Rest?<br />Inzwischen weiß doch nun wirklich jeder, dass man besser Lotto spielen kann, als bei diesen 0190-Nummern anzurufen. Oder ist das alles am Ende nur eine große Lüge, rufen bei diesen Gewinnspielen größtenteils Praktikanten an, die ja bekanntlich zu Tausenden bei den TV-Sendern arbeiten (nicht alle bekommen einen Platz beim Stadtkind), um den Eindruck zu vermitteln, dass es gar nicht so dämlich ist, sein Geld zum Fenster heraus zu werfen, weil ja offensichtlich viele andere das ebenfalls tun. Man munkelt, dass es bei einigen Sendern in der Vergangenheit immer mal wieder zu solchen Praktikanteneinsätzen gekommen sein soll. Falls das so ist, wäre das eigentlich eine gute Nachricht, denn das würde die Anzahl der echten Anrufer ein bisschen eindampfen. Dem widersprechen natürlich die Umsätze bei den TV-Sendern. Es wird sie also doch geben, Tausende hirnlose Dumpfbacken, die sich völlig freiwillig verarschen lassen, das aber in der Öffentlichkeit niemals zugeben würden.<br />Für solche Menschen, die einfach mal darüber sprechen möchten, die sich endlich mal von der Seele reden wollen, dass sie auf die TV-Telefon-Abzocke reingefallen sind, haben wir beim Stadtkind eine Hotline eingerichtet. Unter 01379-22255533 bieten wir ein offenes Ohr und ganz viel Zeit. Der Anruf kostet aus dem Festnetz 49 Cent die Minute, Mobil kann es teurer sein. Und wer anruft, ist selber schuld.]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Wahnsinnige Eltern</title>
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			<content:encoded><![CDATA[„Das ist ja unglaublich! Bist du da alleine hochgeklettert? Wahnsinn! Guck mal, die kleine Melanie ist ganz alleine die Leiter hochgeklettert! Und jetzt rutscht sie ganz alleine die Rutsche runter! Wahnsinn!“ <br />Es ist ja immer wieder eine Freude, Eltern auf dem Spielplatz zuzuhören. Und während man noch so bei sich denkt, dass die ganz schön einen an der Waffel haben, weil Melanie schon zweieinhalb Jahre ist und gerade der kleine Daniel mit seinen kaum zwei Jahren ebenfalls die Leiter ganz alleine hochklettert, allerdings ohne Jubelschreie seiner Eltern, denn diese Übung beherrscht er bereits seit vier Wochen, legen Melanies Eltern noch mal nach: „Hast du dir die Mütze aufgesetzt? Ganz alleine? Ganz alleine aufgesetzt? Wahnsinn! Und wie süß du bist mit der Mütze! Sooo süß! Wahnsinn!“ Realistisch betrachtet ist es für ein zweieinhalb Jahre altes Mädchen natürlich keine besondere Kunst mehr, sich eine Mütze aufzusetzen. Und realistisch betrachtet hat die kleine Melanie ein ziemliches Pfannkuchengesicht, oder, um es ein bisschen diplomatischer auszudrücken, als der liebe Gott die Schönheit verteilt hat, stand Melanie nicht unbedingt in der ersten Reihe.<br />Aber wir wollen nicht ungerecht sein. In der Regel halten Eltern ihre Kinder für etwas ganz Besonderes. Das hat die fuchsige Mutter Natur so eingerichtet. Auf etwas ganz Besonderes gibt man im Normalfall nämlich ganz besonders gut acht. Also sind die lieben Kleinen entsprechend versorgt und umsorgt. Dass Eltern in den ersten Monaten und Jahren nach der Geburt des Nachwuchses einen ziemlichen Knall haben, der realistische Blick Urlaub macht, hat also einen tieferen Sinn. <br />Normalerweise schwächt sich diese Begeisterung mit der Zeit ab. Spätestens wenn der Nachwuchs in einen Kinderladen oder eine ähnliche Einrichtung kommt, sorgt der direkte Vergleich für Ernüchterung. Da gibt es plötzlich Kinder im gleichen Alter, die schon alleine Fahrrad fahren können, auf die Toilette gehen und ganz passabel Klavier spielen. Der Verdacht auf Hochbegabung zerschlägt sich. Das eigene Kind ist völlig normal. Die kleine Melanie ist gar kein Wunder, sie ist einfach ein Kind. Wunderbar, jetzt können wir uns alle zurücklehnen und uns entspannen. <br />Leider gibt es aber Eltern, die sich nicht entspannen wollen oder können. Nennen wir sie ruhig die wahnsinnigen Eltern. Solche Eltern entwickeln einen „ausschließenden“ Blick. Soll heißen, sie sehen nur das eigene Kind, das mit drei Jahren mühsam eine Tonleiter auf dem Klavier spielen kann, sie sehen aber nicht all die anderen Kinder, die mit drei Jahren munter Mozart klimpern. Die rosarote Brille sitzt fest auf der Nase, der realistische Blick ist unbekannt verzogen. <br />Die Kinder solcher Eltern bleiben ihr Leben lang hochbegabt, ganz egal, was der Nachhilfeunterricht kostet. Nichts wie weg, denken dann irgendwann die lieben Kleinen, bevor ich meine Eltern noch enttäusche. Ich werde sicher nicht Chirurg oder Bundeskanzler, ich schaffe ja nicht mal die Versetzung in die zehnte Klasse. Ich werde kein großer Pianist – ich würde ehrlich gesagt viel lieber mal mit meinem Klavierlehrer vögeln. Also packen sie irgendwann heimlich ihre Sieben Sachen und verschwinden, ohne Abschiedsbrief, Telefonnummer oder Postadresse, arbeiten vielleicht in irgendeiner größeren Stadt als Gelegenheitsprostituierte und spülen den Kummer mit Alkohol herunter. Oder sie springen gleich von der nächstbesten Brücke. Okay, das ist jetzt ein bisschen dick aufgetragen, aber wir werden ja sehen, wo diese Generationen von Hochbegabten landen, die dreisprachig aufwachsen, virtuos Klavier spielen, exzellent reiten und auch sonst alles können, was ihre Eltern sich in ihrem Wahnsinn so ausdenken.<br />Vielleicht werden sie ja auch Psychiater und verfrachten ihre Eltern bei Gelegenheit in die geschlossene Abteilung – wo sie unter uns gesagt auch hingehören.]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>Wahnsinnig witzige Radiomenschen</title>
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			<description>Man steht auf, die Sonne scheint, verspricht einen schönen Tag, die Nachbarn auf der Straße nicken...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Man steht auf, die Sonne scheint, verspricht einen schönen Tag, die Nachbarn auf der Straße nicken freundlich, und ausnahmsweise nickt man freundlich zurück, dann steigt man gut gelaunt ins Auto, pfeift sein aktuelles Lieblingslied, macht sich auf den Weg zur Arbeit – und weil man noch eben hören will, was so los ist in der Welt, schaltet man das Radio ein und zappt durch die Kanäle. Erfreulicherweise erklingt bald das aktuelle Lieblingslied. Gott ist mein Freund, denkt man, und dreht die Lautstärke bis zum Anschlag auf, grölt mit, so laut, dass die Windschutzscheibe bebt und die Fahrradfahrer nebenan fast vom Drahtesel kippen. Die Welt ist schön, die Sorgen winzig klein und kein Problem zu groß, um nicht an diesem Tag gelöst zu werden. Doch dann ist das Lieblingslied plötzlich vorbei und die wenigen Sekunden, die man braucht, um das zu realisieren, reichen völlig aus, um den schönen Tag jäh enden zu lassen. Denn ein Schwall guter Laune ergießt sich aus den Lautsprechern, geballter Wortwitz erfüllt das Wageninnere. Weg hier, den Sender wechseln, nur weg! Doch es ist, als hätten sie sich alle gleichzeitig verabredet. Auf jedem Kanal diese lustigen Radiomenschen.<br />Eine Pest grassiert in Deutschland. Es ist die Pest der Morning-Shows. Da berichtet ein fetter Radiomensch von seinen Versuchen, endlich ein paar Kilos abzunehmen. Aktuelle Gewichtstabellen gibt’s im Internet.<br />Unglaublich witzig. Eine Frau findet Männer in Sandalen und Socken fürchterlich und quatscht über die größten Modesünden im Sommer. Hat man alles schon tausendmal gehört. Aber das macht ja nichts. Immerhin ist man ja zu zweit. Und zur Jobbeschreiung gehört, dass Moderator I über Moderator II lacht. Laut, leise, kichernd, quiekend, grunzend. Wie sie sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, wie ein Kalauer denselben jagt, es ist eine wahre Freude, allerdings nur für die beiden, während man selbst gequält zum nächsten Kanal zappt. Und sich vorstellt, mal eben zum Studio zu fahren, zu all diesen Studios mit den lustigen Radiomenschen, mit irgendeinem Gegenstand bewaffnet, um dort ganz grundsätzlich klarzustellen, dass man nicht einverstanden ist mit ihrer widerwärtigen, aufgesetzten guten Laune. Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Radiomoderatoren in Morning-Shows unbedingt lustig sein müssen? Finger hoch! Wer war das? Oder hatte da der Teufel seine Finger im Spiel? Kann nicht mal einer dieser Moderatoren schlechte Laune haben? Es würde doch reichen, in den Pausen zwischen der Musik ein bisschen mit der Zeitung zu rascheln und zu murmeln, dass alles immer noch so beschissen ist wie am Tag zuvor, bevor man das nächste Lied ansagt. Das wäre zumindest mal ein realistisches Format. Setzt sie endlich ab, all diese Morning-Shows, macht diesem Elend ein Ende! Oder klaut ihnen wenigstens ihre Bücher mit den tausend besten Klosprüchen und den tausend besten Witzen. Und sperrt vor allem die Telefonleitungen. Was ist das peinlichste oder lustigste Erlebnis, das ihr hattet, während ihr auf die Wohnungen oder die Tiere eurer Freunde aufgepasst habt, so fragen zum Beispiel die witzigen Radiomenschen.<br />Und verdammt noch mal, es gibt immer noch ein paar Hohlnasen, ein paar Möchtegern-Co-Moderatoren, die tatsächlich anrufen, um ihre ungeheuer banalen Geschichten unters Volk zu bringen.<br />Was sind das für Menschen? Haben die nichts Besseres zu tun? Das können doch unmöglich alles Praktikanten sein, die man dazu verdonnert hat, damit der Eindruck entsteht, dass diese Sender gehört werden. Findet am Ende irgendjemand diese Morning-Shows tatsächlich witzig?<br />Das kann doch alles nicht wahr sein!]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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			<title>radio-stripper</title>
			<link>http://www.bw-h.de/unternehmen/leseproben/stadtkind-leseprobe-detail/datum////radio-stripper/</link>
			<description>Neulich las ich von einer Frau (deren Namen die Redaktion natürlich geändert hatte), die immer...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Neulich las ich von einer Frau (deren Namen die Redaktion natürlich geändert hatte), die immer wieder den gleichen, schrecklichen Traum hat. Sie träumt, dass sie eines Tages zum Telefonhörer greift und eine Nummer wählt, um dem Menschen am anderen Ende, einem völlig Fremden, wirklich alles zu erzählen. Einfach alles, die ganze Geschichte, von vorne bis hinten. Ihr ganzes Leben ohne Auslassungen. Sie erzählt von ihrer schwierigen Kindheit, dass ihr Vater getrunken und sie geschlagen habe, ihre Mutter ebenfalls, nur seltener, sie schildert haarklein die Doktorspiele mit Onkel Franz, der eigentlich nicht ihr Onkel war, sondern ein Nachbar, der aber bei ihr zu Hause ein und aus ging und fast zur Familie gehörte, sie erzählt, dass sie ihren kleinen Hund in der Regentonne ertränkt habe, aus Frust, weil das Zeugnis in der siebten Klasse so schlecht gewesen sei, sich berichtet von ihrer Zeit auf der Hauptschule und von ihren Affären mit Heiko, Stephan, Markus, Karsten, Guido und Dirk, Thomas, Michael, Thorsten, Detlef und Nina, wobei die ein einmaliger Ausrutscher war, im Gegensatz zu Detlef, der ihr Deutschlehrer gewesen sei, und dass das Wörtchen »und« zwischen Guido und Dirk schon seinen Grund habe. <br />Sie erzählt davon, dass sie nach der Hauptschule noch die Realschule besucht habe, dass sie gekämpft habe und irgendwann tatsächlich den qualifizierten Realschulabschluss in der Tasche hatte, dass sie eigentlich sogar aufs Gymnasium gehen wollte, aber ihr Vater das verboten habe, weil sie endlich ihr eigenes Geld verdienen sollte, dass sie dann eine Lehre in einer Fleischerei angefangen habe, der Chef sie aber immer angefasst hätte, dass sie die Lehre deshalb zuerst abgebrochen habe und schließlich doch in einer anderen Fleischerei beenden konnte. Und dann sei sie mit dem ersten eigenen Geld in der Tasche sofort zu Hause ausgezogen, auch um Onkel Franz aus dem Weg zu gehen. Und sie erzählt weiter, dass sie inzwischen verheiratet sei, aber dass sie wohl eher Pech mit Männern habe, weil ihr Mann ein ziemlicher Versager sei, ohne Job aber dafür mit ziemlich großer Schnauze, und dass sie inzwischen drei Kinder habe, zwei Mädchen und einen Jungen, eine unglaublich wilde Bande, weswegen ihr auch manchmal die Hand ausrutschen würde, und dass es ihr danach immer leid täte und sie dann zur Flasche greifen würde, weil sie auch nicht besser sei, als ihre Eltern, und dass sie wegen dem Alkohol in letzter Zeit häufig zu spät zur Arbeit kommen würde, weswegen wohl jetzt bald die Kündigung ins Haus flattern dürfte, und dass sie, wenn es so weit kommen würde, für gar nichts mehr garantieren könnte. Nebenbei erzählt sie noch, wie sie heißt und wo sie im Augenblick wohnt und dass man vielleicht schon mal den Notarzt rufen sollte.<br />Was ist an diesem Traum nun besonders schlimm? Es ist ja nur ein Traum. Sie ruft einen fremden Menschen an und erzählt ihm ihre Geschichte – so what? Aber der Traum ist noch nicht zu Ende, denn während sie erzählt, meint sie, aus der Nachbarwohnung ein Echo ihrer Stimme zu hören, und als sie irgendwann das Fenster zur Straße öffnet, steht da ein Wagen mit heruntergelassener Scheibe und aus dem Wagen erklingt ebenfalls ihre Stimme. Und dann begreift sie, dass sie gerade mit irgendeinem Radiotypen telefoniert und legt ganz schnell auf. Später geht sie noch einkaufen und alle zeigen mit dem Finger auf sie. Schrecklich! Ein wahrhaft fürchterlicher Traum.<br />Was für ein Glück, dass so etwas im wirklichen Leben nie passiert. Man stelle sich das mal vor, dass tatsächlich Leute bei Radiosendern anrufen, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen und dabei auch noch ihren Namen und ihre Adresse ausplaudern. Das wäre ja total verrückt. Am Ende könnte man sich sogar vorstellen, dass solche Leute sich in irgendwelche TV-Talkshows setzen und sich medial vollkommen entblößen. Oder dass sie sich im Internet eine eigene Seite einrichten, auf der sie ihre Geschichte dann auch noch bebildern. Aber so verrückt ist ja Gott sei Dank keiner…]]></content:encoded>
			<category>Randgruppenbeleidigung</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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